01.01.2017

Venedig im Nebel


TRAVEL
Text — Gerhard Liebenberger



„Es ist unglaublich romantisch und stimmungsvoll, wenn die Nebelschwaden durch Venedig ziehen.“ Das erzählen jene, die schon einmal im Winter in der Lagunenstadt waren. Wer Glück hat findet dort diese Stimmung im Jänner. in jedem Fall ist es die ideale Zeit um Venedig anders zu erleben. Wer sich traut lässt sich einfach treiben und erkundet die schmalen Gassen ohne große Vorplanung. Mit dem angenehmen Risiko spannende Ecken abseits der Touristenpfade zu entdecken.

Venedig erlebt man am besten zu Fuß oder vom Wasser aus. In der Altstadt fahren keine Autos, nicht einmal Fahrräder. Die zahlreichen Stufen und Brücken machen ein Vorwärtskommen für Fahrzeuge unmöglich. Am besten bleibt das Auto bei einer Venedig-Reise gleich zu Hause. Der Bahnhof Venezia Santa Lucia ist das Tor in die Lagunenstadt, er grenzt direkt an den Canal Grande. Das ist auch der Endbahnhof des Nightjets (EN 236/237), dem Nachtzug der ÖBB. In diesem Zug ist die Anreise zeitsparend und bequem z.B. aus Wien, Linz, Salzburg, Villach oder München möglich. Bahnreisende Nach dem Frühstück steigen gegen halb neun aus dem Zug und tauchen beim Verlassen des Bahnhofsgebäudes in das besondere Lebensgefühl Venedigs ein.  

Ankunft im Bahnhof Santa Lucia (c) Gerhard Liebenberger Ankunft im Bahnhof Santa Lucia (c) Gerhard Liebenberger

Die salzige Luft der Adria steigt in die Nase und mischt sich mit dem Geruch des Espressos aus dem kleinen Café. Zur Mittagszeit kommt dann noch eine würzige Note von Knoblauch aus mancher Trattoria dazu. Die Vaporettos, so heißen die öffentlichen Boote, warten auf dem Canal Grande direkt vor dem Bahnhof auf Kundschaft. Die breite Wasserstraße zieht sich S-förmig durch die Stadt. Von hier zweigen schmale Kanäle ab die sich oft ein weiteres Mal teilen. Über die schmalen Kanäle führen  unzählige Brücken und Stege, der Canale Grande wird aber nur von vier Brücken überspannt.

Es gibt nichts schöneres als sich in den Gassen von Venedig zu verlieren (c) Gerhard Liebenberger Es gibt nichts Schöneres als sich in den Gassen von Venedig zu verlieren (c) Gerhard Liebenberger

Am Bahnhof queren Besucher die Ponte degli Scalzi („Brücke der Barfüßigen“) und verlieren sich auf der anderen Seite bald in den kleinen Gassen. Es gibt nichts Schöneres, als sich in den kleinen Gassen zu verlaufen und Venedig auf diese Weise zu entdecken. Hoch über den Gassen flattert die Wäsche auch im Winter im Wind. Einige Durchlässe sind so schmal, dass stärker gebaute Menschen kaum durch passen. Manche Calle endet plötzlich an einem Kanal, oft mündet eine Gasse in einen Campo. In Venedig gibt es wohl kaum einen Platz ohne Kirche. Häufig findet sich dort auch ein gemütliches Café für eine Rast um sich wieder zu orientieren und aufzuwärmen.

Hunde sind in Venedig allgegenwärtig (c) Gerhard Liebenberger Hunde sind in Venedig allgegenwärtig (c) Gerhard Liebenberger

Ein Streifzug im Jänner durch Venedig kann von Tag zu Tag sehr unterschiedlich sein. Viele schwärmen von Venedig im Nebel. Von der mystischen Stimmung, wenn die Türme und Kanäle im weißen Schleier verschwinden. Oft zeigt sich Venedig im Winter den Besuchern auch strahlend blau und sonnig. So mancher hofft dann doch auf einen trüben Tag. Etwas Glück braucht man um Venedig im Schnee zu sehen. Alle paar Jahre zeigen sich die berühmten Plätze für wenige Tage ganz in weiß. Im Jänner ist der Bummel durch Venedig besonders entspannt. Es ist nicht drückend heiß und viel weniger Touristen als im Sommer ziehen durch die Gassen. Abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten und Plätze ist man oft alleine. Interessant ist, wie sich die Architektur beim Spaziergang durch die verschiedenen Stadtteile verändert. In Santa Croce reihen sich kleine Häuser aneinander und bestechen oft mit ihrem morbiden Charme. Verputz blättert von den Wänden, die Farben sind verwaschen und wahrscheinlich würde eine umfangreiche Renovierung das einmalige Bild zerstören. Am Campo Santa Margherita preisen Fischhändler lautstark Scampi und Tintenfisch an.

Fischhändler (c) Gerhard Liebenberger Fischhändler am Campo Santo Magherita  (c) Gerhard Liebenberger



Auch alle Transporte werden mit Booten durchgeführt (c) Gerhard Liebenberger Auch alle Transporte werden mit Booten durchgeführt (c) Gerhard Liebenberger

Richtung Westen, in Dorsoduro, wird so manche Lagerhalle anders als früher genützt. Hier befindet sich auch die Universität und viele junge Menschen gehen im schnellen Schritt durch die Straßen.

Maler in Dorsoduro (c) Gerhard Liebenberger Maler in Dorsoduro (c) Gerhard Liebenberger

Die Uferpromenade Fondamenta Zattere  ist von wesentlich größeren Häusern und manchem Palazzo gesäumt. Das Ganze gipfelt dann beim weltbekannten Markusplatz im Stadtteil San Marco. Auch hier ist es im Jänner verhältnismäßig ruhig.

Piazza San Marco fast ohne Touristen (c) Gerhard Liebenberger Piazza San Marco fast ohne Touristen (c) Gerhard Liebenberger



Venezianischer Palazzo (c) Gerhard Liebenberger Venezianischer Palazzo (c) Gerhard Liebenberger

Die Winterruhe bricht hier und am Canal Grande im Februar abrupt ab. Fast drei Wochen vor dem Faschingsdienstag beginnt der berühmte Karneval von Venedig. Fantasievolle Kostüme und bunten Masken mischen sich ins Wintergrau. Am Markusplatz versammeln sich Tausende Faschingsnarren zum Feiern und um den Engelsflug zu sehen. Venedig ist dann bunt und laut. Wer dem Trubel entfliehen möchte entschwindet im Nebelschleier über die nächste Brücke und lässt sich weiter durch die engen Gassen Venedigs treiben.

Vnezianische Masken (c) Gerhard Liebenberger Venezianische Masken (c) Gerhard Liebenberger

 
 
 
 

Gerhard Liebenberger
geb. 1978 in Bruck/Mur, ist Reisender aus Leidenschaft: Meist alleine mit Rucksack und bevorzugt mit der Eisenbahn. Über seine Reisen, die ihn u.a. durch Sibirien, China, Japan und Indien führten, berichtet er in seinem Blog andersreisen. Auf Leinwand begeistert aktuell die Multivisions-Show „Süd Indien – Ein Bahn-Reise-Abenteuer“.
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