26.06.2016

Budapest: Königin der Donau


TRAVEL
Text — Jasmin Kreulitsch



Wien, Bratislava, Belgrad, Budapest: Vier Hauptstädte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, schmiegen sich stolz ans Ufer der Donau, doch es ist eine unter ihnen, die besonders königlich scheint: die ungarische Metropole Budapest. Spätestens, wenn die Sonne sachte im magischen Blau des zweitgrößten Flusses Europas versinkt und die umliegenden Prachtbauten in ein magisches Licht taucht, muss man sich vor der schönsten Stadt an der Donau verneigen.

"Das Schönste an Pest ist der Blick auf Buda", sagt man im ungarischen Volksmund mit einem Augenzwinkern. Steht man auf einer der neun opulenten Brücken Budapests, die alle die Stadtteile Buda und Pest miteinander verbinden, versteht man sofort, wie das gemeint ist: Während es im hügeligen und saftig grünen Buda eher beschaulicher zugeht und sich der Blick weit in den Budaer Bergen verliert, tobt im flachen Pest das Leben: Man muss nur von der einen Seite der Donau auf die andere spazieren und staunt über prachtvolle Boulevards und Ringstraßen ebenso wie über malerische Jugendstilgebäude und dicht besuchte Einkaufsstraßen mit Touristen aus aller Welt.

Das ungarische Parlament liegt direkt am Ufer der Donau auf der Pest-Seite. (c) Jasmin Kreulitsch Das ungarische Parlament liegt direkt am Ufer der Donau auf der Pest-Seite. (c) Jasmin Kreulitsch

Doch wo startet man nun die Entdeckungstour in der 1,7-Millionen-Metropole? Die Züge aus Wien kommen am Bahnhof Budapest Keleti pályaudvar an, von hier sind es nur drei Stationen mit der M2 zum Deák Ferenc tér. Auf dem weitläufigen Platz treffen sich gerne die Einheimischen, weil hier alle U-Bahnlinien aufeinander treffen. Tipp: Mit der Budapest Card um HUF 9.900 (ca. 33) fährt man 72 Stunden lang mit den Öffis und erhält Ermäßigungen für viele Lokale und Sehenswürdigkeiten. Doch auch zu Fuß ist das Zentrum prima zu erkunden, zumal es rundum genug Lokale gibt, in denen man müde Füße ausruhen kann, sei es in einem der Straßenlokale oder einfach auf einer Parkbank am besten mit einem knusprigen Lángos (ca. HUF 1.00, ca. 3) in der Hand, einer typisch ungarischen Spezialität.

Lángos zum Mitnehmen: Welcher Belag soll s denn werden? (c) Jasmin Kreulitsch Lángos zum Mitnehmen: Welcher Belag soll s denn werden? (c) Jasmin Kreulitsch



Deftig, aber lecker: Ein typisches Lángos mit Knoblauch, Sauerrahm und jeder Menge Käse. (c) Jasmin Kreulitsch Deftig, aber lecker: Ein typisches Lángos mit Knoblauch, Sauerrahm und jeder Menge Käse. (c) Jasmin Kreulitsch

Um Spezialitäten geht es auch in der Traditionsbetrieb Szamos, der berühmt für sein Marzipan ist und rund 25 Filialen führt. Das schönste Haus liegt zentral am Vörosmarty tér und die süßen Kreationen im Szamos Gourmet Ház - Gourmet Palace and Café (Váci u. 1, 1) sind so verführerisch, dass ein Stück garantiert nicht reicht! Spannend: Seit einem Jahr gibt es mit der Matthias Szamos Konfiserie (Landstraßer Hauptstraße 72)  auch eine Filiale in Wien und man kann auch Kurse besuchen, z. B. Marzipankneten für Kinder ( 32).

Verführung pur: Ein süßer Teller aus der Traditionskonditorei Szamos. (c) Jasmin Kreulitsch Verführung pur: Ein süßer Teller aus der Traditionskonditorei Szamos. (c) Jasmin Kreulitsch



Die handgemachten Szamos-Pralinen sind unwiderstehlich.(c) Jasmin Kreulitsch Die handgemachten Szamos-Pralinen sind unwiderstehlich.(c) Jasmin Kreulitsch

Hat man sich gestärkt, vertritt man sich am besten die Beine, indem man sich die Shoppingszene von Budapest näher ansieht. Am besten lässt man sich treiben: durch die Deák Ferenc utca, die auch als Fashionstreet bezeichnet wird (überall kostenloses WLAN!), oder um die Ecke durch die Váci utca, die bekannteste Einkaufsmeile und zudem die älteste Handelsstraße Budapests. Obwohl man hier von europäischen Labels überflutet wird, lohnt sich einen Blick auf die heimischen Geschäfte. Zum Beispiel auf die ungarischen Designerin Valéria Fazekas (Váci utca 50), die ausgefallene Hüte kreiert und schon Besuch von US-Schauspielerin Angelina Jolie hatte. In dem Art- & Designshop Rododendron (Semmelweis utca 19)  gibt s tolle Stücke von rund 30 ungarischen Designern zu kaufen und wer auf Vintage steht, entdeckt in dem kunterbunten Laden Ludovica (Rumbach Sebestyén utca 15)  ausgefallene Kleidung.

Die schönsten Mitbringsel aus ungarischer Hand entdeckt man im Kunstladen Rododendron. (c) Jasmin Kreulitsch Die schönsten Mitbringsel aus ungarischer Hand entdeckt man im Kunstladen Rododendron. (c) Jasmin Kreulitsch



Wer auf Vintage- und Second-Hand-Mode steht, wird in dem bunten Laden Ludovica fündig. (c) Jasmin Kreulitsch Wer auf Vintage- und Second-Hand-Mode steht, wird in dem bunten Laden Ludovica fündig. (c) Jasmin Kreulitsch

Alle Wege in Budapest führen aber irgendwann zurück zur Donau oder über die Donau. Um die Metropole von oben zu bestaunen, hat man mehrere Möglichleiten. Zum einen kann man auf den 235 Meter hohen Gellértberg spazieren, Zitadelle und Freiheitsstatue besichtigen und tolle Fotos machen einzig der Aufstieg kann etwas anstrengend sein. Wer s gemütlicher mag, fährt hoch ins berühmte Burgviertel, genannt Várnegyed. Nach oben geht es mit der Budavári Sikló, der Budapester Standseilbahn (HUF 1.100, ca. 3,70), doch Achtung: Die Wartezeit kann 30 Minuten betragen. Besser nimmt man vom Deák Ferenc tér die Buslinie 16, die von den Einheimischen Burglinie genannt wird und direkt vor der Matthiaskirche stehenbleibt.

Einen tollen Blick über Budapest hat man vom Gellértberg. (c) Jasmin Kreulitsch Einen tollen Blick über Budapest hat man vom Gellértberg. (c) Jasmin Kreulitsch

Oben im Burgviertel kommt man dann wieder ins Staunen, denn lässt man die Touristenmassen rund um Matthiaskirche und Fischerbastei hinter sich und schlendert durch die kleinen Straßen, entdeckt man eine Gegend, wie sie früher vielleicht mal war. Immerhin war das Burgviertel schon im 13. Jahrhundert bewohnt! Heute spaziert man durch pittoreske Gassen, Kunstgalerien, Souvenirläden, Cafés und Restaurants und findet ein völlig anderes Ambiente als unten in der City.

Der Aufstieg zur Fischerbastei führt über viele Treppen, lohnt sich aber in jedem Fall. (c) Jasmin Kreulitsch Der Aufstieg zur Fischerbastei führt über viele Treppen, lohnt sich aber in jedem Fall. (c) Jasmin Kreulitsch



Denn der Blick auf die Donau und die Stadt sind einfach umwerfend. (c) Jasmin Kreulitsch Denn der Blick auf die Donau und die Stadt sind einfach umwerfend. (c) Jasmin Kreulitsch

Doch Budapest hat nicht nur ein quirliges Stadtleben, sondern auch ruhige Ecken. Eine der schönsten ist die Margit-sziget, die Margareteninsel. Auf 2,5 Kilometer Länge schwimmt die Insel in der Donau und ist ein beliebtes Freizeitgebiet bei den Einheimischen. Wer die Stadt von ihrer natürlichen Seite kennenlernen will, ist hier gut aufgehoben, zum Beispiel im Danubius Health Spa Resort Margitsziget (Budapest-Margitsziget). Das Doppelzimmer (mit Balkon!) gibt es ab ca. HUF 27.800 (ca. 88), dafür wacht man bei Vogelgezwitscher auf, isst auf der Terrasse ein Omelette und relaxt anschließend im Spa-Bereich. Und in die Stadt dauert es mit dem Bus auch nur 15 Minuten!

Wer Ruhe sucht, wird sich auf der idyllischen Margareteninsel wohl fühlen. (c) Jasmin Kreulitsch Wer Ruhe sucht, wird sich auf der idyllischen Margareteninsel wohl fühlen. (c) Jasmin Kreulitsch



Im Danubius Health Spa Resort Margitsziget startet man perfekt in den Tag. (c) Jasmin Kreulitsch Im Danubius Health Spa Resort Margitsziget startet man perfekt in den Tag. (c) Jasmin Kreulitsch

Apropos Spa: Dass Budapest bekannt ist für seine Thermalbäder, ist nichts neues, aber dass die Metropole mit rund 120 Thermalquellen und 21 Bädern die größte Kurstadt Europas ist, ist immer wieder beeindruckend. Am bekanntesten ist das Gellértbad (Kelenhegyi út 4), das direkt neben dem Danubius Hotel Gellért (Szent Gellért tér 1)  liegt. Hier übernachtet man im Doppelzimmer schon ab ca. HUF 22.000 (ca. 70), Hotelgäste dürfen einmal kostenlos ins Bad, ansonsten zahlt man HUF 4.900 (ca. 16) Eintritt für das ungarische Badevergnügen.

Fast schon eine Legende in Budapest: das berühmte Hotel und Thermalbad Gellért. (c) Jasmin Kreulitsch Fast schon eine Legende in Budapest: das berühmte Hotel und Thermalbad Gellért. (c) Jasmin Kreulitsch

Was man aber auch keinesfalls verpassen darf, ist die grandiose ungarische Küche, allen voran Palatschinken! Am berühmtesten ist die Gundel-palacsinta, die im gleichnamigen Restaurant Gundel (Állatkerti út 2)  erfunden wurden und mit Walnüssen, Orangeat, Rosinen, Rum und Schokoladensauce (HUF 2.500, ca. 8) gefüllt wird. Aber auch die pikante Variante ist Genuss pur und schmeckt z. B. im Els? Pesti Rétesház Kávéház (Október 6 utca. 22) um HUF 2.190 (ca. 7,50) besonders gut. Und wen mitten in der Nacht die Lust auf etwas Süßes überkommt, der braucht nur zum Palatschinken-Haus Nagymama (Batthyány tér 5)  zu fahren das hat nämlich auch nachts geöffnet!

Hortobágyi palacsinta mit einer Füllung aus Hühnerbrustfaschiertem, Sauerrahm, Zwiebeln, Paprika und Tomaten. (c) Jasmin Kreulitsch Hortobágyi palacsinta mit einer Füllung aus Hühnerbrustfaschiertem, Sauerrahm, Zwiebeln, Paprika und Tomaten. (c) Jasmin Kreulitsch

Apropos Nacht: Da entfaltet Budapest seine schönste Seite und man versteht, warum die Stadt auch als Königin der Donau bezeichnet wird. Beide Uferseiten werden magisch illuminiert und in ein besonderes Licht getaucht. Der schönste Abschluss für einen Abend in Budapest ist deshalb eine nächtliche Bootstour (buchbar über Budapest Citytours, ab HUF 5.500, ca. 21), bei der man vom Wasser aus dem Zauber des Lichts erliegt und erneut aus dem Staunen nicht rauskommt

Eine der schönsten Seiten Budapests sieht man bei einer Bootstour am Abend. (c) Jasmin Kreulitsch Eine der schönsten Seiten Budapests sieht man bei einer Bootstour am Abend. (c) Jasmin Kreulitsch

 
 
 
 

Jasmin Kreulitsch
Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken.
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