ERLEBNIS BAHNFAHREN


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN FRÜHLING 2018

Text — Janina Lebiszczak

In den Siebzigern veränderte ein Bahnticket die Reisegewohnheiten der Jugend. Heute ist das Interrail-Ticket bei Jung & Alt wieder in Mode und eignet sich ideal, um Südfrankreich und Spanien zu entdecken.

 

Es war eine kleine Revolution. Und sie begann, wie es üblich ist, bei der Jugend: Urlaub ohne Eltern. Die große Freiheit. Nicht wissen, wo und wie man übernachtet, was man zwischen die Zähne bekommen wird. Neue Länder entdecken, neue Menschen, fremde Kulturen. Rucksack statt Koffer. Aber nur ein Ticket – und dieses ist bis heute Kult: Interrail wurde 1972 von mehreren europäischen Eisenbahngesellschaften gemeinsam aus der Taufe gehoben, und zwar am 50. Geburtstag des Internationalen Verbandes UIC. Interrail nahm den Zeitgeist auf: Den Kontinent auf neue Art zu verbinden, indem es Europa erlebbar machte. Für ein kleines Budget, aber mit unendlich vielen Sinneseindrücken. Interrail symbolisierte die Sehnsucht nach Unabhängigkeit. Man reiste mit Kumpels oder in kleinen Gruppen und lernte nicht selten die erste große Ferienliebe kennen. Wenn man mit den heute erwachsenen Interrailern über ihre Erfahrungen spricht, sieht man oft in leuchtende Augen. Freundschaften, die damals zwischen Wien, Athen und Amsterdam geschlossen wurden, halten bis heute.

Der Weg als Ziel

Seit mittlerweile 46 Jahren bieten die europäischen Bahnunternehmen das Pauschal­ticket an, seit den Siebzigern reisten rund neun Millionen Menschen mit ihm. Die Nachfrage kennt ihre Ups und Downs, nimmt nun aber wieder stark zu, fast möchte man von einem Boom sprechen. Warum? Die Langsamkeit, aber auch die Verlässlichkeit wird wiederentdeckt. Und: Um der Konkurrenz durch Billigflieger entgegenzuwirken, hob die Bahn die Altersbegrenzung auf. So können heute auch Familien und alleinreisende Erwachsene mit dem Kult-Ticket Europa erkunden. Gerade für die neue Generation von Reisenden erhält Erfahrung wieder mehr Status. Auch die sozialen Medien spielen dabei eine Rolle. So gibt es auf Instagram bereits weit über 600.000 Einträge mit #Interrail.



Hoch über Marseille thront die berühmte Marien-Wallfahrtskirche La Bonne Mère, wie der Volksmund sagt. „Notre-Dame de la Garde“ ist ein beliebtes Ziel für Pilger und Touristen.

Nicht nur für Reich und Schön: Nizza und die Promenade des Anglais rauben allen Gästen den Atem. Die Stadt an der Côte d’Azur bietet Strand-Idyll und Großstadtflair.

 


Der Place de la Comédie in Montpellier: Der zentrale Platz der Stadt bildete bereits im Mittelalter den Mittelpunkt der Festung und ist heute ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.




Oder doch nur ein Land mit dem Zug entdecken? Mit dem Interrail One Country Pass können Sie innerhalb eines Monats 3, 4, 6 oder 8 Tage durch das von Ihnen gewählte Land reisen. In diesem Zeitraum steigen Sie so oft ein und aus, wie Sie möchten.

 

Marseille, mon amour


Man nennt sie auch die Stadt mit den tausend Gesichtern, sie ist ein Schmelztiegel der Kulturen, 40 Prozent der Bevölkerung ist nicht hier geboren.

Warum, das erfährt man im „MuCEM – Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums“, dem ersten Museum, das sich den mediterranen Kulturen widmet.
mucem.org

Interrailing nach Nizza

In welcher Stadt werden Sie Ihren ersten Hashtag setzen? Wir empfehlen eine ausgedehnte Reise in den Süden, vom lebendigen Frankreich bis ins feurige Spanien. In nur einer Nacht gelangt man von Österreich mit dem Nightjet bis Mailand, von dort geht’s weiter mit dem Thello nach Nizza zu Palmen und lauen Sommernächten. Die mondäne Metropole der französischen Riviera mit ihrer malerischen Altstadt, zahlreichen Museen und Galerien, majestätischen Hotelpalästen und Luxus-Restaurants fasziniert nicht nur Reich und Schön – hier findet jeder sein Savoir-vivre. Die berühmte Flaniermeile Promenade des Anglais ist schon lange zum Wahrzeichen der Stadt geworden; Marc Chagall hat sie verewigt, ebenso Henri Matisse. „Als ich begriff, dass ich jeden Morgen dieses Licht sehen werde, konnte ich mein Glück nicht fassen“, schrieb er, als er zum ersten Mal nach Nizza kam.

Rau und romantisch

Aber Interrail wäre nicht Interrail, wenn nicht schon das nächste Highlight warten würde. Marseille zum Beispiel, die Stadt der tausend Gesichter. Wild und rau war einst ihr Ruf – dabei überwiegen die schönen Seiten eindeutig: Das hippe Viertel La Plaine mit seinen graffitibunten Gassen lebt von der Vielfalt – viele Pariser Künstler haben sich hier niedergelassen –, im Quartier du Panier findet man romantische Geschäfte mit Spezialitäten der Region, der „Vieux Port“ ist heute eine magische Sehenswürdigkeit und war einst eine der größten Hafenanlagen Europas. Auch der Fischmarkt kann sich sehen lassen – allerdings auch riechen. Trotzdem ein einmaliges Erlebnis – und, wie alles in Marseille, bewacht von der Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde, dem Wahrzeichen der quirligen Stadt.

 



Somewhere over the rainbow: Der Park Güell ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Barcelona und wird als Antoni Gaudís Hommage an die Natur bezeichnet.



„Erfahrung zählt wieder mehr als Status. Auf Instagram gibt es bereits weit über 600.000 Einträge mit #Interrail.“




Die Region Valencia gilt noch als Geheimtipp unter den Spanien-Fans: 500 Kilometer Strand sprechen aber für sich.

 

Platz da!

Nur zwei Zugstunden entfernt wartet Montpellier mit seiner autofreien Altstadt, den mittelalterlichen Wegen und imposanten Stadthäusern. Die Franzosen lieben diese lebenswerte Stadt innig, teilen sie aber gerne mit Gästen. Auf den berühmten Plätzen der City treffen die Menschen dann bei einem Aperitif aufeinander: Sie sind charakteristisch für die Stadt und tragen bezaubernde Namen wie Place Saint-Ravy, Place Jean-Jaurès oder Place de la Canourgue, der sich aufgrund heftiger Romantik besonders für Frischverliebte eignet. Der berühmteste? Der Place de la Comédie natürlich. Untertags noch beschaulich, verwandelt er sich mit Einbruch der Nacht in einen Ort voller Energie. Egal, ob man etwas trinken und essen oder einfach bloß Menschen beobachten möchte – er ist immer ein guter Ausgangspunkt.

Viva España!

Doch aus so einem Interrail-Ticket kann man noch mehr rausholen. Von Montpellier nach Barcelona in Spanien führt ein Hochgeschwindigkeitszug – in nur vier Stunden erreicht man die Gaudí-Metropole, vor Ort allerdings sollte man sich mehr Zeit nehmen. Die katalanische Hauptstadt hat 1,6 Millionen Einwohner, aus denen in den Sommermonaten noch einmal einige mehr werden. Die Sehenswürdigkeiten sind derart zahlreich, dass sie einen eigenen Reisebereicht füllen könnten, aber einen Versuch ist es wert, ein paar zusammenzufassen: Barcelona fasziniert, weil es jeden Besucher sofort spüren lässt, dass es sich in den Grenzen zwischen Meer und Gebirge immer wieder neu erfindet. Und es sieht von jeder Perspektive anders aus: Wildes Durcheinander trifft auf geometrische Straßenmuster, oben im Westen, wo kaum ein Tourist spaziert, wohnen die Reichen und blicken über die Dächer auf den Parc Güell. Antoni Gaudís Hommage an die Natur ist ein märchenhafter Irrgarten aus Wegen, Laubengängen, Mauern und Brücken. Über eine Freitreppe gelangt man, vorbei am berühmten Salamander, zur Mitte des Parks, einer ovalen Aussichtsterrasse, verschwenderische 3.000 Quadratmeter groß und von 86 Säulen getragen. 


Wenn die Siesta vorbei ist, trifft sich Madrid in der Calle de Zaragoza nahe des Plaza Mayor. Im Schatten und bei einem kühlen Cerveza spürt man die Leichtigkeit des Seins.

 



Viva Valencia: Die lebhafte Stadt liegt direkt am Meer und bietet neben Badespaß vor allem für Partytiger jede Menge Abwechslung. Tagsüber wirkt die Altstadt aber noch beschaulich.



„Interrail bedeutet immer auch Zeitgeist: den Kontinent zu verbinden, indem es Europa erlebbar macht.“




Next stop ... Ja, wo eigentlich? Mit einem Interrail-Ticket stehen einem die beeindruckendsten Destinationen offen.

 

Auf der Mosaikbank werden Erinnerungsfotos geschossen, und wer Glück hat, entdeckt nach einem Sommergewitter einen Regenbogen, der sogar Gaudís Vorstellungskraft in den Schatten stellen würde. Der Pate der spanischen Architektur ist omnipräsent, der Torre de Bellesguard eines seiner weniger beachteten Werke – zu Unrecht, wie wir meinen: Im ruhigen Sarrià-Sant Gervasi hat er sich an der Gotik probiert. Die Casa Milà in Eixample hingegen ist sein größtes ziviles Bauwerk: Hier sucht man vergeblich nach auch nur einem rechten Winkel. Und dann natürlich: die „Unvollendete“ – die Sagrada Família. „Gaudí hat mithilfe von Geometrie Natur geschaffen“, heißt es. Tatsächlich gibt es keinen Menschen, der in diesem einmaligen Bauwerk, das aus jeder Perspektive und mit jedem Schritt eine andere Form annimmt, nicht von einem tiefen Gefühl der Demut ergriffen wird. Aber der Mensch braucht auch weltliche Vergnügungen: Nach einer langen Nacht auf der Partymeile Las Ramblas oder in La Barceloneta ruht man sich gerne auf der Zugfahrt nach Valencia aus.

Zukunftsmusik.

Unser nächster Stopp bringt uns nach Valencia. Die gleichnamige Hauptstadt der autonomen Region schmückt sich mit 500 Kilometern Strand, die Costa Blanca und die Costa del Azahar zählen zu den berühmtesten Teilen der Mittelmeerküste. Hier ist alles ein bisschen öko, aber auf hohem Niveau: riesige Gemüsegärten mitten in urbanen Gebieten, Weinbau, Zitronenhaine und gut gelaunte Radfahrer, wohin das Auge blickt. Das moderne Wahrzeichen der Stadt liegt im trockengelegten Flussbett des Turia und ist einer der europaweit größten Wissenschafts- und Kulturkomplexe: Die Ciudad de las Artes y las Ciencias bietet ein avantgardistisches Bild einer möglichen Zukunft, das niemanden kalt lässt.

Letzter Halt: Madrid.

Nicht nur im Fußball konkurrieren Spaniens bedeutendste Städte, sondern auch im Tourismus. Madrid hat den Ruf, dass man es hasst oder liebt – und wenn man es liebt, dann für immer. Hier ist der spanische Stolz besonders ausgeprägt, Madrid ist eine Hauptstadt, eine Weltstadt, aber keine weltoffene Stadt, dafür umso authentischer. Die Terrazas der Cafés und Bars sind jede für sich einen Besuch wert, es gibt Spitzenküche in legerem Rahmen und exklusive Shoppingmöglichkeiten, bis die Kreditkarte zerbirst. Mit jeder Menge Souvenirs und neuen Eindrücken im Gepäck geht es schließlich wieder retour – verarbeiten lassen sich die vielen Bilder dann auf dem Heimweg, bevor das beruhigende Dahingleiten des Zuges jeden noch so munteren Abenteurer sanft in den Schlaf wiegt.

 






Fotocontest

Mit Rucksack, wildem Haar und Glockenhose: Beim #MyInterrailMoment-Fotocontest suchen wir Bilder voller Nostalgie und Fernweh. Schicken Sie uns Ihre besten, schönsten und originellsten Reisefotos von damals und gewinnen Sie 3 × 2 Interrail Global Passes*, um das große Abenteuer Ihrer Jugend neu zu erleben. Und so funktioniert es: Einfach Ihr liebstes Foto online hochladen. Eine versierte Jury wählt die zehn Top-Shots aus, dann werden via Onlinevoting drei Gewinner eruiert. Alle Infos zum Gewinnspiel finden Sie auf oebb.at/interrail

 



Interrail-Aktion im März

Sichern Sie sich noch bis 31. März 2018 15 Prozent Ermäßigung auf alle Inter­rail Global und One Country Pässe. Mit dem Interrail Global Pass können Sie preiswert und unkompliziert in 30 euro­päische Länder reisen. Sie wählen selbst die Gültigkeitsdauer – von 5 Tagen bis zu einem Monat. Jetzt buchen – im Sommer fahren: Die Pässe können bis zu 11 Monate im Voraus erworben werden.
Infos: oebb.at/interrail oder de.interrail.eu






 

 




 
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Credits: © Foto: iStock/sjoeman; Getty Images/vasiliki/Lepretre Pierre; Stocksy/Giulia Squillace; Alamy/Peter Eastland/LeonidSerebrennikov; Eurail Group G.I.E.; Illustration: Gina Müller, carolineseidler.com

*gültig: 15 Tage innerhalb eines Monats
 
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