24.04.2016

Steyr - Stadt, Land, Fluss.


TRAVEL
Text — Carmen Hafner



Es ist gleichzeitig eine moderne oberösterreichische Stadt, zauberhaftes Alpenvor-Land und natürlich der namensgebende Fluss: Steyr, nach Linz und Wels drittgrößter oberösterreichischer Ballungsraum. Urban, aber überschaubar; grün, gemütlich und vertraut.

Kommt man mit dem Zug in Steyr an, hat man schon Zeit gehabt, ein klein wenig der Umgebung zu besichtigen. Denn so ehrlich muss man sein, ganz flott geht das nicht. Seit sich die Anwohner Überlieferungen zufolge vor vielen Jahrzehnten gegen eine Anbindung an die West(auto-)bahn ausgesprochen haben, arrangiert man sich zufrieden mit den verfügbaren Regionalzügen. Das macht aber gar nichts. Eilige düsen nach Sankt Valentin, regelmäßige Pendlerzüge bringen die Leute in rund 30 Minuten nach Linz. Diesen ohnehin recht niedrigen Preis für die Ruhelage zahlen die Steyrer sehr gerne. Denn die Bewohner dieser geschichtsträchtigen Stadt sind stolz und froh über das, was sie hier Besonderes haben: Eine mittelgroße österreichische Stadt mit fast 40.000 Einwohnern und aller damit in Verbindung stehender Infrastruktur sowie gewissermaßen ländliches Kleinod, wo jeder jeden zu kennen scheint und die Natur vor der Haustüre wartet. Die wahrhaftige Eisenstadt Möchte man wissen, was Steyr zu dem macht, was es heute ist, muss ein wenig zurückgeblickt werden. Die Eisenverarbeitung und der Eisenhandel haben der Stadt nämlich einst zur wirtschaftlichen Blüte verholfen. Das ist immer noch deutlich spürbar. Die Industrie ist nach wie vor maßgebend für das Leben hier. Sie beeinflusst das Stadtbild und gibt unzähligen Menschen im gesamten Ballungsraum, bis hinein ins angrenzende niederösterreichische Mostviertel, Arbeit. International erfolg- und einflussreiche Unternehmen wie MAN und BMW sind in Steyr angesiedelt. Es gibt aber noch etwas, das für die Stadt charakteristisch ist. Sie ist gekennzeichnet durch eben jenen Zusammenfluss von Enns und Steyr, der sich durch die markante Ypsilon-Form ausdrückt, die man auch im Stadtnamen wiederfindet. Die beiden Flüsse sind vielleicht auch daran beteiligt, dass man in früheren Zeiten die Notwendigkeit eines Bahn- oder Autobahnanschlusses schlicht nicht sah. Denn das Wasser war es schließlich, auf dem man das Eisen aus Eisenerz und sämtliche andere Handelsgüter mehr transportierte.

Das Steyrer Y Der Zusammenfluss von oben (c) TVB Steyr Das Steyrer Y: Der Zusammenfluss von oben (c) TVB Steyr

Flaniert der Besucher nun vom Bahnhof auf direktem Weg ins Stadtzentrum, sei ihm der Weg über Bahnhofstraße und Zwischenbrücken empfohlen. Dort erblickt er, wie man schon an der Beschreibung hört, gleich mal die beiden Brücken über den Ennsfluss und die Steyr. Durch die Enge Gasse gelangt man zum historischen Kern der Stadt, dem Stadtplatz. Vorbei an Häuserfronten aus Gotik und Renaissance könnte man nun in jüngere Stadtteile wie den Tabor oder ins Einkaufszentrum City-Point marschieren. Oder man bleibt einfach.

Der Stadtplatz nachts (c) TVB Steyr Der Stadtplatz nachts (c) TVB Steyr

Tagsüber lädt der Stadtplatz zum Bummeln ein. Wer Donnerstag oder Samstag Vormittag hier ist, kann am Wochenmarkt frisches Obst, Gemüse, Blumen sowie Pflänzchen und regionale Spezialitäten kaufen. Ist man damit fertig, laden in der warmen Jahreszeit die Schanigärten ein, sich auf den Terrassen der Lokale einen Drink zu gönnen. Auch abends ist hier geöffnet; wohl den Anrainern zuliebe nicht allzu lange, aber gerade ausreichend, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen und laue Abende im Freien zu verbringen.

Blick in die Enge Gasse (c) TVB Steyr Blick in die Enge Gasse (c) TVB Steyr

Höchste (subjektive) Lebensqualität Ich merke schon, ich gerate ins Schwärmen. Dies hier soll kein Tourismustext sein, sondern eine Ode an meine Heimat. Mein Bestreben ist es, die ganze Bandbreite, warum ich hier lebe, einzufangen. Objektiv ist wohl etwas anderes, tut mir sehr leid. Nein, tut es nicht :-)))  

Blick zur Michaelerkirche (c) TVB Steyr Blick zur Michaelerkirche (c) TVB Steyr



Der Innerberger Stadl am Grünmarkt (c) TVB Steyr Der Innerberger Stadl am Grünmarkt (c) TVB Steyr

Ich hab ja schon mehr gesehen. Fast sechs Jahre meines Lebens verbrachte ich in der Großstadt, als ich zum Studium in Wien war. Doch bereits zu dieser Zeit hatte ich es wochenends immer eilig, per Zug hinauszufahren aus der Stadt, raus aufs Land. So nenne ich meine Heimat, obwohl Steyr eine Stadt ist. Die Natur war es, die mich zurückzog; aber auch das ländliche Miteinander. Betritt man hier ein Geschäft, kann es sein, dass man sogar mit dem Namen begrüßt wird.

Wochenmarkt Stadtplatz (c) TVB Steyr Wochenmarkt am Stadtplatz (c) TVB Steyr

Geht man zum Einkaufen auf Wochen- oder Bauernmarkt, sollte man etwas länger einplanen, um für den einen oder anderen Plausch Zeit zu haben. Ich mag das! Und ich bin sicher, Steyrs Besucher auch. Wir Steyrer sind freundlich und freuen uns, euch etwas zeigen zu dürfen. Also nur nicht schüchtern sein, rein in den Zug!
 
 
 
 

Carmen Hafner
ist freie Journalistin und Bloggerin. Sie schreibt u.a. über Nachhaltigkeitsthemen, Good News, Essen und Gesundheit. Für gute Geschichten ist sie gern viel unterwegs. Die Landl(i)ebende kommt aber auch immer wieder mit Vergnügen zurück in ihre Studienstadt Wien, meistens mit dem Zug.
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