09.07.2017

Klosterneuburg auf zu Kunst und Wein


TRAVEL
Text — Anita Arneitz



Für viele ist Klosterneuburg bloß ein Zwischenstopp auf dem Donauradweg. Schade. Denn von Wien aus lässt sich das Kleinod herrlich entspannt mit dem Rad entdecken und zwar immer wieder. Ohne langweilig zu werden.

Stadtfluchten mit dem Rad machen am meisten Spaß. Schnell den Stadtplan auf dem Gepäckträger klemmen und raus aus dem quirligen Gewusel zwischen den Hochhäusern Wiens. Aufgesattelt wird der Drahtesel zentral auf dem Schwedenplatz. Zum einen ist das der Treffpunkt, zum anderen können hier Spontanradler unkompliziert ein Gefährt ausborgen. E-Biker laden am Franz-Josefs-Kai noch einmal kostenlos den Akku auf, bevor es entlang des Donaukanalradweges stadtauswärts in den Norden geht.

Der Donaukanalradweg (c) Matthias Eichinger

Kunst am Radwegrand Schon zeigen sich die ersten Vorboten der Kunst. Stadtbahnbögen und Pfeiler zieren farbenfrohe Graffitis, während Salztorbrücke, Friedensbrücke und Hundertwasser-Fernheizwerk mit ihrer Architektur um die Aufmerksamkeit buhlen. Doch gegen das frohlockende Rauschen des Wassers kommen sie nicht an. Gemütlich folgen die Räder den Donaukanal und widerstehen der Versuchung auf die Donauinsel abzubiegen. Diese Tour ist beim nächsten Mal dran. Denn nach Klosterneuburg führen viele spannende Radwege.

Street Art bei der Friedensbrücke in Wien (c) Matthias Eichinger



Das Fernwärmewerk in Spittelau gestaltet von Friedensreich Hundertwasser (c) Matthias Eichinger

Szenenwechsel Auf Höhe der Schemerlbrücke recken zwei Löwen ihre Köpfe in den Himmel. Die Großstadt zieht sich zurück und weicht der sanften Landschaft des Weines. Seit Jahrhunderten wird vor den Toren Wiens Wein angebaut. Der gemischte Satz , eine Weinspezialität aus bis zu 20 verschiedenen Rebsorten, gibt es nur hier. Hinweisschilder auf die Heurigen nehmen zu, während der Donaukanalradweg unauffällig in den Donauradweg übergeht. Immer mehr Radler begegnen einem. Nicht verwunderlich. Schließlich ist der Donauradweg von Passau nach Wien die meistbefahrene Radroute Europas. Um die 350.000 Radler sind darauf pro Jahr unterwegs. Für die meisten ist Klosterneuburg ein netter Zwischenstopp, manche bleiben so kurz vorm Ziel gar nicht stehen. Selbst Schuld. Sie verpassen einiges.

Die Schemerlbrücke, von den meisten liebevoll die Löwenbrücke genannt (c) Anita Arneitz

Urlaubsstimmung am Wasser Auf der Route liegen herrliche Aussichtspunkte, Rastplätze am Wasser und idyllische Fotomotive. Einer davon ist der Kuchelauer Hafen. Der älteste Hafen Wiens beherbergte den Jachthafen und Österreichs einzige Marinekaserne. Lange Zeit diente der verschlafene Ort als Vor- und Wartehafen für die Schleuse. Heute tuckert mit ein bisschen Glück zwischendurch ein historisches Donauschiff an den Wassersportlern und Hobbykapitänen vorbei. Radler können hier eine Pause einlegen, Eis schlemmen oder Steckerlfische vom Holzofengrill probieren. Spätestens jetzt stellt sich ein mediterranes Urlaubsgefühl ein.

Der Kuchelauer Hafen mit der Wiener Skyline im Hintergrund (c) Matthias Eichinger

Pause zwischen Reben Der nächste Stopp ist nicht weit entfernt das Kahlenbergerdorf am Fuß von Leopoldsberg und Nussberg. Mit den steilen und engen Gässchen, den terrassierten Häuserzeilen und den romantisch verwilderten Weinkellern ist ein Spaziergang durch das kleine Dorf wie eine Reise in die Vergangenheit. Alles ist ruhig und beschaulich. Die Uhr scheint hier ein wenig langsamer zu ticken als in der Stadt. Wer Proviant mithat, kann den Weinrundwanderweg folgen und im Schatten der Weinreben den Ausblick genießen.

Am Fuße des Kahlenbergs, das Kahlenbergerdorf (c) Matthias Eichinger

Apropos Ausblick Von Wien bis nach Klosterneuburg sind es nicht einmal 20 Kilometer. Ein kleiner Schlenker geht sich da gut aus. Die Mountainbiker nehmen den steilen Waldtrail, Genussradler und E-Biker strampeln am Asphalt hinauf auf den Kahlenberg. Zugegeben, dabei kommt man ordentlich ins Schwitzen, aber das Panorama ist all die Anstrengung wert. Wem dieser Abstecher in luftige Höhen nicht reizt, bleibt am Ufer der Donau und folgt den Schildern bis nach Klosterneuburg.

Ausblick vom Kahlenberg (c) Matthias Eichinger

Schleiersuche im Stift Klosterneuburg Im Sommer können Wasserraten im 28 Hektar großen Strandbad in Klosterneuburg abtauchen. Besonders schön ist, dass das Bad direkt mit dem naturbelassenen Donau-Altarm und dem Sandstrand verbunden ist. Nostalgiker besuchen das Strombad Kritzendorf. Kulturinteressierte radeln direkt zum Stift und werden dort von einem blühenden Meer von Blumen empfangen. Auf einem Hollerstrauch im Garten soll einst der Babenberger Marktgraf Leopold III. den Hochzeitsschleier seiner Frau Agnes nach neun Jahre Suche endlich gefunden haben. Als Dank dafür baute der das Augustiner-Chorherrenstift. So erzählt es zumindest die Legende. Übrigens, der sagenumwobene Schleier ist in der Schatzkammer ausgestellt. Das Stift hat 900 Jahre bewegte Geschichte hinter sich und weiß es, diese spannend für seine Besucher aufzubereiten.

Stift Klosterneuburg (c) Anita Arneitz



Marmorsaal im Kaisertrakt des Stiftes (c) Stift Klosterneuburg

Treffpunkt Weinkeller Der Weinkeller des Stiftes wurde 1114 gegründet und ist damit der Älteste des Landes. Eine Führung durch den barocken Weinkeller gibt es täglich um 15 Uhr. Junge, zeitgenössische Künstler stellen in den alten Gemäuern regelmäßig aus. Zu sehen und erleben gibt es also genug. Auf der Aussichtsterrasse wird Gulaschsuppe oder hausgemachter Kuchen für die hungrigen Mägen serviert. Ein Blick auf die Uhr. Die Stunden scheinen im Nu verflogen zu sein. Doch Stress kommt keiner auf. Zurück nach Wien geht s nämlich bequem mit dem Zug. Von Mai bis 26. Oktober pendelt der sogenannte Radtramper von Klosterneuburg-Kierling in Richtung Wien oder Passau.

Weinverkostung im Weinkeller des Stiftes (c) Matthias Eichinger



Galerie der Moderne (c) Stift Klosterneuburg

 
 
 
 

Anita Arneitz
lebt als journalistische Schreibnerdine am Wörthersee. Von hier aus erkundet sie den Alpen-Adria-Raum und teilt ihre Insider-tipps gerne mit anderen – bei kreativen Schreibnächten im Zug, in Zeitungen, Zeitschriften oder in Buchform. Zuletzt erschienen sind die Bücher „Kärnten ganz gemütlich“, „Wien mit dem Rad entdecken“ und „Trick 17 Urlaub und Reise“.
Weitere Stories

MOBILITÄT
Das Bike aus Holz
 
INS GRÜNE
Österreichs schönste Badeseen
 
INS GRÜNE
Wunderbar wanderbar
 
LIFESTYLE
Kulturherbst in Österreich