14.05.2017

Sommerfrische am Traunsee - nicht nur für Segler!


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Text — Gudrun Krinzinger



Jahr für Jahr hieß es im Sommer: Rucksack packen, wir fahren an den Traunsee! Wobei das nicht ganz stimmte, denn eigentlich verbrachten wir unsere Sommerferien in einer klitzekleinen Alm in der Nähe vom Laudachsee, einem Bergsee zwischen Grünberg und Traunstein.

Den Traunstein, den markantesten Berg am Traunsee mit einer Höhe von 1691 Meter, konnte ich sogar von meinem Heimatort aus bewundern. Manchmal wirkte er zum Greifen nah, obwohl der Berg doch mehr als  40 km Luftlinie entfernt ist. Wenn die Sicht gut war, sagte meine Oma immer, dass dann das Wetter umschlüge. Ich weiß bis heute nicht, was ich davon halten soll. In Ermangelung eines Autos wurde die Strecke Wels-Gmunden mit dem Zug zurückgelegt.  Wir fuhren also von Pichl mit dem Bus nach Wels, von dort aus reisten wir mit der Bahn nach Attnang-Puchheim und stiegen um in einen Regionalzug. Entweder landeten wir am Seebahnhof Gmunden, den es leider nicht mehr gibt, oder am „richtigen“ Bahnhof in Gmunden. Hier wartete schon die Straßenbahn, die uns direkt vor die Tür der Konditorei Grellinger brachte. Mit frischen Cremeschnitten und einer Tasse Kakao starteten wir in die Sommerfrische. Manchmal blieb noch Zeit um die Schwäne zu füttern und ganz selten kann ich mich an eine Fahrt mit einem Tretboot erinnern.

(c) Gudrun Krinzinger (c) Gudrun Krinzinger

Schließlich schulterten wir unseren Rucksack und zogen zu Fuß los. Mein Highlight der Wanderung waren die Straßen- und Gasthausnamen, die ich einfach nur lustig fand. Durchs „Im Gsperr“ ging es über die „Himmelreichstraße“ vorbei am Gasthaus „Franzl im Holz“ und der „Silberfuchsfarm“, bis wir nach endlosen Stunden endlich unser Quartier erreichten. Spätestens nach einer Woche zog es uns in umgekehrter Richtung wieder hinunter an den Traunsee, wir mußten Proviant nachkaufen. Bis ich 16 Jahre alt wurde, verbrachte ich so meine Sommerferien.

Blick über den Traunsee (c) Gudrun Krinzinger Blick über den Traunsee (c) Gudrun Krinzinger

Meine späteren Besuche am Traunsee beschränkten sich auf Ausflüge, meist in Verbindungen mit Hochzeiten im Seeschloss Ort. Das Wahrzeichen vom Salzkammergut beherbergt einen der schönsten Trauungssäle in ganz Österreich. Es kann schon mal passieren, dass Brautpaare ein halbes Jahr oder mehr auf den gewünschten Hochzeitstermin warten. Oder dass  Touristen am Souvenirstand stehen und energisch um eine Zimmerreservierung bitten. Zwischen 1996 und 2004 war das Schloss Drehort der beliebten Fernsehserie „Schlosshotel Orth“, dieser Umstand führt noch immer zur Verwirrung.

Seeschloss Ort (c) Gudrun Krinzinger Seeschloss Ort (c) Gudrun Krinzinger



Innenhof von Schloss Ort (c) Gudrun Krinzinger Innenhof von Schloss Ort (c) Gudrun Krinzinger



Das vielleicht schönste Standesamt Österreichs? (c) Gudrun Krinzinger Das vielleicht schönste Standesamt Österreichs? (c) Gudrun Krinzinger

Neben dem Schloss Ort gibt es noch einige andere Besonderheiten und Berühmtheiten, die Gmunden und der Traunsee zu bieten haben. Da gibt es einmal das Grüngeflammte. Dieses bekannte Dekor der Gmundner Keramik Manufaktur entstand bereits im 17.Jahrhundert und steht in Form von Tassen und Tellern in fast jedem österreichischen Haushalt. Entlang der Esplanade führt sogar ein Keramikweg in die Gmundner Innenstadt. Und weil Gmunden als DIE Keramikstadt gilt, finden sich seit über 20 Jahren Keramiker aus ganz Europa am Hauptplatz ein und präsentieren ihre ausgefallenen Werke.

Keramikstadt Gmunden (c) Gudrun Krinzinger Keramikstadt Gmunden (c) Gudrun Krinzinger



Das grüngeflammte (c) Gudrun Krinzinger Das grüngeflammte (c) Gudrun Krinzinger

Ebenfalls eine Berühmtheit ist die Gisela. Wer sich im Schloss Ort zu spät um einen Hochzeitstermin gekümmert hat, hat vielleicht auf dem historischen Raddampfer eine Chance. Seit 1839 fahren die Schiffe der Traunseeflotte auf dem See, die Flotte zählt insgesamt sechs Schiffe. Den Namen Gisela bekam das Schiff von der Tochter Kaiser Franz Josephs. Hergestellt wurde es in Wien, dann in ihre Einzelteile zerlegt und nach Ebensee am Traunsee transportiert. Dort wurde das Schiff Stück für Stück wieder zusammengebaut. Die erste Probefahrt erfolgte im Jahre 1871.

Gisela aus Gmunden (c= Gudrun Krinzinger Gisela aus Gmunden (c= Gudrun Krinzinger

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich bereits damals Segelboote auf dem Traunsee tummelten. Doch bei weitem nicht so schnittige und schnelle wie heute. Mit über 300 Booten und 700 Seglern aus 20 Nationen ist die Traunsee Woche Europas größte Binnensee Segelsportveranstaltung.

Segeln am Traunsee (c) Gudrun Krinzinger Segeln am Traunsee (c) Gudrun Krinzinger

Shark, Laser, Yngling, Aquila und Tempest? Ich selbst verstehe ja nur Bahnhof, wenn sich Segler über Bootsklassen und deren Vorzüge unterhalten. Aber ein echter Seebär hat mir versichert, dass die Traunsee Woche vom 25.-28.Mai 2017 für jeden Segler ein besonderer Event ist. Er schwärmte von den thermischen Bedingungen des Sees (Oberwind, Niederwind) und der prächtigen Bergkulisse. Zwischen dem Traunstein und dem Erlakogel, der im Volksmund „Schlafende Griechin“ genannt wird, herumzucruisen, sei für jeden Segler ein Erlebnis. Einzigartig sei auch die gute Zusammenarbeit der Segelclubs von Gmunden, Altmünster, Traunkirchen und Ebensee, die diese Veranstaltung zum Höhepunkt des Seglerjahres machen. Neben der Traunsee Woche im Mai  gibt es noch andere Segelevents. Segler aller Boots-, Leistungs- und Altersklassen messen sich im Juni beim GodSpeed (10.Juni 2017) Segelevent und jüngere Semester trainieren schon für die LakeAdventure, wo Kitesurfer, Wakeboarder und Stand-Up-Paddler ihre Meisterschaften austragen. Spätestens dann packe ich meinen Rucksack und reise an den Traunsee.
 
 
 
 

Gudrun Krinzinger
Gudrun Krinzinger ist begeisterte Reisebloggerin und seit ihrer Kindheit gerne mit dem Zug unterwegs. Ihre abenteuerlichste Zugfahrt führte sie von Pjöngjang nach Peking, die schnellste von Paris nach Marseille und die unspektakulärste von Wels nach Passau. Seit 2011 schreibt sie auf ihrem Reiseblog reisebloggerin.at nicht nur vom Zugfahren.
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