04.06.2018

Fürstlich urlauben: 7 Gründe, nach Liechtenstein zu fahren, bevor es alle anderen tun


Autor — Jasmin Kreulitsch



Zwischen Bergen und Rhein, an den Grenzen zu Österreich und der Schweiz, liegt das sechstkleinste Land der Welt: Liechtenstein ist zwar winzig klein, blickt aber auf eine große Geschichte zurück, die 2019 beim 300-Jahr-Jubiläum des Fürstentums gefeiert wird. Wer sich den Wirbel sparen will, reist deshalb am besten noch heuer los: 7 Gründe, nach Liechtenstein zu fahren, bevor es alle anderen tun.

1. Wegen dem fürstlichen Wein nach Liechtenstein


Keine Frage: In Österreich werden hervorragende Weine angebaut, in Liechtenstein  trinkt man den Rebensaft aber mit fürstlichem Siegel. Schon seit dem 14. Jahrhundert wird hier Wein angebaut, der "Herawingert" ist der bedeutendste Weinberg. Er zählt mit seinen vier Hektar zusammenhängender Rebfläche zu den besten Reblagen im Rheintal - dank der Südwestlage und dem milden Föhnklima. Spaziert man in Vaduz nur wenige Minuten aus der Stadt hinaus, entdeckt man schon die Weingärten und in der Ferne ein magentafarbenes Gebäude: die Hofkellerei des Fürsten. Die Weine, die hier entstehen, bekommt man natürlich auch in allen Lokalen, eine Verkostung und Besichtigung der Hofkellerei sollte man sich aber nicht entgehen lassen, zum Beispiel die "Bekanntschaft mit den fürstlichen Weinen-Kellerführung" mit drei Kostproben (10 Euro/Person) oder die "Prinzessin Marie´s Lieblingsweine-Kellerführung" (15 Euro/Person). Überhaupt: Die Fürstenfamilie zeigt sich generell volksnah. Obwohl das Schloss hoch über Vaduz thront, begegnet man sich auf Augenhöhe. Es kann passieren, dass man durch den Wald spaziert und Fürst Hans Adam II. einem barfuß und freundlich grüßend entgegenkommt oder dass man Fürstin Marie in Vaduz beim Shopping trifft. Und wenn das sechstkleinste Land der Welt jedes Jahr am 15. August seinen Staatsfeiertag feiert, lädt die Fürstenfamilie die Liechtensteiner zum Apéro in den Rosengarten - als einzige Fürstenfamilie der Welt.



Die Weingärten der fürstlichen Familie in Vaduz (c) Jasmin Kreulitsch



Im Weinkeller macht man bei einer Führung eine kleine Zeitreise. (c) Jasmin Kreulitsch



Urlauber können günstig eine Weinverkostung buchen - schon ab 10 Euro (c) Jasmin Kreulitsch

2. Wegen dem Essen nach Liechtenstein


Neben dem fürstlichen Wein ist es auch die Kulinarik, die die Urlauber in Liechtenstein begeistert. Das Besondere daran: Von hochpreisiger Haubenküche bis zu günstigen Traditionsgerichten ist alles dabei, für jeden Geschmack und Geldbeutel. Spannend: Gemessen an rund 37.000 Einwohnern weist Liechtenstein die höchste Dichte an Gourmetrestaurants eines Landes weltweit auf. Auf nur 160 Quadratkilometern Landesfläche können fünf Restaurants im Gourmetreiseführer Gault Millau punkten. Wer sich etwas gönnen will, besucht nach dem Spaziergang durch die Weingärten das nahe gelegene "Restaurant Torkel", das mit 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet ist - das viergängige Mittagsmenü gibt es um ca. 62 Euro. Mindestens genauso gut, aber noch dazu mit einer umwerfenden Aussicht punktet das "Berggasthaus Masescha". Gelegen auf 1.200 Meter hat man nicht nur einen herrlichen Rundblick über das Tal und die Berge, sondern isst auch noch hervorragend. Vorspeisen gibt es ab ca. 7,50 Euro, Hauptspeisen ab 18 Euro. Die Einheimischen kommen vor allem wegen dem hausgemachten Apfelkuchen (ca. 6 Euro). Der (vegetarische) Klassiker in Liechtenstein ist indes besonders preiswert und steht auf jeder Karte: Käsknöpfle mit Röstzwiebeln und Apfelmus (ab ca. 10 Euro).



Das "Restaurant Torkel" ist mit 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet. (c) Jasmin Kreulitsch



Der kulinarische Klassiker in Liechtenstein: Käsknöpfle! (c) Jasmin Kreulitsch

3. Wegen der Bergdörfer nach Liechtenstein


Apropos Triesenberg: Wer sich von Vaduz aus auf den Weg nach oben macht (mit dem Bus nur 20 Minuten), entdeckt in Liechtenstein jede Menge urige Bergdörfer, vor allem Triesenberg ist einen Besuch wert. Die flächenmäßig größte und höchstgelegene Gemeinde Liechtensteins hat eine Besonderheit: Schon im 13. Jahrhundert kam das Volk der Walser hierher und sie besiedelten als Erste das Gebiet dauerhaft. Das merkt man noch heute am walserdeutschen Dialekt der Bewohner, die wegen diesem Dialekt von den anderen Liechtensteinern liebevoll verspottet werden. Die spezielle Geschichte des Dorfes lernt man im "Walser Heimatmuseum": Hier taucht man in die Lebensweise der im 13. Jahrhundert eingewanderten Walser ein. Besonders spannend ist ein 400 Jahre altes Walserhaus, das dem Museum angegliedert ist: Hier geht man über knarrende Holzböden und klettert über schiefe Stufen und entdeckt so die Wohnkultur der damaligen Zeit.



Triesenberg ist eines der schönsten Bergdörfer Liechtensteins. (c) Jasmin Kreulitsch



Das Rathaus von Triesenberg stellt den Ortsmittelpunkt dar. Hier kommen auch die Busse an. (c) Jasmin Kreulitsch



Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch genießt die Aussicht hoch oben von Triesenberg.

4. Wegen der (Lama-)Wanderungen nach Liechtenstein


Wenn man in Triesenberg ist, hat man den idealen Startpunkt für eine Wanderung. Von hier gibt es viele Wanderwege für jedes Niveau, die alle eines gemeinsam haben: einen umwerfenden Ausblick auf das Fürstentum. Wer etwas ganz Besonderes erleben will, bucht eine Wanderung mit Lamas - vor allem mit Kindern ein ganz besonderes Erlebnis. Marc Schädler und Anna-Lena Beck vom "Lama- & Alpakahof Triesenberg" bieten unterschiedliche Touren an. Ideal ist das zweistündige Schnuppertrekking (Erwachsene: ca. 58 Euro/Person, Kinder: ca. 12,50 Euro), wo man mit Lamas gemütlich wandert und die Tiere kennenlernt. Im Winter lohnt es sich, nach der Tour ein Käse-Fondue zu buchen! Tipp: Auf dem Hof gibt es einen klitzekleinen Laden, wo es allerlei Sachen rund um die Tiere zu erstehen gibt - von kuscheligen Mützen aus Alpaka-Wolle bis hin zu edler Lamasalami.



Das coolste Lama der Truppe heißt Blue und hat eindeutig die Haare schön! (c) Jasmin Kreulitsch



Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch beim Lama-Trekking. (c) Jasmin Kreulitsch



Auf dem "Lama- & Alpakahof Triesenberg" gibt´s auch einen klitzekleinen Hofladen. (c) Jasmin Kreulitsch


5. Wegen der Museen nach Liechtenstein


Es ist aber nicht nur die Natur, die in Liechtenstein überzeugt, es ist auch die Kultur: Vor allem in Vaduz kann man Tage in unterschiedlichen Museen verbringen und viel über die Geschichte und die Kunstschätze des Landes lernen. Die sind enorm, deshalb lohnt es sich, den Museums- und Erlebnis-Pass zu kaufen, mit dem man Zugang zu rund 30 Freizeit-Attraktionen hat (erhältlich ab ca. 21 Euro/Person). Dann steht vor allem einer Tour über die Vaduzer Kunstmeile nichts mehr im Weg: Auf kleinstem Raum im Vaduzer Städtle angesiedelt, findet man das "Kunstmuseum Liechtenstein" mit ständigen und wechselnden Ausstellungen, die legendäre "Hilti Art Foundation"  mit bedeutenden Gemälden, Plastiken, Skulpturen, Objekten und Fotografien vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, das "Liechtensteinische Landesmuseum" und natürlich auch die berühmte Schatzkammer. Hier staunt man vor allem über die üppige Krone, die übrigens nur Touristen so nennen: Die Einheimischen lernen schon als kleine Kinder, dass es sich um den berühmten "Fürstenhut" handelt.



Fürstlicher Anblick: der "Fürstenhut" in der Schatzkammer in Vaduz. (c) Jasmin Kreulitsch



Im "Liechtensteinischen Landesmuseum" lernt man alles über die Geschichte des Fürstentums. (c) Jasmin Kreulitsch



In der "Hilti Art Foundation" staunt man über Gemälde, Plastiken, Skulpturen und Fotografien vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. (c) Jasmin Kreulitsch

6. Wegen der Oberstadt nach Liechtenstein


Keine Frage, das Städtle von Vaduz kann sich sehen lassen, es ist aber vor allem das ehemalige Zentrum, das Besucher begeistert. Vom heutigen Zentrum geht man nur wenige Minuten sanft nach oben, bis man die Oberstadt erreicht. Hier ahnt man, wie es vor hunderten Jahren in Vaduz aussah, denn viele der ursprünglichen Gebäude sind erhalten geblieben, allen voran das berühmte Rote Haus. Das Treppengiebelhaus aus dem späten Mittelalter mit einem weithin sichtbaren Turm gilt als eines der Wahrzeichen von Liechtenstein. Von der Oberstadt kann man auch hoch nach oben in Richtung Schloss spazieren, aber Vorsicht: Besuche im Schloss sind nicht möglich, dafür gibt es einen tollen Aussichtspunkt für die perfekten Fotos!



Vom Städtle geht man in nur wenigen Minuten in die Oberstadt. (c) Jasmin Kreulitsch



Das Rote Haus ist ein Treppengiebelhaus aus dem späten Mittelalter. (c) Jasmin Kreulitsch



Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch in der Oberstadt auf dem Weg zum Aussichtspunkt unter dem Schloss.

7. Wegen der Grenze nach Liechtenstein


Der Reiz Liechtensteins ist auch seiner Grenzlage geschuldet: Nahe an Österreich und der Schweiz - die Einheimischen fahren übrigens gerne am Wochenende nach Feldkirch zum Feiern - kann man hier im wahrsten Sinne des Wortes zum Grenzgänger werden. Spaziert man vom Städtle etwa 15 Minuten in Richtung Rhein, stößt man auf die Alte Rheinbrücke, die letzte noch erhaltene Holzbrücke, die den Alpenrhein überquert. Mit einer Länge von 135 Metern verbindet sie Vaduz mit der Gemeinde Sevelen im Kanton St. Gallen, was bedeutet: Man findet in der Mitte der Brücke die Grenze - und kann gleichzeitig mit einem Fuß in Liechtenstein und einem in der Schweiz stehen. Lustig: Wer offiziell zum Grenzgänger werden möchte, kann sich im Tourismusbüro im Städtle seinen Reisepass stempeln lassen - für 3 Euro hat man dann als kleinen Gag einen hübschen Stempel, inklusive roter Fürstenkrone.



Die Alte Rheinbrücke ist exakt 135 Meter lang. (c) Jasmin Kreulitsch



Mitten auf der Alten Rheinbrücke ist die Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz. (c) Jasmin Kreulitsch



Lustig: ein Liechtenstein-Stempel im Reisepass. (c) Jasmin Kreulitsch

 

 

 
 
 

Jasmin Kreulitsch

Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken. Mehr davon auf kosmopoetin.com

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