GENUSS IM HERBST

VOM ERLEBEN im Land der REBEN


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN HERBST 2017
Text — Nikolaus Prokop

„Die Poesie der Erde“ nannten die Dichter einst den Wein. Wohl deshalb schreibt der Herbst in Österreichs Genuss-regionen die schönsten Gedichte direkt ins Weinglas.




Ein Ausflug in die Südsteiermark ist eine ideale Gelegenheit, um die Landessprache zu lernen. Zum Windrad sagt man zum Beispiel „Klapotetz“.

Wer je die Südsteiermark als die Toskana Österreichs bezeichnet hat, hatte unrecht: Die Toskana ist die Südsteiermark Italiens!
Die Südsteirische Weinstraße hat viele Kurven und lädt deshalb zu vielen entschleunigten Umwegen ein.


 


Die Bezeichnung „Sturm“ kommt nicht von ungefähr: Bei seiner Gärung meldet sich der junge Wein oft lautstark aus dem Fass.




 
Die S-Bahn verbindet den Grazer Hbf direkt mit den Weinorten Ehrenhausen und Spielfeld-Straß (Eurocity-Halt). Von dort bringt Sie das WEINmobil zum gewünschten Weingut, Buschenschank oder Wirtshaus! weinmobil.at
 
Die Südsteirische Weinstraße hat viele Kurven. Nicht etwa, wie in anderen Bundesländern angeblich neidisch gemunkelt wird, weil ihre Erbauer einst schon bei ihrer Planung in den Wirtschaftswunder-Fünfziger-Jahren eventuell einige Gläschen zuviel intus hatten, sondern weil sie das einzig Richtige tut, was eine Straße in solch einer prachtvollen Landschaft tun darf: Sie ordnet sich ganz bescheiden der Topographie unter und schlängelt sich gemächlich zwischen den sanften grünen Hügeln hindurch. Eilig hat sie es dabei ganz bestimmt nicht.
Und damit hat sie mit ihren Besuchern viel gemeinsam. Denn hat man erst einmal begonnen, ihrem Lauf und damit naturgemäß auch der Spur des südsteirischen Weins zu folgen, bleibt es nie bei nur einem Buschenschank. Schließlich wartet der nächste ja schon mit hoher Wahrscheinlichkeit nur ein, zwei Kurven weiter – und könnte ebenfalls noch einen kleinen Umweg lohnen.
Und auch beim Vorsatz, ja ohnehin nur ein Achterl trinken zu wollen, bleibt es zwangsläufig nie. Dazu schmecken der Welschriesling, der Sauvignon Blanc, der Schilcher und der Sturm viel zu gut, dazu ist die Landschaft speziell im Herbst viel zu verführerisch, sind die Menschen viel zu gastfreundlich und die Jaus’nbrettl’n viel zu groß, auf denen G’söchts mit Kren, kalter Schweinsbraten, Verhackerts, Käferbohnen-salat, Sulz mit Kernöl, Kürbiskernaufstrich und andere raffinierte Deftigkeiten für die gebührende Unterlage zum Wein sorgen.

Südsteirische Weinstraße

Vom Weinlesefest in Gamlitz über das Südsteirische Herbstfest in Leibnitz bis zur Junker-Präsentation im November: Die Online-Info der Südsteirischen Weinstraße bietet das komplette Weinprogramm im Herbst sowie eine Vielzahl an Tipps und Informationen zu Buschenschanken, Weingütern & Winzern, Gastronomie, Übernachtungs- und Erlebnismöglichkeiten und vielem mehr.

Infos: suedsteirischeweinstrasse.at



Zwar hat der Welschriesling seine Heimat im benachbarten Slowenien, doch in der Südsteiermark hat er seine Wahlheimat gefunden.



Ab September erschließt sich die landschaftliche Schönheit des Burgenlands auf besonders stimmungsvolle Weise.

 

WeinWegGols


Auf der 11,4 km langen Rundwanderung durch die Golser Rieden beschreiben 31 Stationen den Vegetationsverlauf eines Weingartens im Lauf eines Jah-res. Alle Infos: oebb.at/wandern

Ab Wien Hauptbahnhof geht’s mit den REX-Zügen von ÖBB und Raaberbahn in knapp einer Stunde nach Gols. Alle Infos: tickets.oebb.at

Nicht nur reich an Kurven und Buschenschanken ist die Südsteirische Weinstraße, sondern zugleich auch ein Paradoxon: Denn einerseits ist sie zwar eindeutig für den Autoverkehr gedacht. Doch andererseits ist das Auto das denkbar ungeeignetste Fortbewegungsmittel, falls man gedenkt, ihre Weinkeller in entsprechender Ausgiebigkeit zu erforschen.
Schließlich schiebt die Straßenverkehrsordnung einer intensiveren Zusammenführung der beiden Begriffe „Wein“ und „Straße“ jenseits der 0,5-Promille-Grenze einen klaren Riegel vor. Doch wozu sich selbst genussfeindlich hinters Steuer klemmen, wenn es mittlerweile clevere Ideen gibt wie das südsteirische WEINmobil?

Unterwegs mit dem WEINmobil
Das Konzept hinter diesem u. a. auch im Rahmen des Umwelt- und Klimaschutzes geförderten Mobilitätsservices ist ebenso einfach wie bestechend: Täglich von 10:00 bis 23:30 Uhr sind Partner-Taxiunternehmen in der gesamten Region unterwegs und bringen Besucher der Südsteirischen Weinstraße z. B. direkt von den Bahnhöfen in Ehrenhausen und Spielfeld zu einer Vielzahl an ausgewählten Betrieben und Erlebnispunkten. Die umfangreiche Liste der per WEINmobil erreichbaren Weingüter und Buschenschanken liest sich wie ein Who’s Who der südsteirischen Top-Winzerszene, darunter klingende Namen wie Tscheppe, Muster, Polz, Sabathi und Tement oder auch Beinahe-Noch-Geheimtipps wie Lieleg oder Repolusk. Eine echte Entdeckung, da noch nicht ganz so bekannt wie die absoluten Stars unter den südsteirischen Winzern, aber dafür umso überraschender: Das in ungemein idyllischer Lage direkt an der Glanzer Kellerstraße gelegene Weingut Germuth. Beachtliche 89 Punkte im großen „Falstaff Heurigen & Buschenschank Guide 2017“ sprechen für sich, und der vielfach prämierte Welschriesling, der zu den sechs besten der Steiermark zählt, sowieso. Und falls, was durchaus vorkommen soll, der Abend etwas länger wird: Wie bei vielen der direkt per WEINmobil erreichbaren Betriebe gibt’s auch bei Familie Germuth komfortable Gästezimmer!

 


Pannonischer Herbst im Burgenland – für viele die schönste Jahreszeit in der Region für viele Freizeitaktivitäten.

 

Nicht nur in der Südsteiermark, auch z. B. rund um den Neusiedler See lädt der Herbst zu genussvollen Erlebnisausflügen ein. Zu den Highlights zählen etwa das Mörbischer Weinlesefest von 29. September bis 1. Oktober, das neue Musik- und Kulinarikfestival Herbstgold von 6. bis 16. September 2017 in Eisenstadt oder das traditionelle Martiniloben rund um den 11. November in bekannten Weinorten wie Gols, Podersdorf, Purbach, Ilmitz und vielen anderen Gemeinden der Region Neusiedler See.


„Ganz Burgenland“ entdecken

Vor allem in Gols grenzt das alljährliche Martiniloben schon beinahe an eine sportliche Herausforderung, denn ganze drei Tage lang – heuer von 10. bis 12. November – laden über 80 Weinbaubetriebe zur Verkostung. Speziell abends bei Kerzenschein ein besonders atmosphärisches Erlebnis, zu dem man nichts weiter braucht als einen „Korken“ – ein Eintrittsticket für wenig Geld, das als magischer Schlüssel sämtliche Kellertüren öffnet und dafür sorgt, dass man so gut wie ständig ein gefülltes Gläschen in der Hand hält. Deshalb gilt auch hier die Devise: Das Auto besser daheim stehen lassen. Denn mit den Martini-Linien, die die einzelnen Veranstaltungsorte in der Region Neusiedler See vernetzen, ist man von 3. bis 4. und 10. bis 11. November 2017 sicher und bequem von einer Weinverkostung zur nächsten unterwegs.
Und auch im Ort selbst rollt ein Kellerbus von einem Winzer zum nächsten – zum Beispiel zu Markus Iro, der mit erst 34 Jahren schon jetzt zu den heißesten Geheimtipps der an Stars nicht gerade armen burgenländischen Winzerszene zählt. Wer etwa je seinen famosen Zweigelt Ungerberg probiert hat, lächelt nur noch glücklich über sein Glas hinweg in den Herbstabend und stellt keine weiteren Fragen mehr, weshalb Iro mittlerweile als einer der absoluten Top-Rotweinwinzer des Landes gehandelt wird.
Wer Martini sagt, der muss natürlich auch Gans sagen. Und wer nicht unbedingt das gans Naheliegende tun will – nämlich sich beim großen „Gans Burgenland-Genussfestival“ in Rust von 13. bis 15. Oktober durch ein immenses Slow-Food-Spektrum an kulinarischen Köstlichkeiten rund um das gefiederte pannonische Wahrzeichen durchzukosten –, der kann von Gols aus z. B. auf die andere Seeseite nach Purbach wechseln.
Denn dort warten gleich zwei kulinarische Verführungen, die jede für sich schon einen kleinen Herbstausflug lohnt: zum einen der offiziell als „kulinarischer Botschafter des Burgenlands“ ausgezeichnete junge Haubenkoch Max Stiegl mit seiner grandiosen pannonischen Terroir-Küche auf seinem „Gut Purbach“. Und zum anderen Thomas Schwarz mit seinem ebenfalls in Purbach idyllisch an den Hängen des Leithagebirges gelegenen Weingut, Restaurant und Hotel „Kloster am Spitz“. Schwarz' puristische, biodynamische Weine – z. B. seine Weißburgunder/Chardonnay-Cuvee „Muschelkalk“ – sind ebenso sensationell wie die Küche, der Blick hinab auf die Seelandschaft vor allem im Herbst geradezu magisch, und die Heimfahrt verschiebt man zugunsten der himmlisch weichen Gästebetten gerne um ein, zwei Tage – spätestens, wenn etwa ein kross gebratener Neusiedlersee-Wels zu einem Gläschen „Muschelkalk“ verlockend auf dem Teller landet. Infos: neusiedlersee.com



Die Region Neusiedler See ist Österreichs Rotweinland schlechthin. Doch auch innovative Weißweine machen sich dank der jungen, kreativen Winzerszene immer häufiger einen Namen.



Schon Gerhard Krachers Vater Alois galt als Süßweinpapst Österreichs. Eine Tradition, die nun bereits in der dritten Generation fortlebt.


Die Bezeichnung „Sturm“ kommt nicht von ungefähr: Bei seiner Gärung meldet sich der junge Wein oft lautstark aus dem Fass.




 
Ideal für Tages- und Wochenendausflüge: 15 Orte der Region Neusiedler See sind ab Wien in kurzer Reisezeit mit Zügen der ÖBB erreichbar – z. B. geht's in nur 40 Min von Wien Hbf nach Neusiedl/See Infos: oebb.at/burgenland
 
 
 
 
 
 
Mit dem Coravinsystem lässt sich Wein aus einer Flasche ausschenken, ohne den Korken zu ziehen. Der Flascheninhalt bleibt weiterhin geschützt!
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WINZER DES JAHRES

GERHARD KRACHER

 

Das deutsche Gourmetmagazin „Feinschmecker“ hat Sie im April dieses Jahres zum „Winzer des Jahres“ gekürt. Was bedeutet dieser Award persönlich für Sie?

Gerhard Kracher
Das ist natürlich eine große Ehre, vor allem da ich der erste Österreicher bin, der diesen Award erhält. Sogar in den USA, wo unsere Weine sehr beliebt sind, wurde ich darauf angesprochen!

Wein & Herbst im Burgenland – welche Emotionen und Erlebnisse sind damit für Sie verbunden?

Gerhard Kracher
Der Herbst ist für mich ganz einfach die schönste und erfüllendste Jahreszeit – eine Erntezeit im doppelten Sinn, denn da zeigt sich, wie sehr sich die Mühe des Jahres gelohnt hat. Was genau dabei herausgekommen ist, spürt und schmeckt man ja immer erst in vollem Umfang, wenn der Wein zum allerersten Mal ins Glas fließt!

Was wird es heuer an Neuigkeiten aus dem Haus Kracher geben?

Gerhard Kracher
Zum Beispiel den „Ice Wine Liliac & Kracher“, den wir gemeinsam mit dem transsilvanischen Weingut Liliac kreiert haben. Bei uns ist Eiswein ja aufgrund des Klimawandels ein etwas schwieriges Thema geworden. Aber in Transsilvanien ist es dafür zum Glück noch kalt genug. Am besten lernt man unsere neue Kreation gleich bei einem Besuch bei uns am Weinlaubenhof in Illmitz kennen, insgesamt können 30 Weine aus unserem umfangreichen Sortiment verkostet werden. Ab 15 Personen unternehmen wir übrigens auch gerne eine ausgiebige Führung durch die Illmitzer Weingärten.

Und wo schmeckt's Ihnen in der Neusiedler-See-Region privat am besten?

Gerhard Kracher
Ein absoluter gastronomischer Fixpunkt für mich ist z. B. das „Gasthaus zur Dankbarkeit“ in Podersdorf, das bedeutet für mich burgenländisch-pannonische Genusskultur, wie sie besser und authentischer nicht sein könnte. Und wenn ich einmal Zeit zum Radeln habe, mache ich gerne im „Landgasthaus Karlo“ in Illmitz Pause. Der Gastgarten ist ein echtes Erlebnis, er grenzt direkt an das Naturschutzgebiet, so dass man während des Essens zugleich auch sieht, wie wunderschön unsere Region ist!"
Gerhard Kracher


geboren 1981 in Illmitz/Bgld., Sohn des legendären österreichischen Süßwein-Papstes Alois Kracher, leitet seit dem frühen Tod seines Vaters 2007 das international wohl renommierteste Weingut Österreichs.

Den Titel „Winzer des Jahres 2017“ verdankt Gerhard Kracher einer kompromisslosen Qualitätsphilosophie, die seine Weine weltweit bekannt gemacht hat.

Mehr zu den legendären edelsüßen Weinen aus dem Hause Kracher sowie den Öffnungszeiten und Verkostungen des Weinguts unter: kracher.at


Credits: © Foto: Steiermark Tourismus/Harry Schiffer, karus.cc, Gery Wolf, Burgenland Tourismus: Herbert Eberhardt, Franz Kovacs, Kracher GmbH
 
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