STÄDTECHECK

Mein Bozen


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN WINTER 2017

Was man nicht verpassen darf? Local Alan kennt die besten Insider-Tipps.

Man muss schon ein wenig flexibel sein: In Bozen weiß man nie, ob man gerade einen deutsch- oder italienischsprachigen Verkäufer, Kellner oder Polizisten vor sich hat – selbst die Einheimischen nicht. Aber genau das – die Zweisprachigkeit und das Aufeinandertreffen der beiden Kulturen – macht den Charme der Stadt aus: Italienisches Dolce Vita meets alpine Pracht. Schon allein die Zugfahrt in meine ursprüngliche Heimat ist jedes Mal ein Erlebnis für sich – und zwar zu jeder Jahreszeit. Ich fahre die Strecke Wien-Bozen regelmäßig und nutze die Zeit gerne zum Arbeiten, ertappe mich trotzdem immer wieder beim Aus-dem-Fenster-schauen. Die Natur ist selbst für einen Stadtmenschen wie mich überwältigend. Hier gelangt man jederzeit auf einen Dreitausendergipfel, und wer ein paar Stunden weiter reist, wird mit dem Ausblick aufs Meer belohnt. Bozen eint nicht nur kulturelle Gegensätze, es ist eine Drehscheibe zwischen Nord und Süd, zwischen Tradition und Fortschritt. Und dabei so herrlich übersichtlich.
Wenn es kühl wird, kann man sich nach einem Bummel durch die historischen Lauben mit einer Cioccolata densa aufwärmen, das bedeutet übersetzt „dickflüssige Trinkschokolade“ und schmeckt fast wie Pudding. Wo? Zum Beispiel im Café Loacker am Waltherplatz. So viele Kalorien geben Kraft, um später zur Rittner-Seilbahn zu spazieren und mit dem „Bahndl“, wie es die Locals nennen, auf den Hausberg Virgl zu fahren – um dort vielleicht eine kleine Wanderung zu unternehmen. Oder man bleibt einfach in der historischen und noch dazu autofreien Innenstadt und genießt es, dass alle Highlights problemlos zu Fuß erreichbar sind. Und essen kann man da – wie ein Gott! Ich liebe das „Batzenhäusl“ für seine traditionelle Kost mit modernen Einflüssen und die „Löwengrube“ für gehobene Küche der Spitzenklasse. Nachher geht es meistens auf einen Drink ins „Grifoncino“ im Hotel Greif oder auf ein Glas Wein in die „Ritterbar“ – und dann sehr wahrscheinlich ins Bett. Für seine üppige Clubszene ist Bozen nicht gerade bekannt, das Leben spielt sich hier bei jedem Wetter im Freien ab, hauptsächlich vor den vielen Lokalen in der Fußgängerzone der Innenstadt. Was an dieser Stadt gerade für Erstbesucher wirklich wunderbar ist? Ich kenne durch meine vielen Reisen die halbe Welt, kann aber mit reinem Gewissen behaupten, dass es in Bozen keine wirklichen Touristenfallen gibt, weder beim Shoppen noch in der Gastromomie. Hier kann man sich einfach nur entspannen!
ALAN


Alan, 43, ist gebürtiger Bozener und wohnt seit 20 Jahren in Wien. Als IT-Berater investiert er beruflich in Start-ups, privat schickt er seine Gegner mit Karate auf die Matte und produziert elektronische Tanzmusik. In seine Heimat reist er regelmäßig – wegen der Familie, wegen Kunden in Norditalien. Aber nicht zuletzt auch wegen der Natur und der grandiosen 300 Sonnentage im Jahr.

Täglich stehen Ihnen zwischen Innsbruck und Bozen 21 Zugverbindungen pro Richtung zur Verfügung. Die Fahrtdauer beträgt etwas mehr als 2h. Infos: oebb.at/italien

 

MUST SEE!


Salewa Bivac
Restaurant
Neben der Kletterhalle kann man in der Industriezone Bozens auch schmausen. Auf der Karte: innovative Gerichte und regionale Produkte.

Boutique
Victorienne
Am Obstmarkt etwa findet man Mode, die sich vom Mainstream deutlich abhebt. Viele Südtiroler Designer mit Eigenlabels!

Bozner
Lauben
Das Herz der Stadt, heute wie im Mittelalter. Viele Geschäfte sind seit Generationen in Familienbesitz – in herrlichen, historischen Gemäuern.

Talfer-
promenade
Ein Spaziergang entlang der Talfer bis zur Ruheoase Schloss Runkelstein gehört zu jedem Besuch dazu! Ein Treffpunkt für alle Sportbegeisterten!

Credits: © Illustration: Gina Müller, carolineseidler.com
 
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