10.04.2016

Südbahn-Wanderungen II: Rax & Schneeberg


ACTIVE
Text — Peter Backé



Im Sommer und auch im frühen Herbst sind es vor allem die hochalpinen Regionen, die die Bergwanderer in ihren Bann ziehen. Da sind Schneeberg und Rax für Wanderer aus Wien und Umgebung die im wahrsten Sinn des Wortes besonders naheliegenden Ziele – und, ebenso wie Semmering und Hohe Wand – gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Die wichtigsten Ausgangsbahnhöfe für diese Wanderungen sind Payerbach-Reichenau sowie Puchberg am Schneeberg. Die Weiterfahrt erfolgt mit dem Bus, von Payerbach nach Hirschwang (Raxseilbahn) und weiter ins Höllental und bis nach Hinternasswald oder nach Prein und (von Ende April bis Ende Oktober) weiter aufs Preiner Gscheid, von Puchberg nach Losenheim (Sesselbahn) – oder mit der Schneeberg-Zahnradbahn bis hinauf an den Rand der Gipfelhochfläche. Absolute Wanderklassiker am Schneeberg sind der Fadensteig und der Obere Herminensteig (jeweils kurze leichte Kletterstellen), die wildromantische Weichtalklamm (mit einem Besuch der urigen, an Wochenenden einfach bewirtschafteten Kienthalerhütte) und natürlich die aussichtsreiche Gipfelrunde von der Bergstation der Zahnradbahn, die über die zwei höchsten Erhebungen des Schneebergs, den Kaiserstein und das Klosterwappen führt, mit mehreren Einkehrmöglichkeiten (Hotel Hochschneeberg, Damböckhaus, Fischerhütte).

Schneeberg von der Hohen Wand (c) Peter Backé Schneeberg von der Hohen Wand (c) Peter Backé



Die Fischerhütte am Kaisersteig (c) Peter Backé Die Fischerhütte am Kaisersteig (c) Peter Backé

Ambitionierte Wanderer umrunden den Schneeberg auf dem nördlichen und dem südlichen Grafenbergsteig – eine Zweitagestour mit Übernachtung zum Beispiel in der Edelweißhütte am Fadensattel.

Abendstimmung unterhalb des Klosterwappens (c) Peter Backé Abendstimmung unterhalb des Klosterwappens (c) Peter Backé



Schneebergblick von der Rax (c) Peter Backé Schneebergblick von der Rax (c) Peter Backé

Auf der Rax gehört die Runde von der Seilbahn-Bergstation über Ottohaus und Grünschacher zur Seehütte, mit Rückweg über die Preiner Wand und den Jakobskogel, zu den beliebtesten Touren.

Das Thörl beim Ottohaus (c) Peter Backé Das Thörl beim Ottohaus (c) Peter Backé



Beim Waxriegelhaus (c) Peter Backé Beim Waxriegelhaus (c) Peter Backé

Vom Preiner Gscheid bieten sich mehrere Anstiege auf den höchsten Rax-Gipfel, die Heukuppe, an, besonders lohnend ist dabei der Aufstieg über den Reißtaler Steig (leichter Klettersteig durch die Raxmäuer), verbunden mit einem Abstieg über das Karl Ludwig-Haus und den Schlangenweg. Klettersteiggeher kommen auf der Rax ebenfalls voll auf ihre Kosten. Vom einfachen Wachthüttlkamm bis zum anspruchsvollen Haidsteig reicht das Spektrum, zumindest für „Normalsterbliche“. Im mittleren Schwierigkeitsbereich sind die Teufelsbadstube, der AV-Steig und die Wildfährte besonders zu empfehlen. Sehr versierte Klettersteiggeher können auch am extrem anspruchsvollen Königschusswandsteig versuchen, hier stellt schon der Zustieg eine Kletterei im oberen zweiten Schwierigkeitsgrad dar. Auch für Felskletterer gibt es einen absoluten Hotspot auf der Rax: die Preiner Wand. Wie die Hohe Wand, so bietet sich auch die Rax für Überschreitungen an. Beliebte Startpunkte sind der Einstieg zum Großen Höllental (nahe dem Weichtalhaus), der Beginn des Kesselgrabens sowie Hinternasswald. Als Endpunkte bieten sich Prein und das Preiner Gscheid an.

DAs neue Weichtalhaus (c) Peter Backé Das neue Weichtalhaus (c) Peter Backé



Preiner Wand (c) Peter Backé Preiner Wand (c) Peter Backé

Später im Herbst stehen dann wieder gemäßigtere Höhenregionen im Vordergrund. Wer den Wiener Alpenbogen gut kennt, der weiß: Besonders schön sind die Verfärbungen des Herbstwaldes im Höllental. Auf der Wanderung von Kaiserbrunn (mit dem Bus vom Bahnhof Payerbach-Reichenau aus erreichbar) zum kulinarisch bestens positionierten Naturfreunde-Haus Knofeleben, und weiter durch die Eng hinaus zum Bhf. Payerbach-Reichenau lässt sich das herbstliche Farbenspiel besonders ausgiebig genießen. Gipfelsammler bauen den Krummbachstein, den prominentesten Trabanten des Schneebergs in diese Tour mit ein. Aber auch das Semmeringgebiet und die Hohe Wand – siehe Teil 1 dieses Artikels – erhalten nun wieder vermehrt Besuch von Wanderern, die die oft noch recht warmen und sonnigen Tage in der freien Natur genießen wollen.

Wie lange die Wandersaison dauert, hängt von der herbstlichen Witterung ab. Sofern der Winter nicht frühzeitig hereinbricht, lassen sich auch im November oft noch süd- und südwestseitige Touren bis in mittlere Höhenlagen gut durchführen. Die sonnenexponierten Wege auf die Hohe Wand sind – je nach Schneelage – nicht selten auch in den Wintermonaten begehbar.

Auf den Geschmack gekommen? Dann packen Sie doch gleich die nächste Gelegenheit beim Schopf, um die Probe aufs Exempel zu machen – überzeugen Sie sich davon, wie angenehm es ist, die Berge Ostösterreichs mit Bahn und Bus zu erwandern. Haben Sie eine besonders schöne Zeit auf Ihren Südbahn-Touren am Wiener Alpenbogen und kommen Sie stets wohlbehalten wieder nach Hause zurück! Hinweis: Die Raxseilbahn wir zu ihrem 90-jährigen Jubiläum generalüberholt, mit einer Wiederaufnahme des Betriebs wird Anfang Juli 2016 gerechnet

Talstation Raxseilbahn (c) Peter Backé Talstation Raxseilbahn (c) Peter Backé

Informationen zu den Themen Fahrplanabfragen und Bergwetterprognose finden Sie ebenfalls im ersten Teil des Beitrages.

Bergwanderungen in hochalpinen Regionen erfordern besondere Umsicht in der Tourenplanung. Dies gilt vor allem für die Witterung am Tag der Tour. Denn Wetterstürze können in größeren Höhenlagen besonders heftig ausfallen. Die gilt besonders für Schneeberg und Rax, die am Ostrand der Alpen liegen und daher besonders exponiert sind. Achten Sie daher auf stabile Wetterbedingungen und gute Sichtverhältnisse. Auf Touren in hochalpinen Gebieten ist es ratsam, neben der üblichen Wander- bzw. Klettersteigausrüstung (siehe Teil 1 dieses Artikels) eine zusätzliche Fleecejacke, Ersatzhandschuhe, einen Regenschutz für den Rucksack sowie einen Biwaksack mitzunehmen. Ein Reparatur-Set (Gewebeband, Draht, Schnur, Kabelbinder, kleines Multi-Tool) ist ebenfalls sehr empfehlenswert.

Literatur

Peter Backé, Mit Bahn und Bus in die Wiener Hausberge, Rother Verlag München, 2014 (aktuelle Fahrplanverbindungen für alle Touren finden Sie hier)

Ulrich Hensler, Wandern mit den Öffis – Rund um Wien: Die 40 schönsten Touren, Kral Verlag, 2015. MoJu – mobile Jugend rund um Wien, Sammlung von Kletter- und Wanderausflügen für Kinder, Familien und Jugendliche, 2014. Sie können die Broschüre hier downloaden:

Weitere empfehlenswerte Wanderbücher

Thomas Behm, Führer auf die Hohe Wand: 750 Anstiege von 1 bis 6+, Österreichischer Touristenklub, 2012. Csaba Szépfalusi und Karel Kriz, Bergerlebnis Schneeberg + Rax, Styria Verlag, 2013. Franz und Rudolf Hauleitner, Wiener Hausberge, Rother Verlag München, 2012.
 
 
 
 

Peter Backé
geboren 1960, ist seit seiner Kindheit in den Ostalpen, in den letzten Jahren vermehrt auch in den Bergen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas unterwegs. Er ist Autor des Buches „Mit Bahn und Bus in die Wiener Hausberge“ (Rother Verlag). Beruflich ist er in leitender Position in der Volkswirtschaftlichen Hauptabteilung der Oesterreichischen Nationalbank tätig.
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