10.08.2017

1000 Moments: Venedig


TRAVEL
Text — Marie Amentisch



Venedig. Um kaum eine andere Stadt ranken sich so viele Geheimnisse und Geschichten wie um die malerische Insel, die eines Tages im Meer versinken soll. Wir entführen euch auf einen Stadtspaziergang durch Venedig und zeigen euch die italienische Perle aus einer etwas weniger touristischen Perspektive.

 

An das Szenario des überfüllten Markusplatzes und der Rialtobrücke, über die man in einem Meer aus Touristen dicht gedrängt über den Canale Grande geschoben wird, denken wohl viele, wenn die Sprache von Venedig ist. Doch viel zu oft wird Venedig mit einem überfüllten Touristenmekka assoziiert: Man muss nur wissen, welche Orte aufzusuchen und welche Wege zu meiden sind, um einen authentischeren Einblick in diese wunderbare Lagunenstadt zu erhalten. Auch Jahres- und Uhrzeiten spielen bei einem Venedigbesuch eine wichtige Rolle.

Unsere Interviewpartnerin Elisabetta, die seit ihrer Kindheit in Venedig lebt, dort studierte und nun in einer Bar arbeitet, präsentiert Tipps, die eurem Venedig-Aufenthalt neue Anreize verleihen können. Wir nehmen euch mit auf einem Stadtspaziergang durch Venedig; es geht hoch über die Dächer, hin zum besten Eis und dem wohl hippsten Café der Stadt. Oberstes Credo: Den bekanntesten Plätzen und Sehenswürdigkeiten einmal den Rücken zukehren, sich treiben lassen und Venedig zu Fuß erkunden. Und das am besten frühmorgens oder bei Nacht.

Hinkommen

Venedig ist rund ums Jahr eine Reise wert und besonders in der Vor- bzw. Nachsaison zeigt sich die Lagunenstadt in einem ganz anderen, authentischeren Licht.

Die ÖBB bringen euch tagsüber mit dem Eurocity direkt vom Wiener Hauptbahnhof nach Venedig sowie zweimal täglich mit Railjet und Intercitybus mit Umsteigen in Villach Hbf. Außerdem gibt es die Möglichkeit ab Wien Hbf in der Nacht mit dem ÖBB Nightjet zu fahren, dann kommt man bereits in den Genuss, der Sonne beim Aufgehen über der Laguna zuzusehen. Sparschiene-Tickets für den Sitzwagen in der 2. Klasse gibt’s bereits ab 29 Euro.

Pizza, Pasta, Dolce Vita!

Die goldene Venedig-Regel lautet: Je weiter man den Markusplatz hinter sich zurücklässt, desto billiger wird’s, denn man kann von einer Reihe echt preiswerter To Go-Optionen profitieren und diese am besten mit Blick auf die Gondeln am Canale Grande genießen.

Da die Italiener nicht wirkliche Fans der Frühstückskultur sind, jedoch dafür schon am späten Vormittag bei „Sprizz“ und Oliven sitzen, gestaltet sich die Suche nach einem richtigen Frühstückslokal im österreichischen Sinne ziemlich schwierig.

Da aber der Reiz in anderen Ländern vielmehr darin liegt, auch andere Sitten und Kulturen zu probieren, rät Elisabetta dazu, eines der zahlreichen Caffès zu besuchen. Caffè und Brioche (also „Croissants“) gibt’s an der Bar meist für jeweils 1€ und eine gehörige Portion italienischen Charme erhält man gratis dazu. Zwei Favoriten unserer Interviewpartnerin sind Torrefazione Cannaregio (tolles Ambiente + eigene Kaffeerösterei) und das Caffè del Doge (Calle dei Cinque, San Polo, 609), etwas versteckt unmittelbar bei der Rialtobrücke.

Ein Restaurant, das in Venedig für wahre Begeisterungsstürme sorgt, ist Pasta & Sugo. Die Nudeln werden vor Ort in der eigenen Manufaktur hergestellt und die passenden Saucen dazu frisch gekocht. Serviert wird die Pasta in recyclebaren Kartons. Authentische, italienische Küche zum Mitnehmen zu fairen Preisen: Pasta + Getränk gibt’s beispielsweise für 7€, wer ein Dessert dazu möchte, der zahlt 10€. (Dorsoduro, 2839)

Wenn ihr in den Genuss wirklich guter Pizza kommen möchtet, seid ihr im Stadtteil San Tomà mit dem Ristorante & Pizza Murovenezia gut beraten. Stylisches Ambiente und beste italienische Küche treffen hier aufeinander und Touristen wie Einheimische kehren hier gleichermaßen ein.

Aber auch Humus, Pita-Brot und Co haben es mittlerweile nach Venedig geschafft, obwohl es hier meist einige Zeit länger dauert, bis sich neue Trends etablieren, wie uns die 25-Jährige Elisabetta schmunzelnd erklärt. Mit dem Frary’s (Fondamenta Frari, 2558) findet man ein romantisches Lokal, das mit vielen – großteils vegetarischen – Spezialitäten der orientalischen Küche verwöhnt.

Vegan meze plate at Frary's. I could eat here forever. #yummers #vegan #instafood

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Das beste Eis in Venedig gibt’s laut Elisabetta in der Nähe der Rialtobrücke bei SuSound bei der La Boutique del Gelato (Salizzada San Lio, 5727, 30100 Castello). Während erstere Eisdiele auf eine große Auswahl setzt, begeistert die Zweite mit langjähriger Tradition und besonders cremigen Eissorten, verrät uns die Einheimische.

Gelato al cioccolato💕🍦🍨

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Venedig von oben!

Wenn man schon einmal in der Stadt ist, sollte man es sich nicht entgehen lassen, Venedig einmal aus der Vogelperspektive zu betrachten. Wer jedoch nicht die bis zu 15€ für den Aufstieg auf den Campanile di San Marco zahlen und das lange Anstellen vermeiden möchte, dem sei ein Besuch im Kaufhaus Fondaco dei Tedeschi zu empfehlen.

Das Sortiment ist ein sehr breites und reicht von Taschen, Schuhen, Kleidung bis hin zu Kosmetik. Über die roten Rolltreppen gelangt man in der obersten Etage auf eine kleine Terrasse, die mit einem wunderbaren Blick auf Venedig besticht. Und das vollkommen gratis!

Kunst und Kultur

Selbst wenn viele Touristen tagtäglich ihren Weg zum Peggy Guggenheim-Museumfinden, so sollte man sich einen Abstecher dorthin wirklich nicht entgehen lassen. Neben der Sammlung weltberühmter Malereien aus den unterschiedlichsten Epochen, begeistert vor allem die architektonische Anlage und der verträumte Garten. Gemeinsam mit dem kürzlich umgestalteten Museumscafé trifft man dort auf eine inspirierende Location, die nicht nur allen kunstaffinen Besuchern zu empfehlen ist.

Mit dem nur wenige Meter entfernten Punta della Dogana, im ehemaligen Zollhauses der Republik Venedig, wäre ein weiteres Kunstmuseum gefunden, das vor allem wegen seiner zeitgenössischen Ausstellungen sehr beliebt ist.

Venedig bei Nacht

Nach einem abenteuerlichen Tag, entpuppt sich besonders der Stadtteil San Tomà abends als hipper Treffpunkt für Jung und Alt. Mit der Bar Il Mercante findet man eine wahre Oase für alle Cocktailliebhaber. Während man hier untertags im Caffè dei Frei einkehrt, verwandelt sich die doppelstöckige Location nachts zu einer exklusiven Bar mit Jazz-Musik, französischem Chanson und unzähligen funkelnden Glühbirnen, die von der Decke baumeln. Das Lokal widmet sich mit seinem Konzept dem venezianischen Entdecker Marco Polo – die Cocktails und Snacks stehen daher ganz in seinem Zeichen und halten sich thematisch an die einzelnen Stationen seiner Route.

Elisabetta empfiehlt es jedem, Venedig auch einmal bei Dunkelheit zu erkunden, auch wenn es hier zu späterer Stunde oftmals etwas gruselig wird und man in den kleinen, verwinkelten Gassen leichter die Orientierung verlieren kann. Zu keiner anderen Zeit zeigt sich Venedig jedoch von seiner so authentischen Seite und der Mix aus bittersüßer Melancholie und Geschichtsträchtigkeit liegt greifbar in der Luft.

Je später es wird, desto menschenleerer werden auch die Hotspots rund um den Markusplatz und die Rialtobrücke. Mit einer Flasche Vino Rosso lässt es sich hier im Sommer am Ufer des Canale Grandes wunderbar verweilen. Wer danach Lust auf etwas Party hat, findet dafür einen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Ort: der Venice Jazz Club gilt als wahre Institution für alle Nachtschwärmer.

Märkte

Für den nächsten Morgen empfiehlt sich ein Marktbesuch, ein Ausflug, der bei einer Venedigreise nicht fehlen darf. Während die meisten wohl den Mercato di Rialto ansteuern, legt uns Elisabetta einen Besuch bei den schwimmenden Marktbooten, die besonders in den Stadtteilen San Polo und Cannaregio anzutreffen sind, nahe.

Samstags sollte man sich dennoch auf den Weg zum Rialtomarkt machen, denn dort ist das Einkaufen am Wochenende venezianische Tradition. Einheimische und Touristen kommen hier gleichermaßen zusammen, um frischen Fisch, Gemüse, Obst und regionale Köstlichkeiten einzukaufen. Einmal mehr gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm! Anschließend dürfen die Cichetti (venezianische Tapas) in einem der umliegenden Caffès natürlich nicht fehlen.

Lieblingsplätze

Abschließend machen wir uns bei Elisabetta noch nach ihren Lieblingsplätzen schlau. An freien Tagen kehrt sie der Insel meist den Rücken zu, lässt beim Spazieren gehen am Lido den Blick in die Ferne schweifen und genießt die Ruhe des Meeres. Weil sie das Laufen liebt, verbringt sie auch immer wieder viel Zeit bei den Giardini della Biennale, wo es sich hervorragend laufen lässt und die mit ihrer Weitläufigkeit Abwechslung zu den verwinkelten Gassen bieten.

Besonders gern verbringt die Venezianerien ihre freien Nachmittage auch im Gebiet rund um die Santa Maria della Salute und dem dazugehörigen Fondamenta, wo ein einzigartiger Blick auf den Canale Grande belohnt.

„Auch wenn ich im Sommer die Touristen manchmal verfluche, so möchte ich niemals wo anders leben, ich liebe die Stadt und mein Herz gehört ihr, bis sie vielleicht irgendwann im Meer versinken wird „, schmunzelt die 25-Jährige abschließend.

Gusto auf Italien bekommen? Noch mehr Reisestorys findest du unter railaxed.at.

Zu weiteren Städteportraits geht’s hier entlang.

*gesponserter Artikel von ÖBB

(c) Fotos / 1000things.at / Marie Amenitsch

 

 

 
 
 
 
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