06.08.2017

Meran eine Stadt voll dezentem Design


TRAVEL
Text — Ulrike Schöflinger



Die Südtiroler Kurstadt Meran feiert ihren siebenhundertsten Geburtstag. Herzliche Gratulation! In der zweitgrößten Stadt des Trentino treffen alt und neu, Geschichte und Moderne so unvermittelt aufeinander, dass es die Besucher als völlig selbstverständlich empfinden, dass neben einer uralten Villa plötzlich ein hochmodernes Gebäude entsteht. Design, durchgeplante Gartenanlagen, Lichtkonzepte, Aussichtsplattformen aus Stahl und Glas – Meran verbindet scheinbare Spannungsfelder zu einer optischen Harmonie. Das vermittelt ein wunderbares Lebensgefühl zwischen  Tiroler Bodenständigkeit und unterschwelliger Italionata.

Altes und neues Wohndesign harmonieren (c) Ulrike Schöflinger

Matteo Thun, Architekt und Designer, hat einen großen Beitrag dazu geleistet, Meran zu einer Stadt der modernen Architektur zu machen. Wir starten deshalb unseren Spaziergang am Ufer der Passer, um die Therme zu besichtigen. Wir wollten verstehen, was Matteo Thun mit Meran verbindet. „Ich bin in der Natur dieses Landes aufgewachsen und sie hat mich geprägt. Natürlich habe ich eine besondere Beziehung zu Südtirol und damit auch zu Meran“, erzählt der gebürtige Südtiroler. Die Frage, warum die Therme und das angeschlossene Hotel für die Stadt so wichtig seien, beantwortet er so: „Die Therme Meran, das Hotel Therme Meran und der großzügige Platz dazwischen haben einen Teil der Stadt neu gebildet – Meran hat seitdem eine Piazza.“ Die Natur generiere die Qualität und nicht der Mensch – der  kann sie aber nutzen. Der große Platz zwischen Therme und Hotel fungiert als Flanier-Hotspot oder als Treffpunkt. Die direkt daneben am Passer-Ufer angelegten stufenartigen Sitzgelegenheiten verstärken das Piazza-Gefühl. Dort trifft man sich auf ein Eis, zum mitgebrachten Snack oder einfach zum Rumlümmeln.

Matteo Thun hat das Stadtbild von Meran geprägt (c) Nacho Alegre



Design trifft Gesundheit in der Therme Meran von Matteo Thun (c) Ulrike Schöflinger

Wer sich von der vielfältigen Schönheit Merans überzeugen möchte, ist eingeladen, die 8450 Quadratmeter große Kurpromenade von der Theaterbrücke bis zur Postbrücke entlang zu flanieren. Wunderschöne Blumenarrangements und Pflanzenskulpturen wechseln sich mit modernen Brunnendesigns oder einer, auf die Passer hinausragenden Aussichtsplattform ab. Nach der Postbrücke flussaufwärts beginnen die Winterpromenade mit der Jugendstil-Wandelhalle sowie die Sommerpromenade. Hier kommen einem sowohl elegante, in italienische Fashiondesigns gekleidete Herrschaften, als auch Menschen in urigen Lederhosen oder flotten Dirndln entgegen. Das Sisi-Denkmal am Beginn der Winterpromenade erinnert daran, dass die Kaiserin sich viel und gerne an der guten Luft aufhielt. Weiter geht’s über die Gilfpromenade und den Tappeinerweg wieder Richtung Stadt.

Jugendstilarchitektur auf der Promenade (c) Ulrike Schöflinger

Der Turm des spätgotischen Duomo di S. Nicolo mit seinen zwei alten Uhren ragt wie ein Stachel in den blauen Himmel. Die Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt. Während man bei Claudia in ihrer gleichnamigen Enoteca am Domplatz genüsslich einen Cappuccino schlürft, kann man von sprudelndem Italienisch begleitetes Gestikulieren beobachten, aber auch Südtiroler Dialekt mit seinem harten „ck“ belauschen. Dahinter wacht das ehrwürdige Gemäuer über den Platz. Gestärkt von Kaffee, Wein und einer zünftigen Südtiroler Jause ist man bestens gerüstet für eine Einkaufstour durch die kühlen Laubengänge. Am Marktplatz werden Nudeln in allen erdenklichen Farben und Formen feilgeboten. Morcheln und Olivenölspezialitäten, Vinschgerln (das krosse, für die Region typische Fladenbrot), Schinken- und Wurstspezialitäten. Und Wein, natürlich, Südtiroler Wein! Weinkenner behaupten, der Pinot noir könne mit dem Grand Cru aus dem Burgund leicht mithalten.

Das Wahrzeichen von Meran: die St. Nikolaus Stadtpfarrkirche (c) Ulrike Schöflinger



Claudia bringt’s persönlich am Domplatz (c) Ulrike Schöflinger

Wer sich von all dem selbst überzeugen möchte, geht am Besten zum Feinkostgeschäft G. Siebenförcher, Lauben 164, kauft sich aus dem Fleisch, Wurst und Käsedelikatessen-Sortiment ein schönes Picknick-Paket und rundet den Einkauf mit einer Flasche guten Weines ab. Von dort ist es ein Katzensprung zur entzückenden Panorama-Sesselbahn. Mit dem 1er-Sessellift überwindet man in ein paar Minuten 430 Meter (ca. 180 Höhenmeter). Oben auf dem Küchelberg bezaubert der traumhafte Ausblick auf Meran und das Bergpanorama. Der atemberaubend schöne Rundblick bildet die perfekte Kulisse für ein unvergessliches Picknick. Gleichzeitig ist die Küchelberg-Bergstation der Ausgangspunkt für Wanderungen nach Dorf Tirol und den anschließenden Naturpark Texelgruppe. Dieser größte Regionalpark Südtirols befindet sich zur Gänze in den Ötztaler Alpen und bietet die herrlichsten Wanderrouten.  

Traumhafte Aussicht auf Meran und die Berge (c) Ulrike Schöflinger

Wer in der Seilbahn Höhenangst hat, kann auf einem Wanderweg durch Weinranken in die Stadt zurück spazieren. Und weil man sich mit einem kleinen Eis belohnen sollte, kehrt man am besten in der Gelateria Coppa Cabana (Mainhardstraße 118) ein. Die Eisdiele ist zwar ein bisschen bunt geraten, aber Signora e Signor di Brucculerie machen seit Jahrzehnten göttliches Eis – und das schmeckt man. Ist man schon auf der Via Mainardo, so lohnt sich ein Besuch im Frauen-Museum (Hausnummer 2). Dort zeigt eine Ausstellung Kleider und Modetrends, mit Accessoires und Alltagsgegenständen. In einer Sonderausstellung ist das Leben und Wirken von Pionierinnen der Berg- und Bergsteigerwelt zu sehen. Prädikat: Absolut sehenswert!  
 
 
 
 

Ulrike Schöflinger
Frei nach der Devise - lebe lieber umtriebig – macht sich die Journalistin Ulrike Schöflinger auf den Weg, Neues zu entdecken. Neugier und Begeisterung begleiten sie. Ganz einerlei, ob sie Plätze schon kennt oder sich auf unbekanntes Terrain begibt. Die Welt ist voller Schätze und Überraschungen, man muss sie nur finden.
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