01.08.2018

Bahnfahren als Beziehungstest


Autor — Susi Mayer



Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wenn das Ganze zu zweit passiert, gleich noch viel mehr.

Kennst du das? Den Make-it- oder Break-it-Holiday? Man kennt sich noch nicht lange, verbringt gern Zeit miteinander, aber ist sich nicht sicher, wohin das alles eigentlich läuft? Dann fahr auf Urlaub - am besten mit dem Zug. Sieben Gründe, wie dir eine Bahnreise zeigt, ob es sich auch in Zukunft lohnt, ein Platzerl für ihn oder sie freizuhalten.

1. Die Planung - nächster Halt ...?

Planung

Reisen bedeutet Planen. Planen bedeutet Nachdenken. Und beim Nachdenken sollte im besten Fall auch noch was Vernünftiges rauskommen. Bei der gemeinsamen Urlaubsplanung lässt sich super abchecken, ob ihr ähnliche Interessen habt oder du ihn vielleicht doch freundlich aber bestimmt friendzonen solltest. Du willst alle Museen von Wien abklappern, sie aber lieber auf der Donauinsel Inlineskaten? Du willst zum Töpferkurs nach Stixneusiedl - er lieber zum Base Jumpen im Dachsteingebirge? Dann besser zurück zum Start - das wird schwierig!

2. Der Koffer - packst du das?

Manche meinen ja, sie könnten die Persönlichkeit eines Menschen an deren Schuhen erkennen. Wie ein Koffer gepackt ist, gibt dir wahrscheinlich noch mehr Aufschluss. Als ich vor einigen Jahren eine Freundin in Innsbruck getroffen habe, hätten die Pack-Unterschiede nicht größer sein können. Mein Rucksack - anfangs halbwegs geordnetes Chaos, am Ende das reinste Kuddelmuddel. Ihr Koffer - colour coded. Von Tag eins bis fünf. Diese Unterschiede sind per se nicht schlecht, im Gegenteil. Sie lassen dich früh erkennen, was für dein Gegenüber wichtig und entscheidend ist. Und ob du das a) selber auch gut findest oder b) so gar nicht damit klarkommst.

3. Team Work - darf ich mal?

Team Work

Reisen zu zweit bedeutet vor allem eines - zusammenzuhalten! Hemingway ging gar so weit zu sagen, man solle mit niemandem reisen, den man nicht liebt. Nun ja. So weit müssen wir an dieser Stelle ja noch nicht gehen. Aber zumindest eine gesunde gemeinsame Grundeinstellung wird euch das Leben wirklich erleichtern. Beim Zusammenhalten geht es vor allem darum, sich nicht immer selbst an erster Stelle zu reihen, sondern auch mal für den anderen mit anzupacken, wenn er oder sie sich schwertut. Die letzten Meter zum Berggipfel erklimmen sich einfach doppelt so leicht, wenn man sie gemeinsam meistert. Besser die stützende Hand von hinten als das triumphierende Grinsen von oben. Und wenn er dich mit voll beladenem Koffer in den Railjet kraxeln lässt, ohne einen Finger zu rühren, überleg dir gut, ob du ihm wirklich nochmal extra die Milchschokolade-Dragee-Keksi aufheben solltest, obwohl du die auch lieber hast.

4. Es ist angerichtet

Ich bin ja eine von den Peinlichen. Ich liebe nichts mehr als selbstgemachtes Essen. Auch im Zug. Der kleine Karotten-Speck-Muffin muss da schon mal mit. Hier kannst du super abchecken, ob es deinem Reisebegleiter genauso geht. Oder ob er oder sie eher einer von der Bord-Restaurant-Partie ist und sich nicht so sehr ums kulinarische Vorbereiten schert. Mit einem guten Snack in der Tasche hast du jedenfalls meistens gleich einen Stein im Brett.

5. Und also sprach Sarah Schuster. Oder Michael Huber.

Es soll sie ja geben. Die Quatsch-Popos. Die Quasseltanten, Dampfplauderer und jene, denen die Körperfunktion "Unterlippe bündig mit Oberlippe abschließen" grundsätzlich fremd ist. Wenn du's auch noch schaffst, dich mit deinem Anhang auf ein Vierer-Platzerl mit so einer Person zu setzen, bietet dir das die einmalige Chance, die Leidensfähigkeit deines Reisepartners zu testen. Wie ist die erste Reaktion auf das Angesprochen-Werden? Wird die soziale Anbahnung locker pariert oder etwas ungelenk abgewehrt? Ist noch ein Lächeln auf den Lippen oder verziehen sich jene bereits zu einem angestrengten Strich im Gesicht? Wirft er oder sie sich verbal schützend vor dich, indem er sich gekonnt in das Gespräch mit einbindet und dich langsam aus den sozialen Fängen des Gegenübers rettet? Oder überlässt man dich deinem Schicksal und stöpselt sich derweil schnell die Top-Ten-Spotify-Hits ins Ohr?

6. Gemeinsame Geschichten schreiben

Gemeinsame Geschichten schreiben

Reisen bedeutet immer einen Ausbruch vom Alltäglichen. Es gibt keine Wege, die man kennt, keine Routen, die man zum hundertsten Mal abgegangen ist, keine Routinen, an die man sich klammern kann. Das macht für die meisten von uns das Reisen zum Genuss. Und für Paare - gerade für jene, die ihre Wege noch nicht allzu lange gemeinsam beschreiten,- ist das Reisen eine wunderbare Form, erste gemeinsame Geschichten zu kreieren, die man sich noch Jahre später erzählen wird.

Oft sind es die ersten Urlaube, die in Erinnerung bleiben. Vor allem, wenn was schiefgeht. Sei es, weil man im Sitzen schlafen muss, da man im Nachtzug nach Venedig à la "Des wird schon!" gambeln wollte und kein Bett reserviert hat, in der sich nicht erfüllenden Hoffnung, man sei allein im Abteil und könne sich sicher ausbreiten. Oder weil das Budget so knapp war, dass in Norwegen nur Knäckebrot drin war. Oder das Wetter am Wörthersee so schlecht, dass man zwar nie das Wasser gesehen hat, dafür aber gemeinsam das Tapetenmuster in der Unterkunft nacherzählen kann. Wer so etwas erlebt hat, kann danach wenigstens gemeinsam drüber lachen.

7. Gemeinsam heimkommen

Eine abgeschlossene Reise hat etwas von einem fertigen Projekt. Man denkt darüber nach, zieht Resümee, redet hoffentlich noch lange darüber. Es fühlt sich toll an, nach einer Reise alle Bilder des anderen zu bekommen, unterschiedliche Blickwinkel zu studieren und sich noch einmal die schönsten Erinnerungen vor Augen zu führen. Aber man kann vor allem auch eines machen - sich gemeinsam auf daheim freuen und vielleicht schon Pläne für die nächste gemeinsame Reise schmieden. Wenn alles geklappt hat.

 
 
 
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