WELTREISE

Solo um
den GLOBUS


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN WINTER 2018
Text — Nikolaus Prokop

Viele träumen von ihr, nur wenige wagen sie: eine abenteuerliche Weltreise im Alleingang, wie sie Waltraud Hable ein Jahr lang unternommen hat.

 

Eine Frau. Ein Koffer. Elf Monate – und 106.543 Kilometer. So lauten die Basisdaten einer Reise, die Waltraud Hables Leben von Grund auf verändert hat. Denn ehe sie ihren Trip rund um den Globus startete, den sie zwar schon lange im Sinn hatte, aber erst nach 15 Jahren wagte, war sie ein Mensch, den sie selbst als „verkopft, übervorsichtig und ängstlich“ bezeichnet. Inzwischen war sie mit Haien tauchen, ist unzählige Male beim Verlassen der persönlichen Komfortzone über den eigenen Schatten gesprungen und hat beispielsweise Kapstadt, das zu den eher gefährlicheren Städten der Welt zählt, als wahres Paradies auf Erden kennengelernt. Und vor allem: sich selbst, die Welt und das Leben sieht sie heute mit völlig anderen Augen. „Mit jedem Kilometer weiter weg von zu Hause, mit jedem Tag völlig neuer Erlebnisse wächst der Mut. Ich bin heute viel entscheidungsfreudiger, denn auf dieser Reise habe ich gelernt: Gar nichts im Leben ist vorhersehbar. Doch gerade dann, wenn man sich auf diese Unvorhersehbarkeit einlässt, passieren die coolsten Dinge.“
37 Jahre alt war die Journalistin und Chefredakteurin eines bekannten Lifestylemagazins, als sie vor drei Jahren wagte, wovon zwar viele träumen, wozu jedoch den meisten die Courage fehlt: den Job zu kündigen, das Auto zu verkaufen, die Wohnung für knapp ein Jahr zu vermieten und aufzubrechen ins große, weite Ungewisse. Vierzehn Destinationen durchstreifte sie als Stationen ihrer Reise, von Tansania nach Kapstadt und weiter nach San Francisco, Hawaii, Buenos Aires, Rio de Janeiro, Australien, Japan, Myanmar, Laos, Thailand, Indien, Helsinki, Marrakesch und Lissabon. Und mit im Reisegepäck war stets ein Gedanke, der absolut kein Zurück duldete: „Wenn ich’s nicht mache, sagte ich mir, werde ich es eines Tages bereuen und als alte Frau frustriert auf einer Parkbank auf Tauben und kleine Kinder schimpfen. Und das wäre blöd. Außerdem hege ich den Verdacht, dass die Welt nur deshalb so groß gemacht worden ist, damit man sie sich ansieht. Alles andere wäre ja wohl massive Verschwendung.“

 

Die Reise


Elf Monate und eine Woche lang tourte Waltraud Hable mit einem Koffer rund um die Welt und durchstreifte dabei folgende Länder bzw. Städte:

Tansania, Kapstadt, San Francisco, Hawaii, Buenos Aires, Rio de Janeiro, Australien, Japan, Myanmar, Laos, Thailand, Indien, Helsinki, Marrakesch und Lissabon.



Relaxen in Myanmar: 70.000 Flugmeilen haben Waltraud Hable vom Kontrollfreak zum gelassenen Reiseprofi gemacht.

 

 


Auf Hawaii fand Waltraud Hable erstmals ihren wahren Reise- flow und realisierte: „Ich muss gar nichts.“



Obwohl Südafrika als nicht ganz ungefährliches Reiseland gilt, fand Waltraud Hable in Kapstadt den Himmel auf Erden.

 

Lebenslust und Flugzeugkaffee

Bezahlt gemacht hat sich der Megatrip, in den Waltraud Hable ihre gesamten Ersparnisse investierte, nicht nur durch einige bleibende Erkenntnisse über das Dasein („Wer öfter Ja sagt, sieht mehr vom Leben“) oder ungewöhnliche Reisetipps („Kaffee aus Flugzeug-Thermoskannen ist das unhygienischste Getränk überhaupt“), sondern vor allem auch in Form eines ungemein amüsanten und mitreißenden Reiseberichts: In „Mein Date mit der Welt“ erzählt die aus dem kleinen Innviertler Örtchen Aurolzmünster stammende Oberösterreicherin mit viel Witz, Charme, Ironie und lebenskluger Bodenständigkeit von ihren Erlebnissen und beantwortet die oftmals gestellte Frage „Kann frau eine solche Reise tatsächlich solo wagen?“ mit einem klaren Ja. Vorausgesetzt, man schickt den gesunden Menschenverstand nicht in die Pause und nimmt in fremden Städten abends lieber ein Taxi. Oder ignoriert einfach unfreundliche männliche Mitreisende (die im eiskalten indischen Schlafwagen für Missstimmung sorgen) oder allzu zudringliche Reisebekanntschaften: „Wenn man kategorisch klar macht, dass Nein ein ganzer Satz ist und solides Selbstvertrauen demonstriert, ist das ein guter Schutzpanzer und es gibt nur selten echte Probleme.“

Vom Kontrollfreak zum Reiseflow

Eindrucksvoll und berührend ist, wie Hable ihren erst allmählich vonstatten gehenden Wandel von einem von Zweifeln geplagten und von westlichem Leistungsdruck geprägten Kontrollfreak zur relaxten Reisefanatikerin beschreibt: Erst nach einem Drittel der Reise, so erzählt sie, habe sie wirklich ihren Flow gefunden, und erst auf Hawaii hätte sie endgültig realisiert: „Ich muss gar nichts.“
Und natürlich spielen auch manchmal skurrile, manchmal außergewöhnliche zwischenmenschliche Begegnungen sowie die Liebe auf Reisen eine wichtige Rolle in ihren Erzählungen: Ausgerechnet in Kapstadt, der zweiten Station ihrer Reise, habe sie erstmals die Dating-App Tinder aktiviert und durchwegs positive Erfahrungen gemacht, erzählt Hable. Nahezu sämtliche ihrer Online-kontakte hätten sich nicht nur als respektvolle Gentlemen, sondern vor allem auch als äußerst ambitionierte Reiseführer erwiesen – und Richard, der kanadische Globe­trotter, den sie in Rio kennenlernte, oder Joao aus Lissabon sind ihr bis heute ans Herz gewachsen. Und auch wenn die große Liebe nicht dabei war: Die Reise des Lebens geht ja noch lange weiter. Und auf den nächsten Trip spart Waltraud Hable ­ohnehin schon längst.
Waltraud Hable


Geboren 1978 in Aurolzmünster, OÖ, war Chefredakteurin eines bekannten Lifestylemagazins, ehe sie ihren Job an den Nagel hängte und ein knappes Jahr lang um die Welt reiste.

Heute lebt sie als Journalistin und Chefredakteurin eines großen Österreich-Magazins in Wien und plant schon die nächste große Reise.



In Rio lernt Waltraud Hable den kanadischen Globetrotter Richard kennen, der ihr bis heute ans Herz gewachsen ist.

 


In Indien ärgert sich Hable über unfreundliche Mitreisende und staunt trotzdem über die Pracht des Landes.

 

Mein Date mit der Welt


Was passiert, wenn eine Frau Ende 30 ihr altes Leben hinschmeißt, alle Ersparnisse zusammenkratzt und elf Monate alleine auf Weltreise geht – mit einem übergewichtigen Rollkoffer und jeder Menge Zweifel im Gepäck? Ein abenteuerlicher Trip rund um den Globus, der von weißen Haien, ­falschen Ayurveda-Ärzten, kuriosen Zufällen, dem Sich-Einlassen-aufs-Leben und so manchem amüsanten Tinder-Date erzählt

DuMont Reiseverlag, dumontreise.de



 

 


Credits: © Fotos: Patricia Weisskirchner; Waltraud Hable;
 
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