OSTEUROPA

Im OSTEN viel Neues!




AUS DEM RAILAXED MAGAZIN HERBST 2017
Text — Janina Lebiszczak

Wenn der Charme längst vergangener Tage auf den hippen Lifestyle von heute trifft, befindet man sich wahrscheinlich in einer mittelosteuropäischen Metropole.


Das Schönste an Pest ist der Blick auf Buda, sagt der Volksmund. Er irrt sich – ausnahmsweise. Jeder Teil von Budapest hat seine eigenen Reize, und zu entdecken gibt es viel – auch abseits der typischen Touristen-Hotspots. In den meisten Reiseführern wird zwar der Stadtteil Buda als die schönere, weil prachtvollere Seite von Budapest bezeichnet, für Insider und Individualisten jedoch steht Pest mit seinem jüdischen Viertel für entspannte Atmosphäre, günstige Preise, alternative Kultur und Highlights abseits der Menschenmassen. Hier kann man mitleben, statt nur zu erleben – und um sich den Einstieg in die einheimische Szene zu erleichtern, sollte man sich ein kühles Bier in einer der vielen „Ruin Bars“ gönnen. Budapest ist voll mit alten, teils verfallenen Jahrhundertwendehäusern, die einen märchenhaft-morbiden Charme versprühen und entkernt als Behausung für Trinkkultur der anderen Art dienen. In ehemaligen Wohnungen oder sogar Fabriken, die eigentlich für den Abriss bestimmt sind, entspannt man auf ausgemusterten Möbeln und genießt den Moment, während der Putz von der Decke rieselt. „Szimpla kert“, das berühmteste Ruinenpub, befindet sich im hippen siebten Bezirk und bietet Livemusik, Performances, Kunst, einen sonntäglichen Bauernmarkt, Urban Gardening und einen riesigen Gastgarten. Aber auch die ungarischen Tage haben ihre Reize. Nach dem klassischen Sightseeing-Programm (Fischerbastei, Parlamentsgebäude, Schuhe am Donauufer und die vielen Brücken) stärkt man sich in der Markthalle mit einem Lángos, das übrigens wenig mit unserer Version davon zu tun hat, oder bei einem Snack in den Gozsdu-Höfen. Am Street Food Karaván kann man sich jeden Tag durch die Welt kosten.

Die majestätische Donau trennt und verbindet die Stadtteile Buda und Pest.

Die Kettenbrücke ist ein Wahrzeichen von Budapest. Nachts funkeln hier tausende Lichter.

 


Im geheimnisvollen Breslau trifft man auf Klosterschwestern und Zwerge aus Metall.



Märchenhaft und morbide zugleich – diese Kombi macht den besonderen Charme von Budapest aus.

 



Von Jazz bis Klezmer: In Krakau liegt fast immer Musik in der Luft.

 

AM UFER DER MOLDAU

Die schillerndste Perle unter den Ost- Metropolen allerdings ist Prag. Schöner noch als Wien, sogar als Paris sei die „goldene Stadt“, sagen manche Tschechen. Tatsache: Das Zentrum Prags gleicht einer Schatzkammer. Mit bis zu täglich 50.000 Besuchern ist man zwar nicht gerade allein unterwegs, abseits der touristischen Trampelpfade entlang der Karlsbrücke, dem Ring und an der Burg allerdings findet man Raum und Platz um durchzuatmen. Vor allem im Letná Park, der eine tolle Aussicht auf die Altstadt und die Karlsbrücke bietet, oder in Vyšehrad, der mittelalterlichen Burgruine südlich des Zentrums baumelt die Seele bald mal. Schnäppchenjäger besuchen an den Wochenenden das Spektakel von Bleší Trhy, dem größten Flohmarkt Tschechiens. Touristen sieht man kaum, dafür Antiquitäten, Sammlerstücke – aber auch jede Menge Schrott. Und wenn es Nacht wird in Prag? Dann bebt die Stadt, die für ihr Angebot an verschiedensten Vergnügungen bekannt ist. Viele Veranstalter bieten „Bar & Club Crawls“ an, Touren durch die besten Bars, Clubs und Pubs – wem das zu hektisch ist, tanzt mit Locals im „Cross Club“ oder taucht im „La Fabrika“ in die Kunstszene ein. Am schönsten ist Prag aber immer noch am Ufer der Moldau. Dort geht man gemütlich spazieren, bei Sonnenuntergang ist die Aussicht fantastisch. Ein letzter, langer Blick, dann geht es wieder heimwärts. Nur gut, dass die Highlights des Ostens so nahe liegen – denn hierher kehrt man gerne zurück.

Na Prag!

Geführte Touren gibt es auch in der Goldenen Stadt en masse, ein Anbieter allerdings zeigt uns die Stadt aus einer anderen Perspektive:

Tipp für Biker:
Auf Prague Alternative Tour entdeckt man mit Einheimischen Street Art, Punk und Sub-, Studenten- und Protestkultur. Alle Infos: praguealternativetours.cz

 

 

GO EAST

Wer es beschaulicher mag, reist nach Breslau. Die viertgrößte polnische Stadt im Südwesten des Landes gilt gerade noch als Geheimtipp, selbst an den Wochenenden und zu den Hauptreisezeiten sieht man mehr Einheimische als Touristen. Die Bischofsstadt ist gut und einfach zu Fuß zu erkunden, ihre vielen Sehenswürdigkeiten liegen fast alle zentral, gotische Dramatik trifft auf buntes Studentenleben. Wer will, kann auch auf Zwergensuche gehen: Mehr als hundert der Metallstatuen schmücken seit den 1980er Jahren die Straßen, ein kunstvoller Protest des Kollektivs „Orange Alternative“ gegen das kommunistische Regime. Der Zwergen-Sträfling mit Eisenkugel am Bein wurde bereits von so vielen Händen berührt, dass seine Oberfläche in der Sonne magisch glänzt. Nur dreieinhalb Zugstunden entfernt liegt Krakau in all seiner Pracht. Die romantischste Stadt Polens ist seit den ersten Rissen in der Berliner Mauer für Gäste aus aller Welt zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Die Starówka, die Altstadt von Krakau, wurde nicht ohne guten Grund zum Weltkulturerbe erklärt. Aber nicht nur das Auge freut sich – hier liegt immer Musik in der Luft. Melancholische Klezmer-Melodien vermischen sich mit Jazzklängen aus den vielen gemütlichen Lokalen der Altstadt, sogar vom Turm der Marienkirche tönen Trompetenklänge: Sie sollen an einen Überfall der Tataren im Jahre 1241 erinnern. Apropos Kirche: Über hundert Gotteshäuser und 35 Konvente zählt man im Stadtplan, von den sieben erhaltenen Synagogen können mittlerweile vier wieder besichtigt werden – seit den Dreharbeiten zu „Schindlers Liste“ durchlebt das jüdische Viertel einen wahren Besucheransturm. Entspannung nach der interreligiösen Besichtigungstour findet man auf dem Krakauer Rynek bei Piroggen, Pilzsuppe und eiskaltem Pivo.

Im Trend: Exit Rooms

Der Boom begann in Budapest und findet kein Ende: In „Exit Rooms“, auch „Escape Rooms“ genannt, flattern die Nerven. Eine Stunde hat man Zeit, um die Welt zu retten, eine Bombe zu entschärfen oder einfach nur um auszubrechen. Die ungarische Hauptstadt ist berühmt für ihr großes Angebot des kurzweiligen Abenteuers.
exittheroom.hu


Kriminalautor Manfred Rebhandls Erzählung über seine abenteuerliche Reise vom ukrainischen Lemberg nach Wien finden Sie online unter railaxed.at


Credits: © Foto: pixabay, fotolia, getty images, shutterstock, eyeEm
 
Weitere Stories

im osten viel neues
Mein Ljubljana
 
im osten viel neues
Vom Erleben im Land der Reben
 
im osten viel neues
Wunderbar wanderbar
 
im osten viel neues
Zuhause angekommen