07.05.2017

Mein liebstes Büro


TRAVEL
Text — Dieter Rappold



Mit dem RailJet in vier Stunden von Wien nach München. Das ist mein liebstes Büro. Manchmal, da wünscht man sich beinahe noch eine halbe Stunde dazu, weil man gerade so im Flow ist.

Die Strecke Wien - München verbindet das Büro einer Digitalagentur, die ich vor 16 Jahren mitgründen durfte mit dem Büro unserer nunmehrigen Muttergesellschaft, der eigentümergeführten Digitalagentur Virtual Identity. Ein guter Grund oftmals diese Strecke zu fahren. Um sich mit den Kollegen am Münchener Standort abzustimmen, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten, um Kunden in München zu besuchen, oder aber um zu unserer alljährlichen Konferenz zum Thema nützliche Werbung zu fahren. In meinem Freundeskreis finden sich einige, die diese Strecke unheimlich gerne mit dem Auto fahren. Mir völlig unverständlich, handelt es sich ja dabei um tote Zeit. Ich kann nichts anderes tun, als konzentriert auf den Verkehr, Auto zu fahren. Ich selbst bin diese Strecke früher oftmals geflogen. Meist, weil ein Termin um 09:30 Uhr in München begann und ich es vermeiden wollte am Abend davor anzureisen. Der "rote Augen Flieger" der scheinbar schneller ist, aber mit Anreise und Abreise zu den jeweiligen Flughäfen und den Wartezeiten in Summe kaum einen Zeitgewinn bringt im Vergleich zu den vier  Stunden im RailJet. Ganz abgesehen davon, dass auch der Flug erhebliche unproduktive Zeit mit sich bringt. Statt dessen entspannt in den Zug einsteigen, in meinem Fall meistens am Bahnhof in Meidling, in der ersten Klasse Platz nehmen, Laptop auspacken, anstecken - WLAN und los gehts. Besonders das in den vergangenen Jahren massiv verbesserte WLAN auf der Weststrecke ist internationale Klasse. Mehr als einmal wurde ich von Kunden und Partnern aus Deutschland darauf angesprochen - jedes Mal pures Erstaunen über diesen erstklassigen Service, noch dazu gratis. Mein Arbeitsalltag ist oftmals von Unterbrechungen geprägt. Hier ein Anruf, da ein Meeting, dort eine Zwischenfrage oder die spontane Bitte eines Kollegen einen Arbeitsstand zu spiegeln. Als von Natur aus neugieriger Mensch greife ich Ablenkungen aller Art dankbar auf. Aber im RailJet bin ich wunderbar ungestört und doch connected.

Am Weg - Blick auf die Landschaft (c) Dieter Rappold Am Weg - Blick auf die Landschaft (c) Dieter Rappold

Dutzende liegen gebliebene Mails in Ruhe aufarbeiten, eine Journalisten Anfrage ausführlich beantworten können, an einer Strategie feilen oder einfach mal die Zeit für Research nützen.

Abfahrt in München (c) Dieter Rappold Abfahrt in München (c) Dieter Rappold

Wenn möglich verbinde ich auf der Hinfahrt oder auf der Rückreise das ganze mit Terminen in Linz oder in Salzburg und freue mich jedes Mal auf die kleinen Freuden des Alltags, wenn dafür Zeit bleibt.   In Linz gelingt das fast immer, denn es gibt keinen Besuch in Linz, ohne eine Einkehr beim Leberkas Pepi. Ja, ich weiß, den gibts jetzt auch in Wien, das ist auch großartig - aber mein Leberkas-Pepi-Erlebnis ist mit Linz verwurzelt und das bleibt auch so. Weshalb es mich in Zukunft öfter nach Linz ziehen wird ist die Tabakfabrik  ein faszinierendes Stadtentwicklungsprojekt um das man Linz in naher Zukunft in ganz Österreich beneiden wird.

Ars Electronica Festival 2010 in der Tabakfabrik Linz (c) Manfred Werner Ars Electronica Festival 2010 in der Tabakfabrik Linz (c) Manfred Werner

In Salzburg warten schon mehrere Geheimtipps je nach Zeitbudget. Wenn es schnell gehen muss, dann ab zum Gasthof Weiserhof  gleich hinterm Bahnhof. Die dort kredenzte Blutwurst, oder Blunzn, eroberte im Jahr 2009 bei der Blutwurst Weltmeisterschaft in der französischen Normandie die Silbermedaille! Völlig zu recht - ich kenne keine bessere!

Panorama des Unterberg (c) Dieter Rappold Panorama des Unterberg (c) Dieter Rappold

Wenn einmal mehr Zeit ist, vielleicht auch für eine Übernachtung, dann am liebsten im Kurhotel Vollererhof  in Puch Urstein. So eine Aussicht auf den Untersberg gibt es kein zweites Mal. Oben am Berg, mit allen Annehmlichkeiten inmitten einer rauen und ursprünglichen alpinen Landschaft. Am Vollererhof muß es immer eine Forelle Müllerin mit Petersilerdäpfel sein. Ein Ort zum Kraft Tanken und zur Ruhe kommen. Wer es bis dort hin schafft, sollte auch noch den Weg zur Erentrudisalm finden. Nicht nur, weil die rund eineinhalb Stunden Wanderung wunderschön sind, sondern weil einen auf der Erentrudisalm ein kellerkalt gezapftes Müllnbräu erwartet, am besten mit Kaspressknödel und Sauerkraut. Entrudisalm (c) Dieter Rappold  
 
 
 
 

Dieter Rappold
ist Unternehmer, Business Angel und Digitaler mit Herz und Seele. Noch während seines Studiums der Handelswissenschaften, nach einem Stipendium im Rahmen eines MBA Programms in Irvine, gründete er gemeinsam mit Freunden die Digitalagentur knallgrau und entwickelte sie zu einer der größten des Landes. Seit vielen Jahren ist er als Vortragender und Dozent an Universitäten und Fachhochschulen engagiert um seine Erfahrungen an StudentInnen weiterzugeben.
Weitere Stories

STÄDTETRIPS
Städteportrait Zürich
 
LIFESTYLE
Ein Wirtshaus wie im Bilderbuch
 
INS GRÜNE
Wunderbar wanderbar
 
MOBILITÄT
Oberösterreich an einem Tag entdecken