10.07.2016

Kitzbühler Alpen: Nur fliegen ist schöner!


ACTIVE
Text — Lea Hajner



Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Frischluft, die uns im Frühling nach draußen auf die Wiesen, in die Wälder und auf die Berge treibt. Wir tanken die Energie der grünen Landschaft förmlich auf und schütteln die müden Gelenke. Während die meisten von uns dabei die neue Saison mit Wanderschuhen oder dem Fahrrad begrüßen, gibt es eine kleine Gruppe von Menschen in Österreich, denen das nicht so recht reicht.

Sie wollen weiter und höher hinaus und den Frühling von oben erobern. In eleganten, kleinen Fliegern sitzen sie. Sie haben kaum mehr Platz als für sich, einen Trinkwasserbeutel und ihren Bordcomputer. So kreisen sie mit Hilfe ihren langen Flügel, wie ein überdimensionaler Vogel durch die Lüfte. Das sieht einfacher als aus es ist. Aus gutem Grund heißt es oft, dass Segelflieger die besten Piloten sind - denn sie können auch ohne Motor fliegen und müssen dabei jede Bewegung selbst steuern. Einen Autopiloten gibt es hier nicht. Dabei ist volle Konzentration und ein Gespür für Thermik, Gelände und Geschwindigkeit gefragt. Einige besonders geschickte Piloten treffen sich alljährlich Anfang Mai in Sankt Johann zum Kitzbühler Alpenpokal.

(c) Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol Enge im Segelflieger (c) Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol

„Wer Segelflieger werden will, der muss das reine und starke Verlangen danach haben, sich den Himmel zu seiner zweiten Heimat zu machen - so wie der Seemann das Meer.“ Erstes Gebot aus „12 Gebote für Segelflieger“ von Wolf Hirth und Peter Supf



Kontrolle des Fliegers (c) Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol Kontrolle des Fliegers (c) Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol

Während die ersten Wanderer nun also die Gipfel der Kitzbühler Alpen erklimmen und neidisch nach oben blicken, wo die Steinadler ihre Kreise ziehen, blicken die Segelflieger einfach direkt hinüber zum nächsten Steinadler. Denn die wissen meistens ziemlich genau, wo die Thermik gerade am stärksten ist. Und die ist auch für die eleganten weißen Flieger mit bis zu 29m Flügelspannweite unersetzlich, um ganz natürlich immer höher zu steigen.

Segelflieger in der Luft (c)Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol Segelflieger in der Luft (c)Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol

“Glück ab, gut Land!” wünschen sich die Segelflug-Piloten und meinen damit so etwas wie „Hals und Beinbruch“. Nur eben in Fliegersprache. Wenn man sie so dahinflitzen sieht in den Bergen mit Höchstgeschwindigkeiten bis zu über 280km/h wünscht man ihnen das auch sofort. Dabei gehört es zu den größten Freuden eines Segelfliegers Wanderer auf gut exponierten Berghütten zu erschrecken und knapp über ihre Köpfe zu sausen. Da freut sich der Segelflieger so richtig über die Menschen, die keine Mühe scheuen und die Berge zu Fuß besteigen. Wer sich nicht ganz sicher ist, winkt am besten einfach mal dem Piloten zu. Mit etwas Glück winkt der Flieger zurück.

„Reise, Reise, Seemannreise, jeder tut's auf seine Weise“ Rammstein

Tipp: Als Zuschauer kann man das Spektakel am Flugplatz in Sankt Johann live miterleben. Hier werden die Flieger morgens aufgereiht, gestartet, die Piloten versorgt und wieder am Boden willkommen geheißen. Durch die Bank spürt man die Leidenschaft fürs Segelflieger, an der hier jeder einzelne einen Narren gefressen hat. Ein wahrer Hotspot für Plane-Spotting und um dem Traum vom Fliegen ein Stück näher zu kommen.



Aufgereihte Segelflieger (c) Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol Aufgereihte Segelflieger (c) Michael Wieser, Mitglied des Kameraklub St. Johann in Tirol

 
 
 
 

Lea Hajner
ist Reisejournalistin. Sie mag schöne Geschichten aus fernen Ländern. Und sie erzählt gerne schöne Geschichten, mal aus der Ferne mal aus der unmittelbaren Umgebung. Es sind  Geschichten vom Reisen, vom Fernweh, von schönen Begegnungen und abenteuerlichen Ausflügen in die Natur.
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