ITALIEN

LUFT NACH OBEN


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN FRÜHLING 2018
Text — Janina Lebiszczak

Hier gibt Bella Italia ihr Bestes: Abseits der touristischen Trampelpfade wartet der Norden Italiens mit pittoresken Städten, steilen Küsten, traumhaftem Meerblick und Kultur pur.


Was für ein Anblick: Frühmorgens, wenn sich die Sonne zartrosa über dem Tyrrhenischen Meer erhebt, wirkt die Terrazza Mascagni wie ein Ort, der nicht von dieser Welt ist. Noch schlafen die meisten Bewohner, zart hängt der Duft von Salz und frisch gebrühtem Kaffee in der Luft; jetzt kann man den geschwungenen Weg mit seinen schwarz-weißen Bodenfliesen am besten genießen. Am Horizont entdeckt man vereinzelt große Schiffe auf ihrem Weg in den Containerhafen, auf der Promenade einige fleißige Jogger. Abends jedoch erwacht die Terrazza zum Leben, vor allem um den kreisförmigen Tempietto, in denen lokale Musiker Kostproben ihres Könnens geben. Dennoch wirkt hier nichts übertrieben und grell, nach Jahrmarktflair sucht man vergebens. Die Einwohner haben den Ruf, besonnen und pragmatisch zu agieren, nicht wirklich „typisch“ italienisch, aber sehr sympathisch.

Touristen statt Piraten

Livorno, die zweitgrößte Stadt der Toskana, ist vielen nur als Ablegepunkt der Fähren nach Elba und Sardinien oder der vielen Mittelmeer-Kreuzfahrtschiffe bekannt. Wobei: Eine nur 44 Seemeilen kurze Bootsfahrt möchten wir empfehlen – jene zur Vulkaninsel Capraia. Sie ist mit ihren 20 km2 zu klein für Autos und steht fast zur Gänze unter Naturschutz, das Meer ist hier besonders warm und klar – ein Paradies für Schwimmer und Schnorchler. Zurück in der Stadt kann man im dichten Kanalnetz und den Palästen und Magazinen viel Schönes entdecken, sogar der alte protestantische Friedhof ist einen Besuch wert. Er zeugt von Livornos Zeit als britischer Marinestützpunkt; wohlhabende Kaufleute, Offiziere, aber auch Künstler wie der Schriftsteller Tobias Smollett haben hier im Schatten der Bäume ihre letzte Ruhe gefunden. Wer die Küstenstraße wenige Kilometer südlich fährt, entdeckt den wildesten Abschnitt der etruskischen Küste, einst Magnet für Piraten und andere unfreundliche Gesellen. Das Castello del Boccale, ein imposantes Schloss mit drei runden Wachtürmen, thront hier stolz über den Felsen, immerhin war es mal eine Festungsanlage für die Familie Medici und ist heute ein beliebtes Fotomotiv. Weinkenner werden in der Nähe des kleinen Dorfes Quercianella beglückt, hier liegt das neumittelalterliche Schloss Sonnino mit seiner imposanten Vinothek. Wer rechtzeitig bucht, kann im Castello, das heute in Privatbesitz ist, sogar übernachten.
Wohnen im Schloss


Willkommen im Castello Sonnino: Das Tower Apartment, "La Torra" genannt, im Innenhof des Schlosses kann gemietet werden und ist ideal geeignet für Familien. Auf 150 m² befinden sich ein geräumiges Wohnzimmer, eine Küche, zwei Schlafzimmer und zwei Bäder.

Der Luxus ist mit 32 € pro Nacht und Nase sogar leistbar.
Infos: castellosonnino.it

 



Das berühmte Schloss Miramare liegt auf einer Felsenklippe in der Bucht von Grignano nordwestlich von Triest.

Die Strandpromenade Viale Italia in Livorno ist ein Augenschmaus. Hier kann man prächtige Jugendstilvillen bestaunen.



„In diesen Silberhainen von Oliven hab’ ich die Heilung aller meiner Wunden und auch die heitre Lösung nun gefunden.“


Heinrich Leuthold


 


Auch das ist die Toskana: Das Castello del Boccale am Tyrrhenischen Meer, ursprünglich als Festungsanlage für die Familie Medici erbaut, überstand viele Angriffe von Piraten.

 

Mit einmal Umsteigen
nach Triest

Neben der beliebten Nightjet Verbindung kann man zweimal täglich mit dem Railjet von Wien über Villach in die italienische Lagunenstadt Venedig und zurück reisen. Triest erreicht man mit einmal Umsteigen in Udine. Ab Wien Hbf geht’s mit dem RJ um 6:25 Uhr und 12:25 Uhr Richtung Venedig, retour ab Venezia S.L. geht’s um 9:55 Uhr und 15:55 Uhr. Abfahrt in Udine ist um 11:46 bzw. 17:46 Uhr.

Hallo, Habsburger!

Springen wir nun aber quer über den Stiefel und machen es uns im zauberhaften Triest gemütlich. Hier gilt ein Cappuccino oder Espresso als Motivationsschub zur Entdeckungsreise als Must, immerhin wird hier Illy, der angeblich weltbeste Kaffee, produziert. Die firmeneigene Università del caffè ist nicht nur ein Schulungszentrum für Kaffeeproduzenten: Liebhabern der braunen Bohne wird bei Degustationen die Möglichkeit geboten, ihr Wissen zu vertiefen. Aber auch im Caffè San Marco, Caffè degli Specchi oder im berühmten Tommaseo kann man die Seele baumeln lassen und seinen Cappuccino trinken, ganz ohne Weiterbildung, dafür bei einem Strudel oder gar einer „Sacher Torta“. Ja, hier wirkt vieles seltsam vertraut: 500 Jahre Habsburger Monarchie haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Blütezeit als größtes Handelszentrum der Adria erlebte die Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien im 18. und 19. Jahrhundert, als ihr Hafen noch Österreichs Tor zum Mittelmeer war. Triest lebte schon immer vom „mare“: Der Hauptplatz – die pompöse Piazza dell'Unità d'Italia, ganz im Zeichen von Giuseppe Bruni – ist bewusst zum Wasser hin ausgerichtet. Der nahe Palazzo del Municipio, von venezianischen, toskanischen, französischen und deutschen Einflüssen geprägt, steht für das multikulturelle Flair der Hafenstadt. Wer ein bisschen was im Börserl hat, gönnt sich eine Nächtigung im noblen Duchi d'Aosta. Die Geschichte des Grand Hotels geht bis ins 14. Jahrhundert zurück, hier nächtigten bereits Persönlichkeiten wie Admiral Nelson, Kaiser Joseph II. und Giacomo Casanova, später auch Stars wie Anthony Hopkins, Francis Ford Coppola und Ray Charles. Der wahre Star von Triest allerdings findet sich nicht im Zentrum. Das vier Kilometer entfernte Traumschloss Miramare ist per Bus, Boot oder zu Fuß auf der Uferpromenade entlang des Meeres erreichbar und das Highlight jedes Besuchs. Es diente Erzherzog Ferdinand Maximilian als botanische Versuchsanstalt und sollte auch ein Ort der Meditation für die unruhige Kaiserin Elisabeth sein. Die Terrasse ist mit Granit aus Tirol umrandet, die Fassade aus hellem Kalkstein leuchtet von Weitem, die 22 Hektar große Anlage beherbergt über 2.000 Pflanzenarten.

 

 

Innenschau in Orvieto

Wer es beschaulicher mag, dem sei die einzige Region Italiens ans Herz gelegt, die weder eine Grenze mit dem Ausland noch eine Meeresküste hat: In Umbrien ist Bella Italia noch herrlich pur. Ein Highlight: Orvieto im Südwesten mit seinen nur knapp über 20.000 Einwohnern liegt auf einem Felsplateau aus vulkanischem Eruptivgestein, das von Gängen und Zisternen durchzogen ist. Diese kann man besichtigen, schöner allerdings ist das Oben. Die Cattedrale di Santa Maria Assunta ist ein magischer Anziehungspunkt für Freunde gotischer Architektur, zu Fronleichnam finden hier alljährlich große Feierlichkeiten statt. Aber auch für völlig Weltliches ist die kleine Stadt bekannt: Die Keramik aus Orvieto hat eine Jahrtausende alte Tradition, in den romantischen Gassen kann man bunte Teller und Krüge mit etruskischen Mustern erstehen. Doch gerade im Hochsommer kann es in eben diesen ziemlich heiß werden.

GAUDI AM GARDASEE

Abkühlung findet man in Brescia, die zweitgrößte Stadt der Lombardei. Das Stadtmuseum Santa Giulia mit seinen ca. 12.000 m2 Ausstellungsfläche ist ein guter Zufluchtsort für Hitzegeplagte, ebenso locken viele Parks und botanische Gärten zum Verweilen ein. Auf dem Cidneo-Hügel inmitten der Stadt thront die Burg Visconti, mit ihren 75.000 m2 eine der größten Festungen Italiens. Die Aussicht ist atemberaubend, und an klaren Tagen kann man sogar das verführerische Glitzern des nahen Gardasees entdecken. Hier wartet ein einmaliger Mix aus Bergen und kühlem Nass: Kinder freuen sich über viele Fun- und Wasserparks, Sportliche können zwischen zwölf Radstrecken vorbei an Weingütern und malerischen Örtchen wählen. Kultur und Sport, Spaß und jede Menge Abwechslung – der Norden Italiens bietet auch, oder besser: vor allem abseits der bekannten Städte Urlaubsfreuden, die man garantiert nicht so schnell vergisst.



Die eindrucksvolle Renaissance-Kuppel des Neuen Doms von Brescia ist die drittgrößte Italiens.

 



Die auf einem Tuffplateau gelegene Etrusker-Stadt Orvieto bietet wunderbare Fotomotive.



„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn?“


Johann Wolfgang von Goethe



Der Dom von Orvieto ist ein Meisterwerk gotischer Architektur. Sein Grundstein wurde 1290 gelegt.

 


Brescia, die schönste Stadt der Lombardei, hat alles: Kultur pur und die Nähe zum erfrischenden Gardasee – hier: der Palazzo della Loggia.

 

Gewinnspiel

Wir verlosen in Kooperation mit ÖBB Rail Tours eine Reise für 2 Personen mit der Bahn (in der 2. Klasse) von Ihrem österreichischen Wunschbahnhof nach Triest und zurück inkl. 2 Nächtigungen mit Frühstück im Hotel Roma***.

Gewinnfrage: Wie heißt das auf einer Felsenklippe gebaute Schloss nordwestlich von Triest?

*Bitte senden Sie die Antwort unter Angabe Ihres vollständigen Namens, Ihrer Anschrift und Telefonnummer bis 30. April 2018, 24:00 Uhr einlangend per E-Mail an railaxed@pv.oebb.at



 

Credits: © Fotos: iStock /altmodern; thinkstock / Davidepj; Adobe Stock/eunikas; Pixabay/vbosica; Getty Images /Paul Barton; alamy / AGF Srl; Thinkstock / Luca Ladi Bucciolini; Shutterstock/Joaquin Ossorio Castillo; iStock/imagoRB

*Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel akzeptieren die TeilnehmerInnen diese allgemeinen Teilnahmebedingungen. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen. Mitarbeiter des ÖBB-Konzerns sind von der Teilnahme ausgeschlossen. TeilnehmerInnen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, müssen vor einer Teilnahme am Gewinnspiel nachweislich die Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters einholen. Die Verlosung findet nach dem Zufallsprinzip unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird bis 7. Mai 2018 per E-Mail verständigt. Sollte der Gewinner oder die Gewinnerin die Annahme des Gewinnes nicht innerhalb der in der Gewinninformation angeführten Frist bestätigen, verfällt dieser ersatzlos. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barablöse des Gewinns ist nicht möglich. Für allfällige Mängel an den Gewinnen wird nicht gehaftet. Der Gewinn und Gewinnansprüche sind nicht auf andere Personen übertragbar. Die TeilnehmerInnen des Gewinnspiels werden darauf hingewiesen, dass die von ihnen selbstständig im Zuge der Gewinnspielteilnahme bekanntgegebenen personenbezogenen Daten von der ÖBB-Personenverkehr AG zum Zwecke der Teilnahme am sowie zur Durchführung des Gewinnspiels verwendet werden. Eine darüber hinausgehende Datenverwendung findet nicht statt, sofern nicht eine gesonderte Zustimmung erteilt wird oder eine Datenverwendung aus gesetzlichen Gründen erforderlich ist. Die Teilnahmebedingungen unterliegen dem Recht der Republik Österreich. Gerichtsstand ist Wien. Teilnahmeschluss ist der 30. April 2018, 24:00 Uhr. Der Gewinn ist einlösbar bis 31.10.2018, ausgenommen sind Event- und Feiertagstermine. Die gezogenen GewinnerInnen erklären sich ausdrücklich mit der Veröffentlichung ihres Namens einverstanden.
 
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