11.06.2017

Mit Kind & Kegel und Auto im Nightjet nach Bella Italia


TRAVEL
Text — Lisa Marie Cernusca



Endlich! Wir stehen am Bahnsteig. Das Auto ist verladen und einem erholsamen Urlaub in der Toskana steht nichts mehr im Weg. Zum ersten Mal verreisen wir mit dem Autoreisezug nach Livorno, weil wir unserer 15 Monate alten Tochter Alma die Strapazen einer fast 1.000 km langen Autofahrt ersparen wollen und trotzdem nicht auf Gepäck verzichten wollen. Kinderbuggy, Luftmatratzen, Sandspielzeug, Sonnensegel & Co brauchen ihren Platz.  Und außerdem freuen wir uns über das gute Gefühl der Umwelt im Vergleich zur Autofahrt über 300 kg CO2 erspart zu haben.

Dank Navi haben wir die Autoverladestelle am Wiener Hauptbahnhof ganz schnell gefunden. Und ich bin froh, dass die Idee mit dem Autoreisezug offensichtlich nicht nur schwere Jungs mit ihren noch schwereren Maschinen haben, sondern auch viele Familien mit kleinen Kindern. Ich hatte schon Sorge wir wären die einzige Familie mit Kleinkind und würden die Nachtruhe der anderen möglicherweise stören. Eigentlich hatten wir nur ein Familienabteil im Liegewagen gebucht, aber da für die Rückfahrt mehr Schlaf- als Liegewagenabteile benötigt werden, überrascht uns unser freundlicher Schlafwagenschaffner Giorgio mit einem Upgrade. Was für ein Luxus! Wir haben ein eigenes kleines Bad mit Dusche und Toilette in unserem Abteil. Also machen wir es uns in unserem Abteil gemütlich, öffnen eine Flasche Prosecco und stoßen auf unseren ersten richtigen Familienurlaub zu dritt an. Bereits hinter dem Semmering schaukeln wir in hellblau karierter Bettwäsche unseren Träumen entgegen. Und das typische ta-tack-ta-tack des Zuges hat offensichtlich eine sehr beruhigende Wirkung auf Alma, die bald selig an ihren Papa gekuschelt tief und fest schläft.

Alma wurde von den Bewegungen des Zuges und dem Duft ihrer Kuscheldecke in den Schlaf geschaukelt (c) Lisa Marie Cernusca

Die Morgensonne weckt uns zwischen Bologna und Florenz und schon bald serviert uns Giorgio das Frühstück, das bei dem Anblick der atemberaubenden Landschaft der Toskana gleich doppelt so gut schmeckt. Gegen 9:30 erreichen wir Livorno Centrale.  Beim Abladen der Autos gilt die Devise piano, piano langsam, langsam es dauert, aber wir sind in Italien und endlich im Urlaub angekommen. Und machen uns gleich einmal auf, die Stadt zu erkunden. Livorno ist klein und überschaubar, hat aber einen riesigen Hafen, von dem aus man mit der Fähre nach Korsika in ca. 4 Stunden weiterreisen könnte. Das ist übrigens auch das Ziel der meist älteren Herren, die ihre schweren Motorräder ebenfalls auf unserem Autoreisezug verladen hatten.

Wir genießen im Schatten der Oleander ein zweites Frühstück während wir auf das Abladen der Autos warten (c) Lisa Marie Cernusca

Wir schlendern am Hafen entlang und dann Richtung Innenstadt. Dort entdecken wir zufällig den Mercato Centrale . Hier geht es richtig italienisch zu, die Livorneser ßtreffen sich hier beim täglichen Einkauf Touristen sieht man nur wenige. Die riesige, klassizistische Markthalle begeistert uns mit ihren Eisenkonstruktionen und den riesigen Fensterbögen, vor allem aber mit wunderbarem Obst, Fleisch, frischen Fischen und herrlich duftendem Brot. Alma weiß gar nicht wohin sie zuerst schauen soll. Wir kaufen uns eine frische, noch warme Foccacia und duftende Cornettis mit Vanillecreme und machen uns auf zum Park der Fortezza Nuova. Rund um diese größte Grünanlage auf dem Gelände der ehemaligen Neuen Festung gibt es einen Wassergraben, den Fosso Reale .  Hier machen wir es uns auf einem Spielplatz im Schatten der Pinien auf unserer Picknickdecke gemütlich und genießen unsere frisch erstandenen Spezialitäten.

Schinkenbeine in den wunderschönen Markthallen (c) Lisa Marie Cernusca



unser Picknickpark auf der Neuen Festung (c) Lisa Marie Cernusca

Nach einer kurzen Siesta gönnen wir uns auf der Piazza della Repubblicca unser erstes Gelati. Und Alma benötigt danach im Brunnen fast ein Vollbad und einen ersten Wechsel der Garderobe um wieder halbwegs manierlich auszusehen.

Das erste Eis schmeckt herrlich (c) Lisa Marie Cernusca

Als Basisstation für unseren einwöchigen Aufenthalt in der Toskana haben wir uns für ein Hotel 20 Minuten außerhalb von Livorno entschieden. La Vedetta  ist eine alte toskanische Villa auf einem Hügel im Süden und nur über steile, enge Gassen zu erreichen. Sie liegt inmitten eines Pinienhains und auf der Panoramaterrasse mit einem genialen Blick aufs Meer sitzen wir jeden Abend zu dritt in der Abendsonne und beobachten wie die Sonne die Erde küsst, bevor sie im Meer versinkt. Und zum Frühstück sitzen wir wieder auf der Terrasse und unsere  che piccolina bekommt von Francesco, dem freundlichen Kellner, jeden Morgen ein Meringue geschenkt. Wir sind ja auf Urlaub und machen daher auch Pause von den eigenen Erziehungsgrundsätzen (dazu muss ich demnächst einmal auf meinem Blog itneedslovetogrow etwas schreiben;-)

Der Moment, wenn die Sonne das Meer küsst um kurz darauf zu verschwinden (c) Lisa Marie Cernusca

Wir haben uns für Livorno entschieden, weil es uns als ideale Mischung für Strand, Sport und Bummeln erschienen ist. Matthias kann so schon am Morgen eine Runde im Naturschutzpark rund um unser Hotel laufen gehen. (Das Rennrad musste aus Platzgründen dann doch zu Hause bleiben).  

Die Wanderung im Naturschutzpark am Montenero haben wir sehr genossen (c) Lisa Marie Cernusca

Für Alma entdecken wir bald einen tollen Sandstrand unterhalb der kleinen Stadt Castiglioncello. Die Liegestühle und Sonnenschirme sind zwar wie überall in Italien mit 25/Tag nicht ganz billig, dafür aber ist der Strand sehr sauber und gepflegt.

Die Tage am Strand waren die erholsamsten (c) Lisa Marie Cernusca

Und wir machen viele Ausflüge. Unser Besuch in Florenz verläuft relativ kurz: Die Stadt ist wunderschön, aber leider haben wir übersehen, dass Barack Obama samt Familie zur gleichen Zeit die gleiche Idee hatte. Dadurch ist Florenz mit Amerikanern überfüllt und bei allen Sehenswürdigkeiten gibt es lange Schlangen mit enormen Wartezeiten. Matthias verspricht mir ein Wochenende zu zweit, wenn wir nur möglichst schnell wieder aus dem Trubel rauskommen, daher entfliehen wir auf die Piazzale Michelangelo auf einem der Hügel mit einem wunderbaren Blick auf die Stadt und den Arno.

In Florenz fühlt sich Alma am sichersten in der Trage bei dem ganzen Trubel. Da kann man sich auch herrlich verstecken. (c) Lisa Marie Cernusca

In Pisa darf natürlich ein Selfie vor dem   torre pendente nicht fehlen und auch den duomo besichtigen wir. Nach ein paar Paninis und einem Aperol Sprizz fahren wir an die Marina di Pisa und verbringen den Nachmittag am Strand. Sehr viele Pisaner besitzen dort einen Zweitwohnsitz, unter der Woche ist der Ort mehr oder weniger ausgestorben und damit auch der Strand fast leer.

"La torre pendente" (c) Lisa Marie Cernusca

Unsere Lieblingsstadt wird Lucca. Diese kleine mittelalterliche Stadt ist von einem sehr breiten gemauerten Wall umgeben ist, auf dem uns große Platanen Schatten spenden. Ein Spaziergang um den ganzen Wall dauert ca. 2 Stunden. Da Alma aber inzwischen in ihrem Buggy eingeschlafen ist, entscheiden wir uns durch die Stadt zurück zu bummeln und uns noch mit dem besten Eis der Stadt bei Piero  auf der Piazza San Michele zu belohnen. Aber natürlich wird Alma rechtzeitig munter und nach einigem Geschrei gibt s dann doch wieder eine Kugel Fragola und danach ein frisches T-Shirt.

Der gemauerte Wall um Lucca (c) Lisa Marie  Cernusca



Flanieren im Schatten der Platanen (c) Lisa Marie Cernusca

Auf dem Rückweg nach Livorno machen wir einen Abstecher in die Garfagnaga. Das ist eine herrlich grüne Tallandschaft mit kleinen verträumten Dörfern auf sonnigen Plateaus. Uns begeistert Braga! Von dort geht es dann zurück durch die wild-romantischen Apuanischen Alpen.  Eine grandiose Bergwelt, eingebettet in mediterrane Kultur. Hinter den Stränden der Toskana bieten die Apuanischen Alpen unvergessliche Gipfelerlebnisse. Zum Glück hat das mein Mann nicht vorher entdeckt, sonst hätten auch noch Seile, Karabiner und anderes Kletterzeug Platz im Auto finden müssen. Und übrigens, die weißen Flecken sind keine Schneefelder, sondern herrlich glitzernder Marmor. In den westlichen Apuanischen Alpen, bei Carrara, befindet sich eines der größten Marmorvorkommen der Welt.

Die Apuanischen Alpen (c) Lisa Marie Cernusca

Viel zu schnell ist die Woche vorbei und unser Auto steht schon wieder auf dem Autoreisezug.  Mit viel Sonne im Herzen, Sand in den Haaren, wunderschönen Erinnerungen, ein paar italienischen Köstlichkeiten und einer Flasche Pinot Grigio lassen wir in unserem Nightjet-Abteil einen wunderschönen Familienurlaub ausklingen.    
 
 
 
 

Lisa Marie Cernusca
Lisa Marie Cernusca ist diplomierte Kindergartenpädagogin und leidenschaftliche Mama. Sie lebt mit ihrer kleinen Familie in Niederösterreich. Ihr Blog soll Inspirationsfläche sein für das unkomplizierte Leben, Lieben und Wachsen von Familien – zu Hause und auf Abenteuern im Urlaub.
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