15.01.2017

Lienz - Ski and the city


ACTIVE
Text — Anita Arneitz



Der Winter in Osttirol kann ganz schön kalt sein. Gut so. Dadurch reicht die Piste bis in die Altstadt und deren Liebreiz bringt selbst erfrorene Herzen im Nu wieder zum Schmelzen.

Bei stahlblauem Himmel bringen die Sonnenstrahlen die farbenfrohen Häuserfassaden der Lienzer Altstadt zum Leuchten. Oben vom Hochstein sehen sie aus wie kleine Legosteine mit weißen Häubchen, die sich in das Dreieck zwischen Drau und Isel drängen. Der Blick vom Hausberg der Lienzer reicht an klaren Tagen über das ganze Talbecken. Eine Aussicht, die Skifahrer und Tourengeher begeistert. Selbst wenn Frau Holle mal ein Nickerchen hält, ist dank der Schneekanonen die Piste perfekt präpariert und führt von eisigen Gipfelwelten direkt bis vor die Tore der Stadt. Am Parkplatz brauchen die Skischuhe nur noch gegen die Straßenschuhe getauscht werden und schon kann der Bummel durch die Stadt beginnen.

Mit den Lienzer Bergbahnen geht es hinauf in luftige Höhen(c) © Osttirol Werbung Mit den Lienzer Bergbahnen geht es hinauf in luftige Höhen(c) © Osttirol Werbung



Vom Hochstein geht es mit die Ski bis vor die Tore der Innenstadt. © Anita Arneitz Vom Hochstein geht es mit die Ski bis vor die Tore der Innenstadt. © Anita Arneitz



Der Hauptplatz ist das Herz von Lienz. © Matthias Eichinger Der Hauptplatz ist das Herz von Lienz. © Matthias Eichinger

Angerichtet
Lienz ist eine wahnsinnig gemütliche Stadt. Es braucht bloß wenige Schritte und ein Wirtshaus lockt mit warmer Stube oder ein Café mit süßen Verführungen wie die traditionellen Lienzer Lebzelten ins Innere. Italienisches Dolce Vita und tirolerische Bodenständigkeit verschmelzen am Teller zu einer Einheit. Über Buchenholz geräucherter Speck, Käspressknödel, Biobrot, Olivenöl und Wein: Bauern aus der Region präsentieren ihre Köstlichkeiten immer freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 8.30 bis 12.30 Uhr am Stadtmarkt in der Messinggasse. Die Gasse hat ihrem Namen einem Messingwerk zu verdanken, dass im 18. Jahrhundert das Viertel prägte. Heute ist sie ein feiner Ausgangspunkt für eine Shoppingtour durch die Altstadt.

Lienzer Lebzelter (c) Stadt Lienz Lienzer Lebzelter (c) Stadt Lienz



gemütliches Bummeln in Lienz (c) Anita Arneitz gemütliches Bummeln in Lienz (c) Anita Arneitz

Angesagt

Vorbei bei der Schwarzer Brennerei und dem Schoko-Laden Naschkatze flanieren wir in die Rosengasse hinunter zum Johannesplatz. Muchargasse, Egger Lienz-Platz, Hauptplatz - die Kleidung in den Schaufenstern ist italienisch angehaucht und kommt ohne Schickimicki-Firlefanz aus. Hektik oder Gedränge in den Einkaufsstraßen gibt es nicht. Lienz ist deshalb ein echter Geheimtipp fürs beschauliche Bummeln. Selbst wenn an Sonn- und Feiertagen die Shops geschlossen haben, wird es nicht fad. In den Passagen und Gässchen gibt es viel zu entdecken, wie das Himmelblau. Die Tapas-Bar liegt an der alten Stadtmauer. Abends werden asiatisch, spanische und vor allem osttirolerische Tapas aufgetischt. Eine Feinschmecker-Reise rund um die Welt.

Aussichtsvoll

Die Wurzeln der Stadt reichen bis zu den Römern zurück. Spuren aus dem Mittelalter begegnen wir beim Stadtspaziergang an vielen Ecken. Das Antoniuskirchl aus dem 17. Jahrhundert verzaubert, genauso wie die Liebburg am Hauptplatz. Das Residenzschloss mit den zwei Zwiebeltürmen ist inzwischen das Rathaus der Stadt.

Antoniuskirchl am Ende des Hauptplatzes. © Matthias Eichinger Antoniuskirchl am Ende des Hauptplatzes. © Matthias Eichinger



Die Liebburg (c) Anita Arneitz Die Liebburg (c) Anita Arneitz

Doch so richtig Schwung in die Region brachte die Südbahn Ende des 19. Jahrhunderts. Mit ihr kamen die Sommerfrischler und Wintersportler. Um mehr über Kultur und Geschichte zu erfahren, spazieren wir zum Schloss Bruck. Zu übersehen sind die trutzigen Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert nicht. Das Schloss war bis 1500 das Machtzentrum der Görzer Grafen. Kunstfreunden wird die Daueraustellung über Albin Egger-Lienz gefallen. Weder das eine noch das andere ansprechend? Macht nichts. Selbst dann ist ein Spaziergang hoch zum Schloss zu empfehlen. Erstens ist die Lage auf der Anhöhe erlesen, zweitens lässt es sich dort herrlich durch den winterlichen Wald wandern. Zurück ins Zentrum geht s entlang der Isel mit ihrem sandigen, teils gefrorenen Ufer.

Schloss Bruck (c) Anita Arneitz Schloss Bruck (c) Anita Arneitz



Die Isel (c) Anita Arneitz Die Isel (c) Anita Arneitz

Abtauchen & aufwärmen

Langsam sind die Füße das Laufen leid. Der Körper lechzt nach Entspannung und Wärme. Für sechs Euro können Wasserratten im frisch renovierten Dolomitenbad abtauchen. Eine elegante Alternative ist der Spabereich im Grandhotel Lienz. Das Fünfsternehaus wurde bereits mehrmals als eines der besten Wellnesshotels in Europa ausgezeichnet und öffnet seine Saunatüren auch für Tagesgäste.

DOLOMITENBAD LIENZ (c) Wolfgang C Retter Dolomitenbad Lienz (c) Wolfgang C Retter



DOLOMITENBAD LIENZ (c) Wolfgang C Retter, Dolomitenbad Lienz (c) Wolfgang C Retter

Ausfliegen

Am Nachmittag geht es mit dem Bus zum zugefrorenen Tristachersee. In der Mitte des Sees ist ein kleines Hockeyfeld angelegt. Rundherum sausen Kinder mit der Rodel, während die Vierbeiner Stöckchen vom Eis holen. Das Eislaufen ist ein kostenloses, trubelfreies Vergnügen im Winter. Romantiker lassen die Schlittschuhläufer hinter sich und folgen dem kleinen Bach vorbei an der Maximilianquelle durch den Birkenwald zum Alten See. Über Brücken und Holzstegen führt ein Weg rund ums Biotop, das im Winter besonders mystisch wirkt.

Weg zum Alten See (c) Anita Arneitz Weg zum Alten See (c) Anita Arneitz

Spätestens jetzt grummelt der Magen. Die frostige Luft macht hungrig und Gaumenfreuden in Sichtweite. Im Parkhotel Tristachersee werden außer Kaffee und Kuchen auch die typischen Osttiroler Schlipfkrapfen serviert. Ein kulinarisches Muss und ein genussvolles Ende eines gefüllten Tages.

Schlipfkrapfen (c) Anita Arneitz Schlipfkrapfen (c) Anita Arneitz

Anreise/Mobilität

Der Bahnhof liegt ein paar Schritte vom Hauptplatz entfernt, der Skiverleih direkt an der Piste. Alles ist fußläufig erreichbar. Für Ausflüge in die Umgebung gibt es seit einigen Wochen die RegioBusse . Dank dem Ausbau der k.u.k. Südbahn ist Lienz gut an das Zugnetz (Salzburg, Innsbruck, Villach, Wien, Bozen) angeschlossen.

Bahnhof im Zentrum Lienz (c) TirolWerbung Bahnhof im Zentrum Lienz (c) TirolWerbung

 
 
 
 

Anita Arneitz
lebt als journalistische Schreibnerdine am Wörthersee. Von hier aus erkundet sie den Alpen-Adria-Raum und teilt ihre Insider-tipps gerne mit anderen – bei kreativen Schreibnächten im Zug, in Zeitungen, Zeitschriften oder in Buchform. Zuletzt erschienen sind die Bücher „Kärnten ganz gemütlich“, „Wien mit dem Rad entdecken“ und „Trick 17 Urlaub und Reise“.
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