26.03.2017

Besungen, beradelt, berühmt und beliebt Das UNESCO Weltkulturerbe Wachau


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Text — Gudrun Krinzinger



Mariandl-andl-andl, aus dem Wachauerlandl-landl, dein lieber Name klingt schon wie ein liebes Wort! . Es gibt wohl kaum einen Österreicher, der dieses Lied nicht kennt. Sicherlich mögen es manche (oder sogar die meisten) als Kitsch abtun, aber genau dieses Lied aus dem Film Hofrat Geiger trug einen wesentlichen Anteil zur Bekanntheit der Wachau im In- und Ausland bei.

Mittlerweile ist die Wachau nicht nur bekannt, sondern weltberühmt. Das läßt sich auch an der Zahl der Touristen ablesen, die mit einem Wachauticket in der Hand am Franz-Josefs-Bahnhof in Wien am Bahnsteig stehen. Eine asiatische Reisegruppe hat sich eingefunden, alle sind mit Selfiesticks ausgerüstet. Beim Einsteigen in den Zug höre ich italienisches Geplauder und packe mein bestes Schulfranzösisch aus, um einem französischen Ehepaar zu helfen. Sie wollen wissen, wo sich die Wachau genau befindet. Gerne helfe ich ihnen weiter. Als Wachau wird der etwa 30 km langer Abschnitt des Donautals zwischen Melk und Krems bezeichnet. Der Name geht auf eine Urkunde aus dem Jahr 972 zurück. Schon zu dieser Zeit wurde Wein angebaut. Der löß- und sandhaltige Boden und der Austausch der warmen und kalten Luftmassen, erwiesen sich bereits zu Zeiten der Römer als perfekte Basis für einen ausgezeichneten Tropfen.

Wein aus der Wachau (c) Gudrun Krinzinger Wein aus der Wachau (c) Gudrun Krinzinger

Die Gegend ist nicht nur für den exzellenten Wein bekannt, auch die Obstbauern profitieren vom speziellen Klima. Neben Äpfel, Birnen und Zwetschken gilt die Wachau als DAS Marillenanbaugebiet Österreichs. Im Frühling sind die Marillenbäume mit rosa-weißen Blüten übersät und geben ein herrliches Bild ab. Im Juni oder Juli geht es ans Ernten. Am besten schmecken die Marillen natürlich sonnengereift und frisch gepflückt vom Baum, ehe man sich eine Steige kauft, um diese zu Marmelade zu verarbeiten.

Marillenblüte in der Wachau - (c) Donau Niederösterreich / Othmar Bramberger Marillenblüte in der Wachau - (c) Donau Niederösterreich / Othmar Bramberger

Wer nicht selbst Hand anlegen will, kann allerlei Produkte aus der Frucht direkt beim Ostbauern kaufen. Da gibt es neben Frizzante auch Nektar, Schokolade, Chutneys, Liköre und Brände. Gerne darf verkostet werden.

Produkte der Wachau (c) Gudrun Krinzinger Produkte der Wachau (c) Gudrun Krinzinger

Doch neben dem fantastischen Wein, den die Römer schon vor 2000 Jahren in die Region gebracht haben, und der Wachauer Marille, die zur Marillenblüte im März und zur Ernte im Juli tausende Besucher anlockt, gehören auch das Stift Melk, die Kunst- und Kulturstadt Krems und die kleinen, besonderen Ortschaften wie Spitz, Dürnstein und Weißenkirchen zu den Highlights der schönen Wachau. Die Touristen im Zug bekommen heute sozusagen eine Kostprobe der Wachau. Nach ihrer Ankunft in Krems hasten sie zur Schiffstation. Nicht so eilig , möchte ich ihnen am liebsten nachrufen, die Wachau muß man genießen . Ein Schiff der Brandtner Schifffahrt bringt sie nach Melk, wo sie an einer Stiftsführung teilnehmen. Wie eine Trutzburg thront das Benediktinerstift über der Donau. Es kommt nicht von ungefähr, dass der italienische Autor Umberto Eco eine seiner Romanfiguren in dem Buch Der Name der Rose den Namen Adson von Melk gab. Das Stift zählte und zählt immer noch zu den schönsten Klosteranlagen weltweit. Sehenswert sind das Museum, der Marmorsaal und die Kirche, doch die meisten Ah-s und Oh-s der Touristen bekommt die Bibliothek. Über 100.000 Bücher sind hier ausgestellt.

Stift Melk (c) Gudrun Krinzinger Stift Melk (c) Gudrun Krinzinger

Trotzdem, das berühmteste Städtchen in der Wachau mit dem himmelblauen Kirchturm ist sicherlich Dürnstein. Auf einem Felsen thront die Burgruine, wo Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde. Zumindest lautet so die Legende, denn ob der König wirklich in dieser Burg oder in einer Nebenburg im Tal eingekerkert wurde, ist nicht mehr nachweisbar. Auf jeden Fall ist die Burgruine einen Besuch wert, der Blick über das Donautal ist etwas ganz besonderes.

Die Kirche in Dürrnstein (c) Gudrun Krinzinger Die Kirche in Dürrnstein (c) Gudrun Krinzinger

Den Rang um die schönste Wachauer Burgruine teilt sich Dürnstein mit der Burgruine Aggstein, die sich am südlichen Donauufer befindet. Die Burg wurde in liebevoll restauriert. Im Burgkeller ist die Nibelungensage nachgestellt, doch am schönsten ist von hier der Blick auf den umliegenden Dunkelsteiner Wald, die Donau und die Weinberge am gegenüberliegenden Ufer.

Die Burgruine Aggstein (c) Gudrun Krinzinger Die Burgruine Aggstein (c) Gudrun Krinzinger

Die Stadt Krems bildet den östlichen Abschluss der Wachau. Die Fußgängerzone mit den Bürgerhäusern, die markante Piaristenkirche und die stattliche Gozzoburg laden das ganze Jahr über auf einen Besuch ein. Mit der Schaffung der Kunstmeile (Karikaturmuseum, Kunsthalle Krems, Literaturmuseum und Künstlerateliers) bietet man den künstlerisch interessierten Besuchern etwas Besonderes. Momentan wird das Areal umgebaut um die Niederösterreichische Landesgalerie zu integrieren. Dabei hat man bei den Aushubarbeiten eine sensationelle Entdeckung gemacht: eine mittelalterliche Hafenanlage wurde gefunden. Somit ist die Wachau schon wieder um um eine Attraktion reicher.

Der Simandl Brunnen in Krems (c) Gudrun Krinzinger Der Simandl Brunnen in Krems (c) Gudrun Krinzinger

 
 
 
 

Gudrun Krinzinger
Gudrun Krinzinger ist begeisterte Reisebloggerin und seit ihrer Kindheit gerne mit dem Zug unterwegs. Ihre abenteuerlichste Zugfahrt führte sie von Pjöngjang nach Peking, die schnellste von Paris nach Marseille und die unspektakulärste von Wels nach Passau. Seit 2011 schreibt sie auf ihrem Reiseblog reisebloggerin.at nicht nur vom Zugfahren.
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