30.10.2016

Bled: Kaiser, Kur & Kremsnita


TRAVEL
Text — Jasmin Kreulitsch



Es sind nur 50 Kilometer, die zwischen der österreichischen Grenze in Kärnten und dem idyllischen Ort Bled im Norden Sloweniens liegen, deshalb dauert es nicht lange, bis man durch den Karawankentunnel getuckert ist und das Ufer des Bleder Sees in der Ferne erspäht. Wo einst der Kaiser seine Seele baumeln ließ, entdeckt man heute im 8.000-Seelen-Ort Bled zwischen den Alpen und der Adria eine malerische Portkartenidylle – und die beste Cremeschnitte der Welt.

„Man hat Bled nicht richtig gesehen“, so sagen die Einheimischen gerne, „solange man nicht mit einer Pletna über den Bleder See gefahren ist!“ Ple-was? Pletna! Die traditionellen Boote mit den bunten Leinendächern schaukeln nur am Bleder See hier im Norden Sloweniens übers Wasser – und das schon seit dem 16. Jahrhundert. Die Boote werden von den Einheimischen selbst gefertigt und bieten Platz für 20 Personen (hin und retour: € 12); außerdem werden sie mit einer speziellen Stehrudertechnik angetrieben, das heißt: im Stehen und mit zwei Rudern. Steuern darf nur der sogenannte Pletnar, der Beruf ist in Bled  hoch angesehen. Schon seit Jahrhunderten wird die Tätigkeit in der Familie vererbt, daher trifft man heute oft Vater und Sohn, die abwechseln die Pletna der Familie über den See steuern.    

In eine Pletna passen rund 20 Personen, eine Fahrt kostet ca. € 12 (c) Jasmin Kreulitsch In eine Pletna passen rund 20 Personen, eine Fahrt kostet ca. € 12 (c) Jasmin Kreulitsch



Jede Pletna trägt einen weiblichen Namen, hier zum Beispiel Barbara. (c) Kreulitsch Jede Pletna trägt einen weiblichen Namen, hier zum Beispiel Barbara. (c) Kreulitsch

Das Ziel der idyllischen Fahrt sieht man beinahe von jeder Stelle rund um den Bleder See: Mitten aus dem türkisblauen Wasser erhebt sich eine kleine Insel – übrigens die einzige in ganz Slowenien. Entstanden aus den Überresten eines Kalkhügel bezaubert das schwimmende Eiland heute vor allem mit einer von grünen Bäumen umrahmten Kapelle, deren Glocke eine traurig-schöne Geschichte erzählt: Einst lebte eine Witwe namens Polixena in einem Schloss am Bleder See und trauerte um ihren ermordeten Mann. Um ihm ein Denkmal zu setzen, ließ sie all ihr Gold und Silber schmelzen und zu einer Glocke gießen, damit sie fortan in der Kapelle auf der Insel im Bleder See läuten konnte. Doch der Plan endete tragisch: Als die Glocke auf die Insel gebracht wurde, kam ein Sturm kam auf. Das Boot kenterte, die Bootsbesatzung ertrank, die Glocke versank. „Noch heute“, so sagen die Einheimischen gerne, „kann man in klaren Nächten ein Läuten aus der Tiefe des Sees hören.“  

Die Insel im Bleder See ist die einzige Insel Sloweniens. (c) Jasmin Kreulitsch Die Insel im Bleder See ist die einzige Insel Sloweniens. (c) Jasmin Kreulitsch

Ganz unabhängig von der Legende hört man das Läuten der Glocke vor allem tagsüber, denn damals wie heute gilt der Glaube, dass Wünsche erfüllt werden, wenn man die Glocke läutet. Kein Wunder, dass viele Paare auf der Insel heiraten, wobei Hochzeitsgäste und das Brautpaar zuerst 99 Stufen nach oben steigen müssen, ehe sie „Ja!“ sagen dürfen. Am schlimmsten trifft es den Bräutigam: Der Sitte nach muss er die Braut alle 99 Treppenstufen hinauf zur Kirche tragen! Wie gut, dass es auf der Insel nicht nur Restaurant und Café gibt, sondern auch den Laden „Poticnica“, aus dem es herrlich duftet: Hier gibt es den slowenischen Kuchen Potica in allen möglichen Varianten – herzhaft salzig oder verführerisch süß gefüllt!

Die gefüllten slowenischen Kuchen Potica gibt es salzig oder süß gefüllt. (c) Jasmin Kreulitsch Die gefüllten slowenischen Kuchen Potica gibt es salzig oder süß gefüllt. (c) Jasmin Kreulitsch



Steigt man an der Insel aus der Pletna aus, muss man 99 Stufen bis zur Kirche erklimmen. (c) Jasmin Kreulitsch Steigt man an der Insel aus der Pletna aus, muss man 99 Stufen bis zur Kirche erklimmen. (c) Jasmin Kreulitsch

Aber zurück ans Ufer des 8.000-Seelen-Ort Bled, wo sich das Leben der Einheimischen ebenso abspielt wie das der Touristen. Das Zentrum der Stadt schmiegt sich ans östliche Ufer des Sees und lässt sich prima zu Fuß erwandern, aber auch der Weg um den Bleder See ist für jeden leicht zu erkunden: Eine komplette Runde dauert knapp eineinhalb Stunden. Außer Atem kommt man lediglich, wenn man das Wahrzeichen von Bled – die Bleder Burg – zu Fuß erklimmt. Die Distanz ist zwar gering, aber der Weg auf den 150 Meter hohen Felsen, auf dem die Burg seit 1011 thront, führt über viele Treppen nach oben. Die gute Nachricht ist: Nach maximal 30 Minuten hat man es geschafft – und wird mit einem gigantischen Blick belohnt, der über den gesamten Bleder See und die putzige Insel ebenso wie zu den mächtigen Felszacken der Julischen Alpen reicht.

Die Bleder Burg thront auf einem 150 Meter hohen Felsen. (c) Jasmin Kreulitsch Die Bleder Burg thront auf einem 150 Meter hohen Felsen. (c) Jasmin Kreulitsch



Auch wenn der Blick nicht immer klar ist: Die Aussicht von der Bleder Burg ist gigantisch! (c) Jasmin Kreulitsch Auch wenn der Blick nicht immer klar ist: Die Aussicht von der Bleder Burg ist gigantisch! (c) Jasmin Kreulitsch

Der Weg nach unten fällt dann wieder leichter, vor allem wenn man nicht die Treppen nimmt, sondern die Straße, die über den oberen Teil von Bled zurück an die Promenade führt. Dann kann man nämlich in Ruhe zwei Fliegen mit einer Klatsche erledigen: shoppen und ausgehen! Dem Anfang macht das bunte Geschäft „Trešpank“ (Grajska Cesta 4)  mit den kreativsten Produkten in ganz Bled: Hier gibt’s Shirts, Gürtel und Taschen von lokalen Künstlern.

Bunt, lokal und kreativ sind die Produkte aus dem Laden „Trešpank“. (c) Jasmin Kreulitsch Bunt, lokal und kreativ sind die Produkte aus dem Laden „Trešpank“. (c) Jasmin Kreulitsch



Am häufigsten findet man in Bled Souvenirshops. (c) Jasmin Kreulitsch Am häufigsten findet man in Bled Souvenirshops. (c) Jasmin Kreulitsch

Auch spannend sind die Produkte von „Woodway“ (Stari Trg 26), wo man fast nur Produkte findet, die mit Holz zu tun haben. Warum das? Weil 60 % der Gesamtfläche Sloweniens aus Wäldern bestehen und der Shop diese Idee ganz einfach aufgreift. Modetechnisch sieht es sonst ein bisschen mau aus, wobei man im „Bled Shopping Centre“ (Ljubljanska 4) () das ein oder andere Label finden kann. Am häufigsten trifft man aber auf bunte Souvenirshops, in denen man sich vor allem die kulinarischen Kreationen in Form von Wein, handgeschöpfter Schokolade, Olivenöl oder Honig anschauen sollte, zum Beispiel bei „Zakladi Slovenije“ (Cesta Svobode 15).

An der Promenade darf man kostenlos „herzige“ Erinnerungsfotos machen. (c) Jasmin Kreulitsch An der Promenade darf man kostenlos „herzige“ Erinnerungsfotos machen. (c) Jasmin Kreulitsch

Und wohin geht es nun, wenn man Lust auf ein slowenisches Abendessen oder ein kaltes Bier hat? Da ist die Auswahl groß und man lässt sich am besten treiben, spaziert entlang der Promenade und studiert die Speisekarten der vielen Restaurants, die mit unterschiedlichen Gerichten locken. Ein bisschen gediegener, aber direkt am Wasser liegt die „Vila Preseren“ (Veslaška Promenada 14), die nach dem bekanntesten slowenischen Dichter benannt wurde, France Prešeren. Wer’s mehr casual mag, schaut am besten ins „Restaurant Chilli“ (Cesta Svobode 9), wo es neben slowenischer Küche auch mexikanische und italienische Gerichte und sogar ausgezeichnete Burger gibt.

Saftig und mit heimischen Produkten zubereitet: ein Burger aus dem „Restaurant Chilli“. (c) Jasmin Kreulitsch Saftig und mit heimischen Produkten zubereitet: ein Burger aus dem „Restaurant Chilli“. (c) Jasmin Kreulitsch

Generell bekommt man überall kleine Snacks, auch in den Bars, die man nach dem Essen ansteuert: Biertrinker schauen ins „Pub Bled“ (Cesta Svobode 19a), Weinliebhaber in die „Vinothek Zdravljica“ (Cesta Svobode 7). Ein Geheimtipp ist das Restaurant des „Garden Village Bled“ (Cesta Gorenjskega Odreda 16): Auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei läuft hier seit zwei Jahren ein vollständig ökologisch gestalteter Hotelbetrieb im Glamping-Stil ab, das dazugehörige Restaurant ist aber abends offen für jeden Besucher. Besonders toll ist, dass viele Produkte aus dem riesengroßen Garten stammen und frisch auf dem Teller landen.

Das Restaurant im „Garden Village Bled“ ist eine grüne Oase … (c) Jasmin Kreulitsch Das Restaurant im „Garden Village Bled“ ist eine grüne Oase … (c) Jasmin Kreulitsch



… und hat viele leckere Gerichte auf der Karte. (c) Jasmin Kreulitsch … und hat viele leckere Gerichte auf der Karte. (c) Jasmin Kreulitsch

„Man hat Bled nicht richtig erkundet“, so sagen die Einheimischen auch gerne, „solange man keine Kremsnita gegessen hat!“ Denn das essbare Wahrzeichen der Stadt eindeutig die Bleder Cremeschnitte, die weit über die Grenzen Sloweniens bekannt ist und einem tatsächlich auf der Zunge zergeht. Seit dem Jahr 1953 wird die Kremsnita nach demselben, streng geheimen Rezept zubereitet, insgesamt wurden rund 12 Millionen Stück verkauft. Am besten kostet man die süße Versuchung im „Hotel Park“ (Cesta Svobode 15) (), wo die Kremsnita vor über 60 Jahren erfunden wurde. Jeden Tag werden ca. 2.000 Kremsnitas frisch zubereitet und serviert - um € 3,70 pro Stück oder um € 12 (vier Stück) im praktischen Mitnehm-Packerl. Dann kann man sogar ein Stück Bled mit nach Hause nehmen.

BU: Schmeckt einfach fantastisch: die Bleder Cremeschnitte. (c) Jasmin Kreulitsch BU: Schmeckt einfach fantastisch: die Bleder Cremeschnitte. (c) Jasmin Kreulitsch



: Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch auf ihrem Balkon im „Golf Hotel Bled (Cankarjeva cesta 4) (http://www.sava-hotels-resorts.com/de/unterbringung/sava-hoteli-bled/hotel-golf/). Das Doppelzimmer gibt es ab ca. € 100. : Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch auf ihrem Balkon im „Golf Hotel Bled" (Cankarjeva cesta 4). Das Doppelzimmer gibt es ab ca. € 100.

 
 
 
 
 

Jasmin Kreulitsch
Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken.
Weitere Stories

STÄDTETRIPS
Mein Ljubljana
 
LIFESTYLE
Wanda Interview
 
LIFESTYLE
Restaurant-Check: Kunst kommt von Knödel
 
LIFESTYLE
Der Zug des Lebens