10.10.2017

10 Dinge, die Sie in Belgrad erlebt haben müssen


TRAVEL
Text — Maria Kapeller



 

Manch einer mag mit der Bahn noch nicht weiter östlich als bis nach Budapest gekommen sein. Es lohnt sich aber, von dort aus in den Nachtzug zu steigen und es sich im Schlafabteil gemütlich zu machen. Rund acht Stunden später erwacht man in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Sie hat eine reiche, eng mit Österreich verwobene Geschichte, ein brodelndes Nachtleben und ist einer jener Orte, die sich ununterbrochen verändern. Zehn Tipps für einen Städtetrip nach Belgrad:

               

Tipp 1:  Durchs Künstlerviertel Skadarlija flanieren

Das Stadtviertel wird als Belgrads Montmartre bezeichnet: Kopfsteinpflaster, gemütliche Gasthäuser, entspannte Cafés und kleine Galerien laden zum Bummeln ein. Das Künstlerflair hielt hier aus pragmatischen Gründen Einzug und fand im 19. und 20. Jahrhundert seinen Höhepunkt: Im Stadtzentrum wurde das Rauchen einst wegen Feuergefahr verboten. Skadarlija aber lag einen Steinwurf von der Innenstadtgrenze entfernt, deshalb öffneten hier ab 1830 die ersten Raucherlokale, danach kamen Bars dazu. Gleich ums Eck wurde später das Nationaltheater gebaut, das Künstler und Kreative in die Gegend brachte.

Tipp 2: Serbische Küche probieren

Bei einem Streifzug durch die Künstlermeile Skadarlija mit ihren vielen Restaurants bietet es sich geradezu an, die serbische Küche kennenzulernen. Generell ist sie sehr fleischlastig und opulent. Als Vorspeise teilt man sich, zu einem Stamperl Rakija, gerne eine gemischte Platte mit Schweine- und Rindfleischschinken, Maiskuchen, serbischem Käsekuchen (Belmuz), Zlatar-Käse und Kajmak, einem aus Milchrahm gewonnenen Aufstrich. Zum Essen wird in Serbien stets Ajvar gereicht, ein Mus aus Spitzpaprika. Lokaltipp: Restoran Mali Vrabac 

Tipp 3: Die Belgrader Festung besuchen

Allein ihrer Lage wegen ist die Belgrader Festung einen längeren Abstecher wert: Sie thront hoch oben über dem Zusammenfluss von Donau und Save auf einem Hügel namens Kalemegdan. Ihre Geschichte reicht bis in die Keltenzeit zurück, als die Siedlung Singidunum gegründet wurde. Die Römer bauten die erste Festungsanlage, die später von verschiedenen Herrschern erweitert wurde – unter anderem von den Osmanen und den Habsburgern. Tipp: Den wahrscheinlich besten Blick über die Stadt hat man von der Siegesstatue und der Festungsmauer aus.

Tipp 4: Einkaufen in der Knez Mihailova

Straßenmusik, Cafés und ein Geschäft nach dem anderen: In dieser Straße kriegt man alles, was das Shoppingherz begehrt. Die Fußgängerzone ist umgeben von eleganten Bürgerhäusern, in denen im 19. Jahrhundert einflussreiche Händler und Politiker residierten.  

Tipp 5: Die Kuppel der Sava Kathedrale bestaunen

Ein Kontrastprogramm zum Shoppen ist ein Abstecher zur Kathedrale des Heiligen Sava. Sie ist die zweitgrößte orthodoxe Kirche am Balkan und war während des Kommunismus lange Zeit nur eine Baustelle. Aktuell wird die Sava Kathedrale renoviert und die Kuppel mit einem aufwendigen Mosaik verziert.  

Tipp 6: Im Tesla Museum unter Strom stehen

Er war ein Vordenker und Querdenker: Der 1856 geborene Nikola Tesla war für seine komplizierten und teuren Experimente bekannt. Zu seinen bahnbrechenden Erfindungen zählt der Wechselstromgenerator, der heute vielerorts im Einsatz ist. Auch die Notwendigkeit erneuerbarer Energiequellen brachte Tesla schon früh zur Sprache. Das Museum ist klein, aber fein, inklusive Filmvorführung und interaktiver Ausstellung.  

Tipp 7: Mit dem Rad die Stadt erkunden

Belgrad ist eine relativ ausgedehnte Metropole mit rund 1,7 Millionen Einwohnern. Die Stadt hat zwar einen alten Stadtteil, aber kein eindeutiges Zentrum. Wer den Verkehr nicht scheut, schlängelt sich idealerweise per Rad von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Buchen kann man geführte Fahrradtouren zum Beispiel bei „IBikeBelgrade“, wo man im Rahmen der „Riverside Tour“ auch zu kommunistischen Überbleibseln wie der ehemaligen Konferenzhalle der Kommunistischen Partei geführt wird.

Tipp 8: Das Lebensgefühl an Donau und Save erspüren

Die Belgrader nutzen die Lage an den Flüssen Donau und Save aus, so gut es geht: Radwege führen entlang der Ufer, kleine Boote ankern im Wasser und große Bar- und Restaurantschiffe sind Teil des gastronomischen Angebots und des berühmten Belgrader Nachtlebens. Angeblich gibt es bis zu 300 solcher Gastro-Schiffe. Wer die Wahl hat, hat die Qual ...  

Tipp 9: Einen Ausflug nach Novi Sad machen

Die zweitgrößte Stadt Serbiens liegt rund eine Autostunde nordwestlich von Belgrad. Rund zehn Prozent der 400.000 Einwohner sind Studenten – das macht sich vor allem beim quirligen Nachtleben bemerkbar. Sehenswert ist neben dem Stadtkern die Festung Petrovaradin, einst die bedeutendste Festung der Habsburger auf dem Balkan. Sogar in diesem historischen Ambiente haben sich Nachtclubs angesiedelt. In nächster Zeit wird man von Novi Sad noch einiges hören – im Jahr 2021 ist die Stadt die erste Europäische Kulturhauptstadt außerhalb der EU.  

Tipp 10: Klöster in der Fruska Gora besichtigen

Ein Stück außerhalb von Novi Sad liegt die fruchtbare Hochebene Fruska Gora, die von Wäldern, Weinreben und Obstbäumen geprägt ist. Inmitten dieser einsamen Naturlandschaften thronen rund 15 mittelalterliche Klöster. Tipp: Die Wandmalereien in der orthodoxen Kirche im Kloster Novo Hopovo. Fotocredits: Maria Kapeller  
 
 
 
 

Maria Kapeller
Reist am liebsten mit einem Stapel Zeitschriften im Rucksack durch die Welt. Bei langen Zugfahrten darf die Schlafmaske nie fehlen. Wenn die erstmal abgenommen ist, stürzt sich die Texterin und Journalistin voller Elan in jedes neue Abenteuer. Sie schreibt nicht nur für diverse Medien, sondern mit viel Leiden-schaft auch auf ihrem eigenen Blog kofferpacken.at.
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