01.03.2015

Fliegenfischen in Tirol


ACTIVE
Text — Lea Hajner



Der Bach plätschert vor sich hin, am Uferrand wiegen sich die langen Gräser im Wind. Eine Fliegenrute saust durch die Luft, landet am Wasser und schnalzt wieder nach hinten. Spätestens seitdem Brad Pitt bis zur Hüfte im Wasser gestanden ist und in In der Mitte entspringt ein Fluss mit Fliegen Jagd auf Fische gemacht hat, steht fest: Fliegenfischen ist Sport. Hart und wildromantisch. Vielleicht liegt es aber auch an der alpinen Kulisse, dass mein Herz ein wenig hüpft, als ich Mitte November im eiskalten Bach stehe und nach Fischen Ausschau halte.

Der Märzengrund in einem Seitental des Zillertals ist eins der wenigen Fischreviere, dessen 22 Kilometer langer Bach von der Quelle bis zur Mündung im Ziller noch unverbaut ist. Erst ab Frühling 2015 ist er für Fischer in Begleitung eines Guides freigegeben, ich bekomme eine Vorab-Besichtigung. Mit den ÖBB geht s bis Jenbach in Tirol. Dort steige ich in die Zillertal Bahn um und fahre bis Stumm. Hier holen mich die beiden Guides ab. Ab hier braucht man einen Schlüssel, um die sonst versperrte Forststraße befahren zu können. Der Geländewagen von Paul Ploder, dem Besitzer der Fischereirechte, wackelt auf der schmalen Straße hin und her. In Wathose, mit Fischer-Weste, einem Netz und der Fliegenrute geht es über die Felder hinab zum Bach. Das ist einfacher gesagt als getan, denn die Filzsohlen der Schuhe, die die Füße trocken halten, sind auf der nassen Wiese extrem rutschig. Im Wasser geben sie einem dafür auf nassen Steinen richtig guten Halt.

Der Märzengrund ist ein traumhaftes Tal - (c) Lea Hajner Der Märzengrund ist ein traumhaftes Tal - (c) Lea Hajner

Da steht eine, siehst du sie? , ruft Aurel Hallbrucker, der Guide, mir zu. Ich zwicke die Augen zusammen und kann außer Steinen nur Steine erkennen. Die kleine Fliege am Ende seiner Angel schnalzt durch die Luft und landet zielsicher in dem kleinen Pool vor dem Wasserfall. Einmal, zweimal, zack. Es hat keine drei Minuten gedauert, und der erste Fisch hängt an der Angel. Jetzt geht alles so schnell, dass meine Kamera kaum hinterher kommt. Aurel holt den Fisch ein, begutachtet ihn kurz und setzt ihn zurück ins Wasser. Catch & Release only nennt man das, hier darf man nur schauen. Alle gefangenen Fische werden wieder zurückgesetzt und das Abendessen muss von woanders herkommen. Macht nichts, die Zillertaler sind ja schließlich für ihre exzellenten Zillertaler Krapfen berühmt, und das eine oder andere Haubenrestaurant gibt es hier auch.

Aurel Hallbrucker mit einem der vielen Bisse - (c) Lea Hajner Aurel Hallbrucker mit einem der vielen Bisse - (c) Lea Hajner

Mit der Zeit stellt sich in ein Rhythmus ein, in dem die beiden Fischer den Fluss hinauf gehen und dabei ihre Ruten werfen. Die Sonne geht langsam am Ende des Tals auf und gibt eine willkommene Wärme ab. Obwohl es Spätherbst ist, ist es ein wunderschöner sonniger Tag und die Luft ist klar. Die Vögel zwitschern und der Raureif taut von den Gräsern am Uferrand. Schritt für Schritt tauchen wir tiefer in die Natur ein und auch mein Blick richtet sich immer öfters auf die richtigen Stellen. Hinter großen Steinen, in ruhigen Ecken, unter der Brücke. Hier sind überall Bachforellen zu entdecken. Sind sie erstmals im glasklaren Wasser enttarnt, wird mit der Fliege versucht, sie zu einem Happen zu überreden. Für jeden Bach und jeden Fisch gibt es unterschiedliche Fliegen, die die Fliegenfischer meist selbst aus Pelz- und Federresten wickeln. Rund 600 dieser Fliegen trägt Aurel in drei kleinen Dosen mit sich. Rund 15 davon probiert er am Tag aus, um die Fliege des Tages zu finden: jene Fliege, die die meisten Fische gefangen hat. Es ist ein ständiges Lernen, das nicht nur Präzision beim Werfen, sondern auch beim Wählen der richtigen Fliege und des besten Ortes erfordert.

Fliegenfischen will gelernt sein - (c) Lea Hajner Fliegenfischen will gelernt sein - (c) Lea Hajner

Der Bach ist klarer als viele andere Gewässer und die Fische flüchten, wenn sie Schatten sehen. Dafür erkennt man die Fische auch besser. Selbst im Frühling, wenn andere Gewässer durch die Gletscherschmelze trüb werden, ist der Wildbach immer noch glasklar. Nach einigen Stunden fahren wir weiter ins Tal hinauf und parken unweit der malerischen Kot Alm. Wir steigen über saftige Wiesen hinab zum Fluss, der an dieser Stelle nicht mehr so gut zugänglich ist. Ringsum wächst hohes Gras und die Steine formen kleine Schluchten, durch die sich das Wasser schlängelt. Ab hier wird geklettert. Wie eine Indianerin springe ich von Felsen zu Felsen, pflücke einige Heidelbeeren am Flussufer und stelle fest, dass mich mittlerweile der Ehrgeiz gepackt hat, den Fisch als Erste zu spotten. Fischen ist eben nicht gleich fischen und Langeweile kommt zu meiner Überraschung immer noch keine auf.

Am Uferrand wachsen Heidelbeeren und Preiselbeeren - (c) Lea Hajner Am Uferrand wachsen Heidelbeeren und Preiselbeeren - (c) Lea Hajner

Am frühen Nachmittag brechen wir auf und fahren raus aus dem Tal, um den mittlerweile sehr großen Hunger zu stillen. Ich werfe einen letzten Blick ins Tal mit seinen steilen Seitenhängen und grünen Wäldern. Und in der Mitte entspringt der Fluss. Brad Pitt würde es sicherlich auch gefallen. Alle Infos zum Fischrevier Märzengrund und den Guided Tours: www.wildbachfischen.at
 
 
 
 

Lea Hajner
ist Reisejournalistin. Sie mag schöne Geschichten aus fernen Ländern. Und sie erzählt gerne schöne Geschichten, mal aus der Ferne mal aus der unmittelbaren Umgebung. Es sind  Geschichten vom Reisen, vom Fernweh, von schönen Begegnungen und abenteuerlichen Ausflügen in die Natur.
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