12.03.2017

Beim Wien-Marathon die Stadt erlaufen


ACTIVE
Text — Anton Maurer



Wenn sich am 23. April rund 40.000 Läufer aus 130 Nationen auf die Rennstrecke des Vienna City Marathon begeben, herrscht eine besondere Atmosphäre. Nirgendwo sonst lassen sich Sport und Kultur auf so natürliche Weise miteinander verbinden wie in Wien.

Wien ist anders – und der Wien-Marathon ist es auch! Für das größte Laufspektakel Österreichs wird die Wiener Innenstadt bereits einen Tag vor dem Marathon in den Ausnahmezustand versetzt. Auf den Straßen bewegt sich dann (außer den Läufern, die bereits am Samstag über die 10-Kilometer-Distanz antreten) nichts mehr. Was kein Problem ist, denn die Bundeshauptstadt ist aus allen Himmelsrichtungen hervorragend mit der Eisenbahn erreichbar. Mit den ÖBB gelangt man von allen Landeshauptstädten umsteigefrei zum Wiener Hauptbahnhof. Vom Hauptbahnhof bringt einen die U-Bahn (Linie U1) direkt ins Startgelände des Vienna City Marathon. Die U1 wird am Rennsonntag verstärkt geführt.

(c) VCM - Michael Gruber

Warum der Wien-Marathon unter den österreichischen Marathons die absolute Ausnahmeerscheinung ist? Für mich, der ich im April zum zweiten Mal an den Start gehe, liegt die Antwort auf der Hand: Der Wien-Marathon ist imposanter! Nirgendwo sonst begegnet dem Läufer bei jedem Schritt so viel Geschichte! Bereits der Start auf der Reichsbrücke wird von den Klängen des Donauwalzers untermalt. Die besondere Atmosphäre bei der Überquerung der „schönen blauen Donau“ beflügelt nachweislich: Sogar die internationale Lauf-Elite zeigt sich regelmäßig so beeindruckt, dass sie schneller ins Rennen geht als geplant. Bereits nach wenigen Minuten ist das Riesenrad erreicht. Im Jahr 1897 zum 50-jährigen Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs I. errichtet, ist es eines der bekanntesten Wahrzeichen Wiens. Weiter geht es über die Praterallee und den Donaukanal zur östlichen Hälfte des Rings. Die nächsten sieben Kilometer sind für mich die schönsten des ganzen Rennens: An der weltberühmten Staatsoper geht es vorbei, dann über die Secession zum Naschmarkt, und dann läuft man, ohne müde zu werden, in gerader Linie das Wiental hinaus. Der Wienfluss, der bei Rekawinkel im Wienerwald entspringt, trennt die beiden Wienzeilen voneinander – Altwiener Bürgerhäuser, so weit das Auge reicht!

Rene Vidalli vor dem Wiener Riesenrad (c) VCM Durch den Wiener Prater, vorbei an Wiens Wahrzeichen dem Riesenrad (c) VCM - Rene Vidalli

Spätestens beim Schloss Schönbrunn legen die Halbmarathon-Läufer einen Zahn zu – die ersten 16 Kilometer sind bereits absolviert. Nun geht es wieder stadteinwärts, am Westbahnhof vorbei und Wiens schönste Einkaufsstraße – die Mariahilfer Straße – entlang. Hier beginnt für die Marathonläufer die zweite Hälfte des Rennens. Das Ziel ist für die Läufer aller Bewerbe beim historischen Burgtheater erreicht. Auf den letzten Metern beeindrucken neben den Zuschauermassen vor allem das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum und das Parlament.

Vorbei am Parlament (c) VCM 2016 - Leo Hagen Vorbei am Parlament (c) VCM 2016 - Leo Hagen

Was das historische Ambiente betrifft, ist die Strecke des Wien-Marathons unübertroffen. Aber: Der Wien-Marathon ist auch schneller als andere Laufwettbewerbe! Seit Jahren lassen sich die größten Lauf-Stars der Welt von der besonderen Atmosphäre und dem flachen Streckenprofil anlocken. Mit Bestzeiten von unter 2:06 Stunden bei den Herren und unter 2:24 Stunden bei den Damen ist der Wien-Marathon der fünfzehntschnellste Marathon weltweit. Weltrekordläufer wie Haile Gebrselassie und Paula Radcliffe schaffen es Jahr für Jahr, die Menge in ihren Bann zu ziehen.

Halie Gebrselassie in Wien (c) Anton Maurer Halie Gebrselassie in Wien (c) Anton Maurer

Und: Der Wien-Marathon ist lauter! Nirgends in Österreich ist die Stimmung so gut, nirgends gibt es so viele Zuschauer, die alle Läufer auf jedem Kilometer ermuntern, ihr Bestes zu geben. Bereits an der Mariahilfer Straße stehen die Zuschauer dicht gedrängt, und das letzte Stück der Rennstrecke verwandelt sich am Laufsonntag in eine riesige Partymeile. Schneller als man denkt ist die Zielgerade, die Wiener Ringstraße im Herzen der Stadt, erreicht.  
 
 
 
 

Anton Maurer
Deutschlehrer, Blogger, leidenschaftlicher Zugfahrer und Weltreisender aus Baden bei Wien. Nützt die Bahn auch für mittellange Strecken wie Wien-Wladiwostok.
Weitere Stories

LIFESTYLE
Wanda Interview
 
LIFESTYLE
Wundervolle Winterträume
 
STÄDTETRIPS
Düsseldorf VS. Köln
 
MOBILITÄT
Digitale Reiseplanung