16.05.2018

Cityguide Neapel


AUSFLUGSZIELE
Autor — Janina Lebiszczak



Laut, bunt und lebendig: Die wilde Stadt am Vesuv kann man auch erkunden, ohne in Touristenfallen zu tappen. Wir haben Tipps abseits der touristischen Trampelpfade.

Runde Sache


Tatsache: Es gibt einen Verein zum "Schutz der wahrhaftigen neapolitanischen Pizza" - die Associazione Verace Pizza Napoletana. In Neapel legt ein mehrseitiges Reglement fest, wie man diese zubereitet (nicht mehr als 35 cm im Durchmesser, maximal 4 Millimeter dick, kein Olivenöl im Teig, nur 90 Sekunden im Steinofen) und wie der Belag auszusehen hat. Für Puristen gibt es nur zwei Varianten: Margherita mit Mozzarella di bufala und Basilikum und Marinara mit Knoblauch und Oregano. Aber keine Sorge: Die meisten Neapolitaner sind da nicht so streng. (Außer wenn sie eine Hawaii bestellen - das ist mitunter lebensgefährlich.) Die besten Pizzen Neapels gibt es bei "Di Matteo", auch die gebackenen Auberginen und Zucchini sind hier eine Sünde wert. In der "Antica Pizzeria Port d´Alba" werden Freunde des geschichtsträchtigen Ambientes glücklich, und wer jubeln will wie Julia Roberts in "Eat, Pray, Love", der besucht das "Da Michele". Oder er bittet die Associazione um Tipps.
http://www.pizzanapoletana.org/

 

Rot-Weiß-Rote Spuren

 



Hermann Nitsch in der Stazione Bellini. Credits: Pixabay


Oder sollen wir sagen: Spritzer? Als der österreichische Künstler Hermann Nitsch Anfang der 1970er zum ersten Mal nach Neapel kam, warf man ihn hochkant hinaus, er und sein Team mussten sogar eine Nacht im Gefängnis verbringen: zu blutrünstig, zu brutal. Das hat sich geändert: In der Stazione Bellini, einem umgebauten ehemaligen Elektrizitätswerk, befindet sich das großzügige "Museo Nitsch", liebevoll geführt von seinem Freund und Fan Peppe Morra. Auf 1.800 Quadratmetern Ausstellungsfläche findet man ein Best of Nitsch: Fotos, Videoaufnahmen, aus den Boxen schallt des Meisters Stimme unterlegt von mystischer Ritual-Musik. Der Blick von der Terrasse ist umwerfend.
www.museonitsch.org

Kunst und Kreativität



Streetart in Neapel. Credits: Janina Lebiszczak


Sie ist laut, sie ist dreckig, sie ist jung - sie lebt. Die Stadt am Vesuv ist bekannt für ihre quirlige Energie und nichts für Zwängler. Aus diesem virilen Chaos und dem Trubel der Stadt heraus entsteht jede Menge Street Art, nur wenige Hausmauern sind frei von mehr oder weniger guten Graffitis und Schablonenkunst. Ja, richtig gelesen: Street Art auf den historischen Mauern des Weltkulturerbes. Wer wissen will, was hinter den bunten Bildern steckt, der sollte eine City Tour buchen, die meistens von versierten Kunststudenten angeboten werden. Unter www.travelnaples.it/en/le-guide kann man diese schon vor der Abreise buchen.

Party, Party!



Die Piazza Bellini. Credits Pixabay

In den Reiseführern wird er als einer der idyllischsten Plätze in der Altstadt von Neapel angepriesen. Schmecks! Wenn die Nacht anbricht, füllt sich die Piazza Bellini mit hunderten jungen Menschen, die laut und lachend hunderte Gespräche gleichzeitig führen. Dazu spielen Straßenmusiker und Trommler, picksüße Cocktails und Snacks werden aus kleinen Trucks heraus verkauft. Jeden Abend feiern die Einheimischen mit Freunden aus der ganzen Welt hier Party pur. Nicht alles, was nach einer Zigarette aussieht, enthält nur Tabak, und auch die Taschenräuber liegen auf der Lauer - trotzdem: Die Lebensfreude ist ansteckend! Wer es ruhiger mag, flüchtet ins nahe Intellektuellen-Café "Intra Moenia" und schmökert in den vielen Büchern über Camorra, Geschichte und Architektur.
www.intramoenia.it

Sorgenfrei unter Wasser



Posillipo - das wohlhabende Neapel. Credits: Pixabay


Natürlich müssen Sie nach Pompei - am besten mit dem Zug Circumvesuviana - um die vergangene Pracht zu bestaunen. Sie können auch auf den Vesuv klettern, den einzigen aktiven Vulkan auf dem europäischen Festland. Aber eines dürfen Sie nicht verpassen: Das Stadtviertel Posillipo mit Blick auf die Bucht von Pozzuoli steht für das exklusive, wohlhabende und saubere Neapel. Der Name leitet sich nicht umsonst von "Erholung von Sorgen" ab. Wo einst die alten Römer urlaubten, baumelt die Seele ganz automatisch. Auch unter Wasser: Im Meeresschutzgebiet "Unterwasserseepark von Gaiola" werden Tauch- und Schnorchelausflüge mit autorisierten Guides angeboten, man bestaunt nicht nur Fische, sondern auch archäologische Funde wie die Überreste einer alten römischen Villa. Besonders Mutige setzen dann zur winzigen Insel La Gaiola über - denn diese soll verflucht sein. Einheimische nennen sie deshalb "isola maledetta".
www.areamarinaprotettagaiola.it

Verbindung: Mit dem ÖBB Nightjet erreichen Sie Neapel von Wien aus über Nacht via Rom oder Venedig. Spätestens am Weg retour werden Sie den Schlaf sicher brauchen. Und Auto fahren sollte man in dieser Stadt mit den vielen engen Gässlein sowieso nicht.

 
 
 
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