18.09.2016

Grenzenloses Radvergnügen an der Mur


ACTIVE
Text — Anita Ericson



Radtouren unter südlicher Sonne verspricht die Region Bad Radkersburg. Für allfällige Stärkungen sorgen jede Menge Buschenschänken und zum Abschluss gibt’s Thermenspaß satt.

Wie viele Schattierungen von Grün es hier wohl gibt? Sinnlos, sie zählen zu wollen, diese Symphonie in Grün will als Gesamtkunstwerk wahrgenommen werden: Da eine lichtüberflutete Uferwiese, dort dunkles, pflanzenüberwuchertes Wasser, auf den Sonnenflecken tanzen, dahinter dichter Auwald, der tiefen Schatten spendet. Die Blüten von Wegmalve, Sonnenhut und Drüsenspringkraut setzen fröhliche Farbtupfer. Vögel und Grillen besingen die sommerliche Fülle, das gemächliche Plätschern der Mur gibt den Takt dazu. Da lacht unser Herz und das in die Pedale treten fällt leicht.

Radfahren in den Murauen (c) TVB Bad Radkersburg/ pixelmaker.at Radfahren in den Murauen (c) TVB Bad Radkersburg/ pixelmaker.at

Wir sind mit den Rädern eingetaucht in den Auwald der Murauen, ein riesiges Natura-2000-Schutzgebiet. Auf fast 50 Kilometern Länge zwischen Spielfeld und Bad Radkersburg darf die Mur noch ungehindert fließen – keine Kraftwerksanlage stellt sich ihr in den Weg. Zwar ist sie weitgehend begradigt und eingetieft, doch es sind auch noch Reste der einst regelmäßig überschwemmten Auen mit einer Vielzahl an Auengewässern und Lahnbächen erhalten. Dieser Dschungel ist äußerst artenreich und stellt insbesondere für Vögel, Amphibien und Insekten einen wertvollen Rückzugsraum im immer dichter besiedelten Mitteleuropa dar. Und natürlich auch für uns, die wir naturnahe Landschaften den gezähmten vorziehen. Begonnen haben wir die „Grenzenlose Murauen“ Radtour in Bad Radkersburg und schon kurz nach dem Aufbruch gleich mal eine Pause eingelegt: Am Liebmannsee konnten wir an diesem herrlichen Sommermorgen gar nicht anders, als den Tag mit einer erfrischenden Schwimmrunde – immer mit Blick auf die Baumriesen am anderen Ufer – zu starten. Gut abgetrocknet haben wir anschließend einen Schwenk nach Dietzen vollzogen, und uns im Hofladen der Familien Summer & Hofer mit hausgemachtem Brot, Aufstrichen und Kürbisknabberkernen für ein Picknick ausgestattet – nun sind wir mitten im Auwald und atmen uns die Lungen voll mit frischer Luft.

Hofladen der Familie Hofer in Dietzen (c) www.baecksteffl.at Hofladen der Familie Hofer in Dietzen (c) www.baecksteffl.at



Hofladen der Familie Hofer in Dietzen (c) www.baecksteffl.at Hofladen der Familie Hofer in Dietzen (c) www.baecksteffl.at

Allzu bald stehen wir direkt am Hauptstrom, in dessen Mitte die Grenze zu Slowenien verläuft. Hier möchten wir erkunden, ob die Kirschen in Nachbars Garten (alias: die Weine aus seinen Rieden) tatsächlich besser schmecken, wie es das Sprichwort besagt.. Nach dem kulinarisch, sportlichem Ausflug fahren wir wieder in Richtung Mur, die wir bei Gorna Radgona erneut überqueren und schon sind wir wieder am Ausgangspunkt.

Gorna Radgona, ein Ausflug über die Brücke ins Nachbarland Slowenien (c) www.24cities.eu/de/9-mest/staedte/gornja-radgona Gorna Radgona, ein Ausflug über die Brücke ins Nachbarland Slowenien (c) www.24cities.eu/de/9-mest/staedte/gornja-radgona

Die Lage Bad Radkersburgs direkt an der Mur und in Gehdistanz zu Slowenien macht die Region zu einer vortrefflichen Raddestination. Zum einen ist es immer spannend, zu sehen, wie Alltag und Geschäfte abseits der Heimat verlaufen, zum anderen sind die Wege entlang der Mur gemütlich eben. Außerdem wird man hier in Bad Radkersburg besonders verwöhnt, denn die Sonne scheint hier öfters als sonst wo in Österreich. Das feine Klima verdankt die hübsche historische Stadt milder mediterraner Luft, die über Slowenien ungehindert hereinströmt.

Der Hauptplatz in der historischen Altstadt von Bad Radkersburg (c) TVB Bad Radkersburg/ pixelmaker.at Der Hauptplatz in der historischen Altstadt von Bad Radkersburg (c) TVB Bad Radkersburg/ pixelmaker.at

Hoppala, wie war das mit den ebenen Wegen? Zum Glück haben wir vorausblickend geliehene E-Bikes gesattelt, die uns sozusagen den nötigen Rückenwind verschaffen, um unter der südlichen Sonne nicht vollends zu zerfließen. Unsere heutige Radrunde führt uns nämlich gen Norden in die Weinbaugebiete Klöch, Tieschen, Rosenberg und Straden – eine ehemalige Vulkanlandschaft mit standesgemäßen Hügeln. Aus gutem Grund haben wir uns allerdings entschlossen, die „Weinberg“ Tour in die entgegengesetzte Richtung zu radeln und so erreichen wir als erstes den hochgelegenen Markt Straden. Umwerfend ist der Panoramablick, der sich uns von der Kirche aus bietet, herzhaft das späte Frühstück, mit dem wir uns gleich daneben in der Greißlerei „De Merin“ die Bäuche vollschlemmen.

Die Greißlerei "De Merin" (c) www.demerin.at Die Greißlerei "De Merin" (c) www.demerin.at

Nach diesem gelungenen Start mäandern wir gemütlich entlang idyllischer Weinrieden, vorbei an prachtvollen Obstgärten und durch ausgedehnte Mischwälder, machen hier ein Päuschen und da eine Pause – und erreichen schließlich ein paar Stunden später entspannt den Ort Klöch, die „Perle des südoststeirischen Weinlandes“ und Heimat des würzigen Traminers. Wir fahren zielgerichtet zur Buschenschank Frühwirth, wo der Radtag genussvoll ausklingt.

Buschenschank der Familie Frühwirth (c) www.fruehwirth.at Buschenschank der Familie Frühwirth (c) www.fruehwirth.at

Sowohl diese „Weinberg“- als auch die „Grenzenlose Murauen“ Tour haben wir in der Radentdeckungskarte Ost gefunden. In Summe hält die Radregion Bad Radkersburg 24 ausgearbeitete Radrunden parat, die in den Radentdeckungskarten Süd, Ost und West sowie der Regionalen Tourenkarte zusammengefasst sind. Das Spektrum reicht dabei von extrem gemütlichen Familientouren über Genussstrecken bis hin zu Runden für sportlich Ambitionierte – Dank E-Bike Verleih darf man dabei ruhig ein wenig über die eigene Kondition hinaus planen. Bei all den wunderbaren Radausflugsmöglichkeiten sollte man aber doch auch Zeit für Bad Radkersburg selbst einplanen. So lassen wir am dritten und letzten Tag unseres verlängerten Wochenendes die Räder stehen, laden uns die „City Audioguide Oststeiermark“-App aufs Handy und genießen unsere ganz private Stadtführung durch den pittoresken historischen Stadtkern der alten Grenzbastion. Wir erfahren dabei dieses und jenes über die früher eher wenig friedlichen Zeiten, die das Antlitz Bad Radkersburgs geprägt haben, vertiefen uns in Details wie das raue Murnockerlpflaster und nehmen uns hier und da und dort eine Auszeit von der Führung, um auch die adretten Gastgärten der Altstadt gebührend zu würdigen.

Die bezaubernde Altstadt von Bad Radkersburg ©pixelmaker.at Die bezaubernde Altstadt von Bad Radkersburg ©pixelmaker.at

Schlussendlich landen wir im Kurpark und steuern auf die Parktherme zu. Bewusst haben wir uns den Badespaß im über dreißig Grad warmen Wasser bis zuletzt aufgehoben: Die besonderen Inhalte des Thermalwassers lockern Verspannungen, fördern nachhaltig die Beweglichkeit der Muskeln, Sehnen, Bänder und Bandscheiben sowie die Durchblutung und den Stoffwechsel. Genau das Richtige eben, um sportliche Tage perfekt abzurunden.

Erholung für die Wadeln im Thermalwasser der Parktherme (c) Harald Eisenberger Erholung für die Wadeln im Thermalwasser der Parktherme (c) Harald Eisenberger

 
 
 
 

Anita Ericson
hat als berufliche Weltenbummlerin vor einigen Jahren das Fluggepäck an den Nagel gehängt und schultert seither lieber ihren Rucksack, um die vielen Facetten ihrer Heimat Ostösterreich zu erkunden. Sie publiziert als freie Journalistin über Umwelt- und Naturthemen, in Reiseführern und ab und zu auch noch in Reisemagazinen.
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