ERLEBNIS BAHN FAHREN

Orient-Express:
Dem Krimi auf der Spur


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN WINTER 2017
Text — Janina Lebiszczak

Wenn der Weg wieder zum Ziel wird: Eine Fahrt mit dem legendären Orient-Express ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Wir verbrachten eine Nacht am Schauplatz der Sehnsüchte.


Sorry, Harry Potter. Es gibt einen Zug, der mehr Menschen zum Träumen brachte als jener nach Hogwarts. Der Orient-Express ist Bühne auf Schienen, eine Zeitkapsel der Eleganz. Das Grand Hotel auf Rädern war die Sensation der Jahrhundertwende und ist noch heute ein lebendiger Mythos, der im Jahr 1883 am Bahnhof Gare de l’Est seinen Anfang nahm. Die erste durchgehende direkte Zugverbindung wurde wenige Jahre später mit Pomp und Trara eröffnet – Konstantinopel, das heutige Istanbul, wird zur Endstation des Orient-Express, Synonym für den Glamour der Gründerzeit und Inspirationsquelle für alle Generationen, die noch folgen werden. Der französische Journalist Henri Opper de Blowitz, Teilnehmer der offiziellen Einweihungsfahrt des Orient-Express, beschreibt seine Reise, die ihn zu einem Interview mit Sultan Abdülhamid II. bringen soll, in der „Times“ mit blumigen Worten: „Das Weiß der Tischtücher und der wunderbaren, kunstvoll gefalteten Servietten, das transparente Funkeln des Glases, der Rubin des Rotweins, das reine Kristall des Wassers in den Karaffen und die silbernen Helme der Champagnerflaschen blenden die Menge draußen wie drinnen und strafen die trauernden Mienen und das unglaubwürdige Bedauern der Abreisenden Lügen.“ Auch heute kann man sie spüren: die Blicke der staunenden Menschen, die in den Stationen durchs Fenster spähen, um einen Blick in das Innere des Zuges zu erhaschen. Aber immerhin, sie bleiben halbwegs diskret – Sigmund Freud soll sich anno dazumal auf einen Sessel gestellt haben, um in Wien, wo unsere Reise in die Vergangenheit beginnen soll, durchs geöffnete Fenster hinzuordinieren: Der neurotische Geiger Jascha Heifetz hatte ihn um Beistand gebeten.

Wie damals: Die große Zeit des Orient-Express verging mit dem Aufkommen der Diesel- und Elektroloks – doch nur mit Dampf wird es wirklich dramatisch.

 


Das hat Stil: Nach einem Aperitif im Barwagen lauscht man den Klängen des Flügels, dann geht es zum Dinner im prachtvollen Restaurantwagen.




 
Der Venice Simplon-Orient-Express bringt uns natürlich auch nach – was sonst: Venedig! Dort übernachtet man im romantischen ****Hotel Principe nahe dem Canale Grande. Paket buchbar unter: railtours.at/ traumzuege-urlaub.html

 

Neuer Kinofilm


Sir Kenneth Branagh hat sich an die Neuverfilmung von „Mord im Orient-Express“ gewagt – mit Stars wie Willem Dafoe, Michelle Pfeiffer, Penélope Cruz, Judi Dench und Johnny Depp. Der Krimi von Agatha Christie wurde bereits fünfmal verfilmt – dreimal fürs Fernsehen, einmal unter der Regie von Sidney Lumet und nun auch unter der des britischen Meisterregisseurs.

Die Neuverfilmung läuft seit 10. November in den österreichischen Kinos. Infos: mordimorient express.at

ILLUSTRE ILLUSIONEN

Wir allerdings sind psychisch stabil, wenn auch etwas aufgeregt angesichts all der Pracht. Der heutige und nicht minder elegante Venice Simplon-Orient-Express verkehrt zwischen London, Paris und Venedig, fährt aber auch weitere europäische Städte wie Berlin, Prag, Budapest, Bukarest – und ab und an immer noch Istanbul – an. Uns soll die Reise in die Stadt der Liebe führen, die jedoch ausnahmsweise Nebendarstellerin bleibt – denn: Der Weg ist das Ziel. So überstrapaziert dieser Spruch auch klingen mag, an Bord hat er Berechtigung. Und das verdanken wir ausgerechnet einem Amerikaner: 1977 erwarb der Unternehmer James B. Sherwood zwei der Originalwagen aus den 1930er Jahren bei einer Auktion von Sotheby’s und ließ sie mit viel Liebe zum Detail restaurieren. Dem nicht genug: Zug um Zug investierte er weitere 16 Millionen Dollar um 36 Waggons, darunter Schlaf-, Salon- und Restaurantwaggons in seine luxuriöse Sammlung einzugliedern. Sein Traum: dem Orient-Express wieder neues Leben einzuhauchen.

INNERE WERTE

Ist ihm gelungen. Wir staunen über das Interieur unserer Kabine und ärgern uns, in unseren Alltagsoutfits nicht ganz zu entsprechen – gut, dass wir für das Dinner am Abend die feine Wäsche eingepackt haben. Hinter dramatischen Eichenpaneelen verbirgt sich ein Waschbecken, das diffuse Licht einer Jugendstil-Lampe sorgt für angenehme Kuschel-Atmosphäre, die gepolsterten Bänke laden zum Träumen ein. „Blicken Sie nicht zu oft aus dem Fenster, solange wir noch in der Station sind“, rät uns Paul, unser persönlicher, blau-gold livrierter Steward mit weicher Stimme.

 


Alles im Griff: Der Kabinensteward ist für das Wohl der Gäste verantwortlich, sorgt für alle möglichen Annehmlichkeiten und verwandelt nachts das Abteil in einen kuscheligen Schlafwaggon.

 


Undurchsichtige Lady: Einst spielte die große Lauren Bacall die Rolle der Witwe Hubbard, heute verleiht ihr Michelle Pfeiffer biestigen Glamour.
Tatsache: Menschen, die in ihre Mobiltelefone schreien, Rucksack-Touristen und abgehetzte Business-Reisende, die heimlich am verbotenen Glimmstängel ziehen – dieser Anblick wirkt schnell desillusionierend. Der Venice Simplon-Orient-Express erhielt mehrmals den „World Travel Award“ als bester Zug der Welt, was draußen passiert – dafür kann er nichts. Erst als die grauen Häuserfronten von einer ländlichen Winteridylle abgelöst werden, stellt sich innere Ruhe ein. Paul bringt Tee, ohne einen Tropfen zu verschütten. Die Gedanken schweifen – und Geschichten gibt es viele: Josephine Baker soll im Orient-Express ihren Adoranten eine private Tanzvorführung spendiert haben. Der undurchsichtige „Kaufmann des Todes“, Waffenhändler Basil Zaharoff, gab an Bord seiner zukünftigen Frau den ersten Kuss, obwohl diese damals noch mit dem Prinzen Francisco de Borbón verheiratet war. Marlene Dietrich wurde, so besagt es die Legende, in diesem Zug entdeckt, als sie sich im Restaurantwagen an das Piano setzte und zu singen begann. Leo Trotzki wurde nach seiner Verbannung aus Russland sogar zum Stammgast. James Bond jagt in „Liebesgrüße aus Moskau“ den Bösewicht durch die Gänge, um anschließend seelenruhig die schöne Spionin Tatiana Romanova im Abteil zu vernaschen. Die Liste der echten und fiktiven Berühmtheiten, die den Luxuszug nutzten, ist scheinbar endlos. Könige und Spione, Hollywood-Stars und Päpste, Politiker und Mätressen – kurzum: die Elite des 20. Jahrhunderts.

DER BERÜHMTESTE FAHRGAST

Und dann wäre da noch der vielleicht bekannteste Passagier: Hercule Poirot. Für ihren berühmten Krimi „Mord im Orient-Express“ ließ sich die britische Schriftstellerin Agatha Christie von einer wahren Begebenheit inspirieren: Im strengen Winter von 1929 blieb der Simplon-Orient-Express, der kleine Bruder der Legende auf Rädern, in der Türkei fünf Tage lang im Schnee stecken.

 


Küss die Hand, gnädige Frau: Im Remake von „Mord im Orient-Express“ gibt Regisseur Kenneth Branagh auch den Meisterdetektiv Hercule Poirot.

 


Savoir-vivre: Nach dem Frühstück im Abteil erreicht der Zug die Traumstadt Paris, wo die Reise an Bord des Venice Simplon-Orient-Express endet.
1974 holte Regisseur Sidney Lumet für seine Verfilmung des Kult-Kriminalromans Stars wie Lauren Bacall, Ingrid Bergman und Sean Connery vor die Kamera, 2017 wagt sich nun der Brite Kenneth Branagh an den Stoff, der schon Millionen Lesern den Schlaf raubte. Er selbst schlüpft dazu in die Rolle des belgischen Meisterdetektivs, stilecht mit Schnurrbart und gesundem Misstrauen. Weiters an Bord des glamourösesten und gefährlichsten Zuges der Kinogeschichte: Michelle Pfeiffer, Penélope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench und einige neues Twists, die der oftmals erzählten Geschichte neuen Drive geben sollen. Selbst die Leiche ist prominent und wird von Johnny Depp personifiziert.

KEINE LEICHE ZUM DESSERT

Soviel Suspense macht hungrig – wir gehen, nein, wir begeben uns in den „Étoile du Nord“, einen der drei Speisewägen. Im feinen Zwirn natürlich – wie auch die anderen Gäste –, um das gute Leben abseits von Jeans und Shirt hochleben zu lassen. In schweren Gläsern perlt der Champagner, das Personal beweist Standfestigkeit beim Servieren: Goldbrasse, Jakobsmuscheln, Himbeer-Makronen, alles kreiert vom berühmten französischen Maître Chef Christian Bodiguel. Ebenso betörend sind die optischen Genüsse: René Lalique entwarf die Dekoration des Haubenrestaurants auf Rädern, Gérard Gallet die des Barwagens, wo wir zu leisen Pianoklängen einen Absacker, pardon, einen Digestif genießen. Unser Abteil wurde bereits vom Steward in ein gemütliches Nachtlager verwandelt. Das Rattern des Zuges lullt uns rasch ein, der Krimi bleibt unberührt.
Wir erwachen in Paris. Es soll uns nie schlechter gehen.

 

Anlässlich des neuen Kinofilms „Mord im Orient-Express“ verlosen wir

1 × Dinner & Crime für 2 Personen

samt An- und Abreise mit den ÖBB in der 2. Klasse innerhalb Österreichs* und dazu das Buch zum Film. Und:

1 × Mord im Orient- Express-Fanpackage

inkl. Buch, Taschenspiegel, Pass-Etui, Kofferanhänger und Bartkamm.

Gewinnfrage: Wer spielt im neuen Kinofilm den Meisterdetektiv Hercule Poirot?

Bitte senden Sie die Antwort unter Angabe Ihres vollständigen Namens, Ihrer Anschrift und Telefonnummer bis 31. Dezember 2017, 24:00 Uhr, einlangend per E-Mail an railaxed@pv.oebb.at*











Alle Termine und Spielorte unter dinnerandcrime.com

 


Das Mordopfer: Als der Gangster Edward Ratchett, gespielt von Johnny Depp, im Orient- Express das Zeitliche segnet, nimmt der Film Fahrt auf.

 

Reisetipp: Nach Paris & London mit Stil


Im „Venice Simplon-Orient-Express“ werden Träume wahr. Von Wien geht es nach Paris, inklusive Dinner und einer Nacht im Schlafabteil, dann weiter im 5*-Bus über den Ärmelkanal. Nach der Überquerung bringt sie der glänzende British Pullman nach London, Tee und Champagner inklusive. Wer nur nach Paris will: Auch dieses Luxuspaket gibt es – inklusive einer Nacht im Zug railtours.at/ traumzuege-urlaub.html



 

Credits: © Fotos: BACHELET Bruno / Getty Images, Lindsay Constable / Alamy Stock Photo, FANTHOMME Hubert / Getty Images, Belmond, 2017 Twentieth Century Fox, Ekaterina Krasnikova / Hemera / Thinkstock; Illustration: Gina Müller, carolineseidler.com

*gilt vom gewünschten ÖBB Bahnhof in Österreich zu den Dinner & Crime Spielorten Wien, Baden, Linz, Salzburg, Graz, Villach oder Pörtschach Teilnahmeberechtigt sind alle Personen. TeilnehmerInnen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, müssen vor einer Teilnahme am Gewinnspiel nachweislich die Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters einholen. Die Verlosung findet nach dem Zufallsprinzip unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die GewinnerInnen werden bis 6. Jänner 2018 per E-Mail verständigt. Sollte der Gewinner oder die Gewinnerin die Annahme des Gewinnes nicht innerhalb der in der Gewinninformation angeführten Frist bestätigen, verfällt dieser ersatzlos. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barablöse des Gewinns ist nicht möglich. Für allfällige Mängel an den Gewinnen wird nicht gehaftet. Der Gewinn und Gewinnansprüche sind nicht auf andere Personen übertragbar. Die TeilnehmerInnen des Gewinnspiels werden darauf hingewiesen, dass die von ihnen selbstständig im Zuge der Gewinnspielteilnahme bekanntgegebenen personenbezogenen Daten von der ÖBB-Personenverkehr AG zum Zwecke der Teilnahme am sowie zur Durchführung des Gewinnspiels verwendet werden. Eine darüber hinausgehende Datenverwendung findet nicht statt, sofern nicht eine gesonderte Zustimmung erteilt wird oder eine Datenverwendung aus gesetzlichen Gründen erforderlich ist. Die Teilnahmebedingungen unterliegen dem Recht der Republik Österreich. Gerichtsstand ist Wien. Teilnahmeschluss ist der 31. Dezember 2017, 24:00 Uhr. Die gezogenen GewinnerInnen erklären sich ausdrücklich mit der Veröffentlichung ihres Namens einverstanden.
 
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