31.07.2016

Hallstatt am Ostuferweg den See entlang


ACTIVE
Text — Maria Kapeller



Manchmal sehen die Dinge ganz anders aus, wenn man die Perspektive wechselt. So ist das auch mit Hallstatt. Die wohl berühmteste Ortschaft Österreichs liegt eingekesselt zwischen See und Berg. Die meisten Besucher fahren direkt ins Ortszentrum. Eine wirklich gute Sicht auf Hallstatt bietet sich aber vom Ostufer aus.

Als eine der schönsten Wanderungen der Region gilt der Ostuferweg. Er führt von Obertraun bis Steeg in Bad Goisern in rund 11 Kilometern direkt am Ufer des Hallstättersees entlang. Gleich ein paar Kilometer nach Obertraun eröffnet sich ein einzigartiger Blick auf Hallstatt, eingebettet in die Bergwelt des Salzkammergutes. Spätestens jetzt leuchtet ein, warum die gesamte Region Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut zum UNESCO-Welterbe zählt. Ein Stück weiter komme ich am Bahnhof Hallstatt vorbei. Der liegt nämlich nicht in der Ortschaft selbst, sondern auf der gegenüberliegenden Seeseite, direkt am Ostuferweg. Wer mit dem Zug nach Hallstatt will, geht die paar Schritte bergab zum Steg und setzt mit dem Schiff über. Das hat seinen Grund: Die Hallstätter galten schon immer als Dickköpfe. Sie wollten weder, dass eine Uferstraße noch eine Zugtrasse durch ihren Ort führt. Heute ergibt das ein lustiges Bild: Touristen aus aller Welt, allen voran Asiaten, rollen ihre Koffer vom Bahnsteig in Richtung See.

Bahnhof Hallstadt (c) Maria Kapeller Bahnhof Hallstadt (c) Maria Kapeller



Touristen am Weg vom Zug zum Schiff (c) Maria Kapeller Touristen am Weg vom Zug zum Schiff (c) Maria Kapeller



Ostuferweg (c) Maria Kapeller Ostuferweg (c) Maria Kapeller

Hängebrücke über der tiefsten Stelle des Sees

Kurz nach dem Bahnhof beginnt ein schmaler Steg, der direkt über den See führt und mit Seilen am Fels befestigt ist. Über die mit 125 Metern tiefste Stelle des Hallstättersees ist eine Hängebrücke gespannt. Oberhalb des abenteuerlichen Weges ragen Felswände empor, unterhalb nichts als Wasser. An manchen Tagen, so wie heute, müssen Wanderer ein paar Minuten vor einer Absperrung warten. Nämlich dann, wenn am Fels potenziell gefährliche Steinbrocken entfernt werden.

Hängebrücke über der tiefsten Stelle des Sees (c) Maria Kapeller Hängebrücke über der tiefsten Stelle des Sees (c) Maria Kapeller

Aber es dauert nicht lange und ich kann meine Wanderung fortsetzen. An manchen Stellen sehe ich Fischer in traditionellen Plätten, den für die Region typischen Holzbooten. Die Vögel zwitschern, das Wasser plätschert in regelmäßigen Abständen gegen das Ufer. Die Wiesen ringsum blühen in sommerlichen Farbtönen: gelber Hahnenfuß, rosarote Nelken. Am Waldrand wachsen Leberblümchen.

Blumen säumen den Ostuferweg (c) Maria Kapeller Blumen säumen den Ostuferweg (c) Maria Kapeller

Glücksplatz und Gasthof

Obersee liegt gefühlsmäßig ungefähr an der Hälfte der Strecke. Und bietet sich für eine längere Rast an. Erstens lädt ein natürlicher Glücksplatz mit Bankerln und Seeblick zum Verweilen ein. Zweitens werden im Gasthof Seeraunzn lokale Spezialitäten serviert: Goiserer Brotbrettl mit Röstzwiebel-Brot, Speck, Schweinsbradl und Käse. Frische Forelle und Saibling aus der Fischerei Hallstatt. Oder mit Powidl gefüllte Pofesen. Gleich neben dem Gasthof befinden sich außerdem ein weiterer kleiner Bahnhof sowie eine Schiffsanlegestelle. Wer jetzt nicht mehr weiter kann oder mag, der könnte theoretisch von hier aus zurück nach Obertraun oder nach Hallstatt fahren. Für mich steht fest: Es geht bis nach Bad Goisern.

Gasthof Seeraunzn in Obersee (c) Maria Kapeller Gasthof Seeraunzn in Obersee (c) Maria Kapeller

Bilder wie aus dem Heimatfilm

Die Szenen, die mich beim Weitergehen erwarten, könnte aus einem kitschig-schönen Heimatfilm stammen: Saftige Wiesen, blühende Obstbäume, traditionelle Häuser mit Holzbalkonen und kleine, private Badeplätze. Ein paar der Häuser vermieten Zimmer oder beherbergen Ferienwohnungen. In Untersee komme ich an einem öffentlichen Badeplatz vorbei, dem Schliessenzweck. Wäre der See ein bisschen wärmer – ich würde sofort hineinspringen. Der Hallstättersee gilt eigentlich nicht als typischer Badesee. Dafür ist er zu kalt – im Sommer erwärmt er sich auf maximal 24 Grad. Grund dafür ist einerseits seine Tiefe, andererseits der Waldbach, der ihn unaufhörlich mit eiskaltem Gletscherwaser speist.

Alte Holzhaus am Wegesrand (c) Maria Kapeller Alte Holzhaus am Wegesrand (c) Maria Kapeller

Auf den letzten paar Kilometern des Ostuferwegs stehen mehr und mehr Häuser. Es geht vorbei an einem kleinen, privaten Edelsteinmuseum bis zum Bahnhof Steeg. Dort steige ich in den Regionalzug ein und fahre zurück zur Bahnstation Obertraun. Die Zugstrecke führt direkt entlang des Sees und gibt noch einmal herrliche Blicke frei. Wer will, steigt schon in Hallstatt aus und quert den See mit dem Schiff. Oder legt gleich die ganze Strecke von Steeg oder Untersee aus mit dem Schiff zurück. Ich mache es anders: Ich leihe mir in Obertraun ein Rad aus und trete die fünf Kilometer nach Hallstatt kräftig in die Pedale.

Rückfahrt mit dem Zug entlang des Sees (c) Maria Kapeller Rückfahrt mit dem Zug entlang des Sees (c) Maria Kapeller

Stadtführung durch Hallstatt

Der Stadtrundgang in Hallstatt ist der wohlverdiente Abschluss meines Wandertages. Jedes der Gebäude ist ein Unikat, einige stehen unter Denkmalschutz. Errichtet wurde die meisten Häuser einst von Bergleuten des Salzbergwerks – übrigens dem ältesten der Welt. Die vielen asiatischen Touristen mit ihren überdimensionalen Kameras und Selfie-Sticks stören mich nicht. Schließlich war es am Wanderweg ruhig genug, jetzt macht mir der Trubel gar nichts aus.

Marktplatz in Hallstatt (c) Maria Kapeller Marktplatz in Hallstatt (c) Maria Kapeller

Ich besuche noch das Beinhaus, in dem die Knochen und Schädel von rund 1000 Verstorbenen aufbewahrt werden. Der Grund dafür: Der örtliche Friedhof wurde irgendwann einfach zu klein. Die Besonderheit am Hallstätter Beinhaus ist, dass die Schädel mit Namen beschriftet und mit unterschiedlichen Mustern bemalt sind. Vom Friedhof aus blickt man weiter über den See, rüber zum Ostuferweg. Und wieder merke ich: Öfter mal die Perspektive wechseln, das tut ganz schön gut.

Beinhaus in Hallstatt (c) Maria Kapeller Beinhaus in Hallstatt (c) Maria Kapeller

 
 
 
 

Maria Kapeller
Reist am liebsten mit einem Stapel Zeitschriften im Rucksack durch die Welt. Bei langen Zugfahrten darf die Schlafmaske nie fehlen. Wenn die erstmal abgenommen ist, stürzt sich die Texterin und Journalistin voller Elan in jedes neue Abenteuer. Sie schreibt nicht nur für diverse Medien, sondern mit viel Leiden-schaft auch auf ihrem eigenen Blog kofferpacken.at.
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