27.03.2016

Mit dem Frühling auf Schiene


TRAVEL
Text — Peter Zeitlhofer



Ich erinnere mich noch, als wäre es gerade gestern gewesen. Jedes Jahr im Frühling packte mein Opa unsere Rucksäcke und nahm mich mit auf ein spannendes Wochenende in den Bergen. Mit dem Zug ließen wir die Stadt Salzburg hinter uns, um die warme Jahreszeit auf unsere ganz spezielle Art und Weise willkommen zu heißen. Und um das SalzburgerLand immer wieder aufs Neue zu entdecken....

Eisenbahnfahren hat für mich einfach etwas Magisches, etwas unbeschreiblich Aufregendes. Auch wenn ich mittlerweile die ganze Welt bereist und schier unzählige Kilometer an Bord der Airliner dieser Welt verbracht habe, kribbelt es beim Besteigen eines Zuges immer noch und kindliche Aufregung steigt in mir hoch. War dies einer der entscheidenden Gründe, als ich vor einigen Jahren beschloss, unsere alte Tradition wieder aufleben zu lassen und mir dieses ganz spezielle Wochenende, abseits des Alltags und des Trubels, einmal im Jahr wieder zu gönnen? Egal eigentlich, wichtig ist nur, dass mein Salzburger-Frühlings-Wochenende seither zu meiner eigenen, sehr wertvollen Tradition geworden ist. Auch wenn mein Opa leider nicht mehr dabei sein kann, so wäre er sicher begeistert von den Dingen, die ich unterwegs so erlebe. Und so befinde ich mich auch heuer wieder einmal auf dem Salzburger Hauptbahnhof. Der Frühling schickt mir seine ersten warmen Sonnenstrahlen und ich besteige den Zug Richtung Pongau. Es hat schon etwas sehr Beruhigendes wenn die Welt da draußen an einem vorüberzieht, man endlich einmal Zeit zum Beobachten hat und der Alltag langsam aber sicher hinter einem bleibt. Hohenwerfen. Beim Anblick der Burg auf dem Felsen ergreift mich Ehrfurcht und es fällt mir nicht schwer zu verstehen, warum sie immer wieder Kulisse für große Filmproduktionen war. Sogar Clint Eastwood soll einmal hier gedreht haben. Vielleicht sollte ich mir den Film einmal ansehen...Weiter zieht die Welt an mir vorbei und ich ertappe mich, wie sich ein Lächeln auf meine Lippen zaubert. Ungefähr hier muss es gewesen sein, wo der Opa immer seinen Rücksack aufgemachte und wir uns Omas herrliche Brote schmecken ließen. So eines hätte ich jetzt auch gerne.

Zu Fuß geht’s von Sankt Johann im Pongau hinauf zum Zederberghof ©TVB Sankt Johann-Alpendorf, Atelier Oczlon Zu Fuß geht’s von Sankt Johann im Pongau hinauf zum Zederberghof ©TVB Sankt Johann-Alpendorf, Atelier Oczlon

Die Lautsprecherdurchsage holt mich abrupt wieder zurück in die Gegenwart. Nächste Haltestelle St. Johann im Pongau. Hier muss ich raus. Also dann: Rücksack um, Sonnenbrille auf und schon marschiere ich munter drauf los. Heute habe ich nur noch ein Ziel: den Zederberghof – da werde ich die Nacht verbringen. Man kann es wirklich schlechter erwischen. Am Abend sitze ich mit den Hausherren Michael und Viktoria Obinger gemütlich zusammen und sie erzählen mir ein bisschen von ihren Wagyu- und Charolais-Rindern, die hier oben auf dem Berg gezüchtet werden und deren ‚Patenschaft’ man unter dem Label ‚Prime-Beef’ übernehmen kann. Welch besondere Menschen und Lebensansätze man unterwegs kennen lernt, ist immer wieder erstaunlich. Zufrieden kuschle ich mich später ins Bett und freue mich auf das, was der nächste Tag noch so alles bringen möge.

Michael und Viktoria Obiger haben sich am Zederberghof ihr ganz persönliches Paradies geschaffen ©Prime Beef Michael und Viktoria Obiger haben sich am Zederberghof ihr ganz persönliches Paradies geschaffen ©Prime Beef

Pünktlich um acht läutet mich mein Wecker mehr brutal als sanft aus meinen Träumen und erinnert mich daran, dass da im Tal ein Zug zu erwischen ist, der eher nicht auf ‚Zu-spät-Kommer’ wie mich warten wird. Ich verabschiede mich von den Obingers, blicke noch einmal zurück auf ihren idyllischen Hof und spute mich zurück zum Bahnhof. Die kommende Strecke ist mir von früher noch besonders toll in Erinnerung. Enger und enger wird das Tal, während wir meinem nächsten Ziel, dem Gasteinertal, entgegenfahren. Erster Stopp heute: Bad Hofgastein, wo ein schöner Frühlingsspaziergang und eine gemütliche Gaststätte auf mich warten.

Der berühmte Wasserfall von Gastein (c) Tourismusverband Gastein Der berühmte Wasserfall von Gastein (c) Tourismusverband Gastein

Am Schmaranz-Gut in der kleinen Gasteiner Ortschaft Wieden, warten schon Haus- und Hofherr Markus Viehauser und ein frisch gezapftes Bier auf mich. Bierbrauen hat hier eine sehr lange Tradition und so wurde schon vor über 480 Jahren im alten Kehrerhaus dunkles und helles Weißbier aus regionalen Zutaten gebraut. Gekocht wird hier über offenem Feuer – ebenfalls wie früher. Nach dem Essen bekomme ich noch eine kleine Führung durch den Hof und während ich kleine Ferkel sich vor Glück im Schlamm suhlen und Rinder über die große Weide traben sehe, reift in mir folgende Erkenntnis: es gibt sie, die Orte, an denen ist die Welt noch in Ordnung. Ein letzter Blick zurück und gestärkt mache ich mich auf den Rückweg zum Bahnhof. „Bad Gastein, nächster Halt, Bad Gastein“ tönt es aus den Lautsprechern und ich springe ein letztes Mal für heute aus dem Zug. Was für ein Anblick! Imposant auf einem steilen Felsen gelegen, durchschnitten vom tosenden Wasserfall, ist es kein Wunder, dass der Ort auch das ‚Monaco der Alpen’ genannt wird. Vorbei an tollen Hotels, Restaurants, herrschaftlichen Villen und über den Fluss, wandere ich dem Miramonte, meinem Hotel für die Nacht, entgegen. Was Hotelier und Architekt Ike Ikrath und sein Team hier in den letzten Jahren geschaffen haben, ist wahrlich einzigartig und könnte ebenso ein Designmuseum für skandinavische Möbel sein.

Auf der Sonnenterrasse des Miramonte liegt einem das Gasteinertal förmlich zu Füßen ©Hotel Miramonte Auf der Sonnenterrasse des Miramonte liegt einem das Gasteinertal förmlich zu Füßen ©Hotel Miramonte

Während ich auf der herrlichen Terrasse die letzten Sonnenstrahlen genieße, erzählt mir der Hausherr ein wenig über sein Reich und empfiehlt mir die Villa Solitude zum Abendessen. Na, wenn das kein guter Tipp war! Wie eine Kaiserin thront die Villa über dem weit auslaufenden Tal und Charme und Chic der K&K-Monarchie scheinen hier allgegenwärtig. Das Essen ist international, könnte besser nicht sein und auch die Auswahl aus über 150 Weinen lässt keine Wünsche offen. Glücklich und zufrieden nehme ich nach einem tollen Abend noch ein Gläschen an der Hotelbar und toste in Gedanken meinem Opa zu. Es war wieder einmal eine tolle Zeit.  
 
 
 
 

Peter Zeitlhofer
Von Neugier getrieben’ – diese Worte kommen Peter Zeitlhofer wohl schon ziemlich nahe. Egal ob am Segelboot, im Tiefschnee, unterwegs in Stadt und Land, oder auf einer seinen vielen Reisen – er ist immer auf der Suche nach Neuem, nach dem Besonderen, probiert so ziemlich alles aus und liebt es, darüber zu reden und zu berichten.
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