STÄDTE PORTRAIT

Mein
Prag


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN FRÜHLING 2018


Die Schönheit an der Donau, so wird die slowakische Hauptstadt genannt. Local Claudia weiß, warum.

 

Unbestritten: Prag ist eine der prächtigsten Städte der Welt. Meine Jugend dort war sehr aufregend, das Ende des Kommunismus deutlich spürbar. Überall tat sich was, die einst graue Kulisse färbte sich bunt. Auch wenn sich inzwischen alles sehr verändert hat, etwas glatter, adretter und natürlich kommerzieller geworden ist, bleibt für mich diese Aufbruchsstimmung noch immer spürbar. Das kulturelle und kulinarische Angebot ist unvergleichlich – da hält nicht einmal Wien mit. Auch wenn mein erster Tipp etwas makaber klingt: Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Friedhöfe Prags genauer anzusehen, besonders den neuen jüdischen Friedhof. Dort liegt nicht nur der große Franz Kafka begraben; am Weg zu seinem Grab taucht man tief in die Geschichte und in die Kultur der tschechischen Hauptstadt ein. In Prag wartet der Zauber hinter jeder Ecke. Am Wenzelsplatz, dem einstigen Pferdemarkt, haben sich die bedeutendsten Szenen der tschechischen Geschichte abgespielt, so auch die Demos, die einst die politische Wende einläuteten. Heute vibriert hier die Luft, bis spät in den Abend ist der Platz voll mit Touristen und Einheimischen, die hier einkaufen, essen, in Straßencafés sitzen oder sich am Abend vor den vielen Discos oder Kinos treffen. Prag ist berühmt-berüchtigt für sein ausuferndes Nachtleben – wer stilvoll feiern will, muss also selektiv vorgehen. Ich schätze das „SaSaZu“, ein flippiges Restaurant und gleichzeitig ein Club mit richtig guter Musik. Zum Cocktailtrinken entführe ich meine Freunde gerne in die „Blue Light Bar“, dort gibt es Graffiti-Kunst an den Wänden und auf den Tischen – und die besten Drinks. Wer es etwas klassischer mag, für den ist das „Café Slavia“ ein Muss. Vom Tisch aus kann man den Ausblick auf das Nationaltheater, die Moldau und die Prager Burg genießen oder die Art-déco-Einrichtung und das Jugendstilgemälde „Der Absinthtrinker“ bewundern. Dichterpräsident Václav Havel saß zu Lebzeiten immer hinten links am Fenster und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Aber Prag ist mehr als eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Ich liebe es, in meiner alten Heimat zu shoppen. Wer auf der Suche nach außergewöhnlichem Design ist, wird bald fündig: Mode, Schmuck, Wohndesign – die Innenstadt ist voller toller Läden. Ich kann die „Harddecore Gallery“ und den „Cihelna Concept Store“ wärmstens empfehlen. An lauen Sommerabenden lässt man den Tag dann auf der Halbinsel Kampa ausklingen. Auf den Terrassen der zahlreichen Cafés kann man in dieser Naturoase herrlich die Seele baumeln lassen.
Gabriela


Gabriela, 40, zog nach ihrer Schulzeit in Znojmo Mitte der 90er nach Prag, um Soziologie und Theaterwissenschaften zu studieren. Nebenbei jobbte sie in einer Werbeagentur – dieser Welt ist sie bis heute treu geblieben. Gabriela leitet eine Fernsehproduktion in Wien. In ihre alte Heimat reist sie sehr gerne und mehrmals im Jahr.

Täglich stehen Ihnen zwischen Wien und Prag in beide Richtungen 7 Railjet-Zugverbindungen im 2 Stunden-Takt zur Verfügung: Die Fahrtdauer beträgt 3 h 57 min. Infos: oebb.at/tschechien

 


Parˇížská ulice
Die teuerste und prächtigste Einkaufsstraße Prags führt mitten durch das einstige jüdische Viertel bis zur Brücke Cˇechu˚v most.

Petrˇín
Romantik pur: Zum Gipfel des Laurenzibergs, der zu den höchstgelegenen Plätzen Prags zählt, geht es ganz urig mit der Standseilbahn.

Rudolfinum
Hallo, Hochkultur: Das im Stil der Neorenaissance errichtete Konzert- und Galeriegebäude ist auch der Sitz der Tschechischen Philharmonie.

Kampa
Das „Prager Venedig“ ist eine Insel der Seligen: Im Park vergisst man schnell die Hektik der Großstadt. Viele pilgern auch zur John-Lennon-Mauer

 

Credits: © Illustration: Gina Müller, carolineseidler.com
 
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