03.10.2017

Pilsner Bier in Handarbeit


TRAVEL
Text — Gerhard Liebenberger



Kleine Brauereien boomen in Tschechien. Craftbeer-Brauereien experimentieren mit neuen Geschmacksrichtungen und lassen den Gast beim Bierbrauen auch zusehen. Das Bier hebt in den angesagten Mikro-Brauereien die Stimmung und pflegt im Bierbad den Körper auch von außen.

Metternich schäumt im 1.000-Liter-Edelstahl-Bottich. Das Gebräu braucht noch etwas Zeit. Es muss noch einige Tage gären, bis es als tschechisches Pilsner Bier an der Theke ausgeschenkt wird. Die kleine Brauerei Kní ecí Pivovar in Plasy stellt Bier in kleinen Mengen in Handarbeit her. Hauptsächlich wird es im Wirtshaus, in dem sich die Brauerei befindet, ausgeschenkt. Schon beim Eingang steigt den Gästen der süßliche Geruch des Malzes in die Nase. In den beiden Sudpfannen direkt neben der Bar wird täglich gebraut. Während die Gäste das ungefilterte Bier zu Ente mit Rotkraut und Knödel genießen, trennt der Braumeister nach dem ersten Kochvorgang die Bierwürze vom Malz. Craftbeer wird dieses Bier genannt, das in Handarbeit und nicht industriell hergestellt wird.

Metternich muss noch ein paar Tage schäumen (c) Gerhard Liebenberger

Solche Mini-Brauereien boomen in Tschechien. Über 370 Kleinbrauereien stellen Craftbeer her, Tendenz stark steigend. Helles Bier oder das Metternich -Bier fließt bei Kní ecí Pivovar das ganze Jahr über aus der Schank. Der ehemalige österreichische Außenminister ist Namensgeber für das Bier. Der Familiensitz und die Familiengruft der Metternichs liegen nur wenige Meter von der Brauerei entfernt. Der Hopfen und das Getreide für Braumalz kommen direkt aus der Region. Ende August ist die Erntezeit für Hopfen. Früher wurden die Hopfendolden per Hand von den über acht Meter hohen Ranken gepflückt. An dieser schweren Arbeit beteiligten sich über 80.000 Saisonarbeiter rund um atec. Auch Schüler und Studenten pflückten den Hopfen in Viertel-Eimer . Konnten sie das Tages-Soll nicht erfüllen, mussten sie für Kost und Unterkunft bezahlen. Heute erledigen Hopfenpflückmaschinen die schwere Arbeit. International schätzen Bierbrauer den Saazer Hopfen aus atec. Nach der Ernte wird der Hopfen sofort getrocknet und an Brauereien geliefert. Der Saazer Hopfen ist allerdings nicht für alle Biere geeignet. Für IPAs (India Pale Ales) wird z.B. Hopfen aus den USA verwendet.

Hopfenmuseum Zatec (c) Gerhard Liebenberger



Eine Hopfenplueckmaschine erleichtert die Ernte (c) Gerhard Liebenberger

  Die Braumeister der Mikro-Brauereien experimentieren gerne und brauen übers Jahr verschiedene Biere. Pfefferminz, rauchige Aromen oder auch der klassische Weihnachtsbock stehen dann auf der Karte zur Auswahl. Mit 2.200 Hektolitern Bier pro Jahr zählt die Craftbeer-Brauerei Kní ecí Pivovar in Plasy zu den kleineren Brauereien des Landes. Im Vergleich: Die Pilsner Urquell Brauerei in Pilsen braut allein an einem Tag bis zu 10.800 Hektoliter Bier. Mehr als 2,1 Millionen Bierflaschen können damit gefüllt werden.

Niedrige Keller in der Pilsner Urquell Brauerei gefüllt mit Bierfässern (c) Gerhard Liebenberger



Keller der Pilsner Urquell Brauerei (c) Gerhard Liebenberger

  Bier wird aber nicht nur zum Trinken gebraut. Purkmistr in Pilsen braut ein spezielles, wenig vergorenes Jungbier für Bierbäder. Für echte Bierliebhaber wird ein Traum wahr, wenn sie sich langsam in den vollgefüllten Holzzuber gleiten lassen. Die Flüssigkeit umgibt angenehm warm den ganzen Körper. Der Hopfen pflegt Haut und Haare. Der würzige Geruch des Hopfens steigt in die Nase, die nur wenige Zentimeter über der Flüssigkeit ruht. Es entspannt sich der ganze Körper, dem Badenden steht das Wasser bis zum Kinn. Wasser!? Ja, der Großteil der Flüssigkeit eines Bierbades ist Wasser, gemischt mit zehn bis 15 Liter Jungbier und Hopfen. Darum schmeckt ein Schluck aus dem Badewasser auch nicht, es enthält kaum Alkohol. Das Badewasser riecht auch nicht nach Bier, sondern frisch nach Hopfen. Auf Schaumkronen am Wasser müssen Badende ebenfalls verzichten. Besser schmeckt der Schluck aus dem Bierglas neben der Wanne. Das helle Purkmistr Bier enthält Alkohol und stimuliert den Körper von innen. Wer die Wirkung verstärken möchte, dreht am Zapfhahn. 25 Minuten im warmen Bierbad und ein halber Liter Bier haben garantiert eine aufheiternde Wirkung.

Die aufheiternde Wirkung ist nicht zu übersehen (c) Gerhard Liebenberger

 
 
 
 

Gerhard Liebenberger
geb. 1978 in Bruck/Mur, ist Reisender aus Leidenschaft: Meist alleine mit Rucksack und bevorzugt mit der Eisenbahn. Über seine Reisen, die ihn u.a. durch Sibirien, China, Japan und Indien führten, berichtet er in seinem Blog andersreisen. Auf Leinwand begeistert aktuell die Multivisions-Show „Süd Indien – Ein Bahn-Reise-Abenteuer“.
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