24.08.2018

Europas versteckte Juwelen - Die geheimsten Reise-Locations


AUSFLUGSZIELE
Autor — Florian Thöni



Keine Lust auf Touristen, obwohl man selber einer ist? Wir zeigen dir die karibischen Sandstrände Bulgariens und das Berlin des Balkans: Belgrad.

Bulgarische Riviera statt Copa Cagrana

380 Kilometer voller Natur, Ruhe und unbefleckter Strandküsten, dafür steht die bulgarische Riviera. In Sofia mit dem Zug angekommen, geht es mit einem Regionalzug direkt weiter zum Kap Kaliakra. Das Naturschutzgebiet ragt wie eine spitze Zunge hervor und zählt zu den schönsten Plätzen der Schwarzmeerküste. Zu Fuß erreicht man den Strand entlang der Klippen in entspannten 50 Minuten, wovon jede Minute die Zeit wert ist. Bei klarer Sicht kann man Delfine im türkisblauen Meer beobachten. Am Wegesrand bieten Andenkenverkäufer gehäkelte Strümpfe, selbst genähte Puppen sowie Matroschkas, Schlüsselanhänger und Schneekugeln an. Es ist wunderbar ruhig hier oben. Nur wenige Spaziergänger sind unterwegs, der salzige Wind öffnet die Sinne. An der äußersten Spitze angekommen, erst einmal innehalten und durchatmen. Das Kap ist wunderschön.

Selbstgebrannter und fangfrische Muscheln im Sud

Direkt an der Küste und ganz in der Nähe des Kaps liegt etwas versteckt die Muschelfarm Dalboka. Hier dreht sich alles um die biologisch angebauten Schalentiere. Im Restaurant des Bauernhofes ein absolutes Muss: auf die Terrasse setzen und das Farbenspiel des Sonnenuntergangs genießen. Der Meereswind bringt die weißen Tischdecken zum Flattern, im türkisblauen Wasser schlummern kleine Fischerboote in den Wellen. Vorab gibt es einen selbstgebrannten Rakija aus Früchten der Region. Es riecht bereits köstlich, die Fische werden täglich fangfrisch zubereitet. Zu empfehlen sind vor allem die mit Meeresfrüchten gefüllten Weinblätter sowie die Miesmuscheln nach Seemanns Art in pikant herzhafter Sauce. Dazu am besten ein kaltes Glas Weißwein, wahlweise auch eine Flasche. Als Abschluss kommt nochmal eine richtige Überraschung. Wer hätte gedacht, dass Muscheln mit Apfelkompott so köstlich schmecken können? So lässt es sich gut aushalten.

Muscheln

Belgrad Calling - Berlin war einmal

Alle deine Freunde fahren nach Berlin? Jo eh. Doch wer Aufbruchsstimmung erleben will, fährt heute nach Belgrad. Das Ticket gebucht und in den Nachtzug gesetzt, beginnt das große Kribbeln. Ungewissheit hängt in der Luft. Belgrad ist geheimnisvoll, ein wenig verrucht, genau das Richtige für den Moment.

Am Morgen in der serbischen Hauptstadt zunächst einmal den Stadtfluss Sava aufsuchen. Hobbyfischer und Pensionisten fahren zu dieser Zeit ihre Boote aus, die Sonnenstrahlen erleuchten die von der Meeresluft gezeichneten Fassaden. Ein auf den ersten Blick versteckter Innenhof ist zu sehen, ist das der Wurstel Prater? Nein, wir befinden uns in der Blaznavac Kafe-bar. Gut gelaunte Menschen sitzen zwischen überdimensionalen Schnurrbärten aus Metall und Einhörnern, die von der Decke herabhängen. Morgenstress gibt es hier nicht. Herzhafter Kaffee wird ausschließlich in richtigen Porzellantassen serviert. Coffe-to-Go ist ein Fremdwort. Unbedingt auch die frisch gepressten Smoothies probieren, die in verschiedensten Variationen angeboten werden.

New Balkan Cuisine inmitten Abriss-Romantik

Skadarlija, das vibrierende Künstlerviertel, sollte man erst am Abend aufsuchen. Dann beginnt das Montmartre Belgrads zu leben und besticht durch seinen leicht abgewohnten Charme. Hier bröckelt eine Mauer, dort wuchern Kletterrosen, wilde Jazz-Klänge tanzen aus der Gasse. Künstler und Literaten vereinen sich unter Lichterketten vor den zahlreichen Cafés. Das kunterbunte Szenario erinnert an ein Freilichttheater in der Provence. Am besten selbst teilnehmen und ein Glas Prokupac probieren. Diese ausschließlich serbische Rebsorte besticht durch ihren würzig-kräftigen Charakter und eine unverkennbar rubinrote Farbe.

Ähnlich wild und kreativ geht es im Restaurant Iris zu. In einer zunächst unscheinbaren Altbauwohnung experimentiert der 31-jährige Küchenchef Vanja Puskar an der New Balkan Cuisine. Traditionell serbische Gerichte werden neu zubereitet und interpretiert. Dabei werden ausschließlich saisonale und regionale Produkte verarbeitet. Es wird fermentiert, variiert und destilliert, was das Zeug hält. Diese köstlichen Geschmacksoffenbarungen werden monatlich in einem 8-Gänge-Menü neu gedacht. Die Stimmung hat dabei so gar nichts mit Schickimicki zu tun. Das Hemd darf ruhig Platz für den Genuss lassen. Und ja, ohne Tischreservierung geht hier gar nichts. Die Philosophie des Restaurants spiegelt Belgrad selbst wieder: Aus einem anfänglichen Kribbeln im Bauch kann eine ernsthafte Herzensangelegenheit entstehen, bevor es mit dem Zug wieder nach Hause geht.

Belgrad

 
 
 
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