STÄDTECHECK

Kurs auf
NORD


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN HERBST 2018
Text — Nikolaus Prokop

Nordeuropa ist eine der spannendsten Trendregionen im Herbst. Auf zum Städtetrip nach Amsterdam, Brüssel oder Kopenhagen!

 

Die Einheimischen bezeichnen Amsterdam oft gerne liebevoll als „dorp“ – als Dorf, obwohl die Stadt mit knapp über 800.000 Einwohnern durchaus ernstzunehmende urbane Größe aufweist. Doch unter den internationalen Großstädten zählt Amsterdam eindeutig zu den kleinsten – und vor allem zu den freundlichsten und entspanntesten. So lautet etwa der generelle Dresscode hier: Wenn man damit nicht „fietsen“ – Fahrrad fahren – kann, gar nicht erst anziehen.
Und oft genug kann man auch das Fahrrad getrost stehenlassen, denn am besten erobert man Amsterdam einfach zu Fuß – oder noch besser vom Wasser aus. Eine der schönsten Ideen dafür: Eine Fahrt mit „G’s Brunch Boat“, ein stilvoll umgebauter alter Kohlenlastkahn, der, wie der Name bereits verrät, auf einer eineinhalbstündigen Tour von der Keizersgracht durch das verschlungene Kanalnetz und die Grachten des Stadtzentrums gemütlich bis zum Hafen gondelt, während sich auf den Tischen pochierte Eier, Waffeln, Bagels, Rührei mit Avocado und eine Auswahl an alkoholischen „Tipsy Drinks“ – wie Bloody Mary, Prosecco & Co. – oder „Sober Drinks“ in Form hausgemachter Limonaden etc. türmen.
Zurück an Land ist ein Spaziergang durch die Negen Straatjes (Neun Straßen) im westlichen Grachtengürtel beinahe Pflicht, denn in diesen neun kleinen Seitenstraßen findet sich nahezu alles in konzentrierter Form, was Amsterdam so ungemein liebenswert macht: ein charmanter Mix aus skurrilen kleinen Shops, außergewöhnlichen Designboutiquen (z. B. „360 Volt“) und Kunstgalerien (z. B. „Huis Marseille“), Second-Hand-Stores (z. B. „Laura Dols“) sowie unzähligen kreativen Bars und Restaurants (z. B. „Brix“, „De Struisvogel“).
Kulturbeflissene sollten sich natürlich keineswegs die weltberühmten Kunstsammlungen des Van Gogh Museums, des Rijksmuseums und des Stedelijk Museums entgehen lassen. Wer hingegen eine authentische Prise des neuen urbanen Amsterdams schnuppern will, sollte keinesfalls einen Besuch auf dem Gelände der 1978 stillgelegten ehemaligen NDSM-Werft in Amsterdam-Noord verpassen: Auf dem einstigen Industriegelände pulsiert einer der spannendsten kulturellen Hotspots der Stadt, mit einer dynamisch wachsenden Kunst- und Eventszene sowie einer ständig größer werdenden Vielfalt an trendigen Bars, Cafés und Restaurants – hipper als hier kann Amsterdam kaum sein.
Brunch Boat


Einer der schönsten Wege, Amsterdam kennenzulernen: eine Bootsfahrt durch die historischen Grachten.

Empfehlenswert: „G’s Brunch Boat“, auf dem zur Grachtentour auch gleich Rührei, Bloody Marys und vieles mehr serviert werden. reallyniceplace.com

 

 



Einheimische bezeichnen Amsterdam mit Under-statement als Dorf, Besucher fasziniert das lockere Lebensgefühl.






Der Dresscode in Amsterdam: Was nicht fahrradtauglich ist, bleibt im Schrank.




Anderswo nennt man es „Shabby Chic“ – in Amsterdam hat man die Coolness dieses Lebensstils erfunden.

 

Art déco und Craft Beer

Nur rund zwei Stunden Bahnfahrt liegt Amsterdam von der belgischen Hauptstadt entfernt. Auch in Brüssel ist der Puls der Zeit speziell in einem Stadtteil auf besonders angenehme Weise erlebbar: Das EU-Viertel zählt ohnehin zur touristischen Pflicht, das schicke Trendquartier Ixelles ist derzeit in aller Munde, doch wer z. B. der berühmten Biere wegen nach Belgien gekommen ist oder einfach nur die Stadt von ihren noch weniger bekannten Seiten kennenlernen möchte, ist in Saint-Gilles weitaus besser aufgehoben. Auch hier ist das weithin bekannte Gesicht Brüssels mit seinen prächtigen Art-déco-Bauten und seinem kosmopolitischen Flair intensiv spürbar. Die pittoreske Gegend mit der höchsten Dichte an Jugendstilbauten ist allerdings noch stark im Umbruch, Kreative und junge Familien siedeln verstärkt hierher, weshalb Saint-Gilles ein her- ­vorragender Ausgangspunkt für einen entspannten, atmosphärischen Stadtbummel ist. Zwar umfasst die Bierliste im „Café La Pompe“ oder dem „Café La Biche“ nicht unbedingt gleich 3.000 Positionen wie beim Weltrekordhalter „Delirium Café“ im Stadtzentrum, doch auch hier gibt es weitaus mehr zu erforschen, als während eines Abends vernünftigerweise trinkbar wäre. Und vor allem: Hier kommt man schnell mit Einheimischen ins Gespräch und erfährt von spannenden „places to go“ wie z. B. „La Tricoterie“, einem multi­funktionellen Kulturzentrum in einer alten Textil­fabrik, oder dem nur einige Minuten entfernten „Victor Horta Museum“, das äußerst sehenswerte Privathaus und Studio des berühmtesten belgischen Jugendstil-Architekten seiner Zeit.

Der Radweg als Laufsteg

Apropos Stil: Diesbezüglich ist Kopenhagen eindeutig die Hauptstadt Europas, wenn nicht eventuell sogar der ganzen Welt. Mehr Chic auf den Radwegen und Flanierwegen – und natürlich in den Shops und Boutiquen – ist kaum denkbar, Liebhaber des modernen Designs sollten beim Shoppingbummel ihre Kreditkarte gut hüten. Ein Abendessen in Foodie-Tempeln wie „Geranium“, „Høst“ oder dem jenseits aller Superlative liegenden legendären „Noma“ gleicht einem puristischen Gesamtkunstwerk. Die unvergleichliche Coolness Kopenhagens ist zugleich mit sympathischer nordischer Entspanntheit gepaart: Ein abendlicher Drink in den ungemein angesagten Stadtvierteln Vesterbro und Kødbyen (sehr zu empfehlen: Bars wie z. B. „Atze Peng“ oder „Mesteren & Lærlingen“) ist die ideale Ausgangsbasis, um vom Nachbarn an der Theke gleich die besten Tipps fürs Frühstück („Granola“ in der Værnedamsvej), für die beste Shoppingmeile (Istegade mit ungemein stylischen Fahrradshops wie z. B. „Cykelfabrikken“) oder das außergewöhnlichste Museum („Arken“, eine hochkarätige Sammlung moderner Kunst in einem futuristischen Bau ca. 30 Busminuten außerhalb der Stadt) zu erfragen. Denn schließlich: Der Weg zur Meerjungfrau an der Hafenpromenade steht ohnehin in jedem Reiseführer.
Arken


Ein Geheimtipp unter den Kopenhagener Kultur-highlights, da das Museum Moderner Kunst etwas abgelegen einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt.

Der beeindruckende futuristische Bau beherbergt u. a. eine große Sammlung der Werke von Damien Hirst sowie Werke von Ólafur Elíasson, Anselm Reyle u. v. m.

 




Neuentdeckungen: z. B. in noch weniger bekannten, aber aufstrebenden Stadtvierteln Brüssels wie Saint-Gilles.


Amsterdam – unterwegs in einer der kleinsten, aber dafür umso entspannteren Hauptstädte Europas.


Nyhavn: der schönste Ausgangspunkt, um Kopenhagen bei einer Bootstour vom Wasser aus zu besichtigen.

 


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