05.02.2017

Auf Spur: Von der Bahn in die Loipe mit Biathlet Simon Eder


ACTIVE
Text — Edith Danzer



Für ein Treffen mit dem Biathlon-Star Simon Eder in seiner Heimatstadt Saalfelden hole ich meine Langlaufskier aus dem Keller. Die Anreise gehe ich gemütlich an, denn wer will schon völlig außer Puste ein Interview starten. Also ab in den nächsten Zug von Zell am See nach Saalfelden! Auf der kurzen Fahrt zieht vor dem Zugfenster ein kleiner Ausschnitt des perfekten Loipennetzes des Pinzgaus an mir vorüber und meine Vorfreude steigt.

Saalfelden im SalzburgerLand begeistert Wintersportler vor allem durch die Kompetenz im nordischen Sektor. Im Langlaufzentrum Ritzensee finden Anfänger und Kinder das ideale Gelände, um auf Wellenbahnen, Schanzen und leichten Abfahrten das Langlaufen kennenzulernen. 150 Kilometer täglich top gepflegte Loipen für alle Ansprüche und jeden Stil führen bis in die Nachbarorte Maria Alm, Leogang, Maishofen oder in die Biathlon Weltcup-Metropole Hochfilzen.

Vom Bahnhof Saalfelden spaziere ich quer durch die Stadt zum Langlaufzentrum Ritzensee, denn dort treffe ich Biathlet Simon Eder, dem sein Sport fast schon in die Wiege gelegt wurde. Auch sein Vater Alfred war zu seiner Zeit ein Weltklasse-Biathlet und fungiert heute noch als Trainer. So stand Simon Eder bereits mit vier Jahren erstmals auf Langlaufskiern und bestritt schon mit fünf sein allererstes Rennen am Ritzensee. Auf seiner Erfolgsliste stehen unter anderem Junioren-Weltmeister (2002), Gold und Bronze bei der Junioren-EM (2003 und 2004), WM-Silber mit der Staffel, Olympia-Silber und Olympia-Bronze mit der Staffel (2010 und 2014), drei Weltcupsiege und zahlreiche Podiumsplätze in Staffel und Einzel. Als Sportsoldat trainiert der 34-Jährige im Leistungszentrum Hochfilzen und ist so in der wettkampffreien Zeit nahe an seiner eigenen kleinen Familie: Freundin Katrin und dem zweijährigen Töchterchen Marlene.

Biathlet Somin Eder (c) zoom.at, Markus Berger Biathlet Simon Eder (c) www.zoom.at, Markus Berger

Mit Simon Eder in der Loipe

Nach einem herzlichen „Hallo“ steigen wir gemeinsam in die bestens gespurte Loipe ein, und lachend bitte ich um ein gnädiges Tempo, um noch genug Puste für meine Fragen an den Spitzensportler zu haben.

„Ausdauer und Zielgenauigkeit sind die Zutaten deines Sports. Beides erfordert viel Training – wie sieht dein Sommertraining im SalzburgerLand aus?“
„Von Mai bis August trainiere ich in erster Linie die Grundlagenausdauer: Rennradfahren, Bergrollern auf der Großglocknerstraße bis zum Fuschertörl, Bergtouren wie zum Beispiel auf dem Saalachtaler Höhenweg und natürlich auch viel Skirollertraining! Ab September wird das Training spezieller und ich bin meistens nur noch am Skiroller unterwegs.“

Egal ob im klassischen Stil oder mit Skatingschritt, Langlaufen im Salzburger Land macht Spaß (c) LOLIN Egal ob im klassischen Stil oder mit Skatingschritt, Langlaufen im Salzburger Land macht Spaß (c) LOLIN

Du hast seit deinem Einstieg in den Biathlon im Jahr 1995 dein sportliches Ziel nie aus den Augen gelassen – was waren deine persönlichen Höhen und Tiefen?

„Meine drei Siege im Weltcup und die olympischen Staffelmedaillen aber auch meine ersten Weltcuppunkte 2006 in Hochfilzen waren eines meiner schönsten Erlebnisse! Als ich 2004 und 2005 durch ein Übertraining und Burnout fast gar keine Rennen laufen konnte, habe ich nämlich schon sehr an mir gezweifelt.“

Du bist ein sehr schneller Schütze. Beschreibe das Gefühl 5x ins Schwarze getroffen zu haben – was geht dir durch den Kopf?

„Sagen wir so, wenn du ein Rennen fehlerfrei hin bekommst ist es vermutlich ein ähnliches Gefühl, wie wenn man im Fußball ein schönes Tor macht!“

In deinem Sport bist du viele Wochen im Jahr unterwegs und fern von Heimat und Familie. Was bedeutet beides für dich?

„Speziell meine Familie ist eine große Kraftquelle für mich! Vielen Menschen geht es da nicht so gut oder hatten auch nicht so viel Glück, in einem so sicheren und schönen Land auf die Welt zu kommen!“

zauberhafte Winterlandschaft in rund um den Ritzensee in Saalfelden (c) Peter Baumgartner zauberhafte Winterlandschaft in rund um den Ritzensee in Saalfelden (c) Peter Baumgartner

Was kommt, wenn du alle deine sportlichen Ziele erreicht hast?

„Das wird sehr schwierig, die alle noch zu schaffen. Aber sich große Ziele zu stecken ist für mich ein wichtiger Motivationsfaktor. Allerdings musste ich in meiner Karriere auch akzeptieren lernen, dass ich nicht jedes Ziel erreichen kann!“

Auf Skatingschritten durch den Schnee

Mittlerweile haben wir Saalfelden längst hinter uns gelassen und über sanft hügeliges Gelände laufen wir über Gerling in Richtung Maishofen. Die dick mit weißem Raureif behangenen Baume bieten einen fast schon kitschigen Kontrast zum tiefblauen Himmel. Der kalte Schnee unter unseren Langlaufschiern knirscht, während wir kurz schweigend im Skatingschritt dahingleiten. Nachdem ich wieder genug Luft zum Reden habe, stelle ich neugierig meine nächsten Fragen.

Verlierst auch du manchmal das Ziel aus den Augen und was bringt dich dann zurück in die Spur?

„2004, 2005 dachte ich wirklich einmal kurz daran, meine Karriere zu beenden! Allerdings wollte ich nicht, ohne im Vollbesitz meiner Kräfte zu sein, die Segel streichen, und habe mir gedacht, ich sitze das „Burnout“ jetzt einfach aus! Dass ich in dieser Zeit meine Freundin Kati kennengelernt habe, hat mir sicher sehr geholfen!“

Findet man dich auch privat auf den Loipen des Salzburgerlands? Auf welchen?

„Meistens bin ich auf der Loipe am Ritzensee zu finden. Wenn aber genug Schnee ist, nutze ich natürlich das gesamte Loipennetz des Pinzgaus

Der Kirchturm von Maishofen ist bereits zu sehen und wir setzen zu einem kleinen Endspurt an, denn ab hier trennen sich unsere Wege. Ich bedanke mich für das interessante Gespräch und verabschiede mich von Simon Eder, der nun in schnellem Trainingstempo wieder Fahrt in Richtung Saalfelden aufnimmt. Ich lasse die Tour beschaulich ausklingen und skate gemütlich die letzten Kilometer bis nach Zell am See zurück.

Simon Eder in Action (c) Manzoni/NordicFocus. Simon Eder in Action (c) Manzoni/NordicFocus.

 
 
 
 

Edith Danzer
„Hauptsache draußen“ ist das Motto von Edith Danzer aus Zell am See.  Das SalzburgerLand kennt sie wie ihre Westentasche - und trotzdem entdeckt sie bei ihren Streifzügen immer wieder neue, spannende Ecken. Zuhören und Geschichten darüber erzählen ist ihre Mission, und als freie Redakteurin und Fotografin hält sie immer die Augen und Ohren offen für das scheinbar Unscheinbare, das überraschend Neue oder traditionell Alte. 
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