19.09.2018

Reisen auf Ent-Zug: Offline Urlauben


NACHHALTIG REISEN
Autor — Susi Mayer



Zugverbindungen suchen, Tickets online buchen, Vorteilscard am Handy - wir lieben unser Smartphone! Aber gerade im Urlaub ist es manchmal einfach schöner, auf digitale Helferleins zu verzichten. Wir haben nachgefragt, wie's geht.

Wer ohne Handy reist, redet mehr, sieht mehr und hat mehr Chancen, sich das Erlebte besser zu merken. Wenn wir uns länger als nur 10 Sekunden auf unsere Umwelt konzentrieren, schaffen wir eher bleibende Erinnerungen. Ein Gespräch mit einer spannenden Person, die man gerade im Zug kennengelernt hat, findet mit dem Handy in der Hand vielleicht gar nicht erst statt. Die traumhafte Landschaft, die am Fenster vorbeizieht, schafft es nicht mal bis zum Sehnerv, wenn wir am Tablet Bubble Soccer spielen.

Wir wollten wissen: Was wäre, wenn wir auf Reisen kein Handy verwenden dürften? Und haben jemanden gefunden, der sich eingehend damit beschäftigt hat: Steffi, 26, Online Key Account Manager in einem österreichischen Medienhaus, weiß zu schätzen, wieviel Komfort ihr Smartphone ihr bietet. Umso interessanter war eine Challenge, der sie sich ohne Hilfe ihres Handys stellen musste.

Drei Frauen sitzen auf einem Geländer

Steffi, du hast bei der "Can you make it?" Challenge mitgemacht und musstest mit zwei anderen Mädels in 7 Tagen durch 7 Länder reisen. Und das ganz ohne Geld und Smartphone. Wie geht so etwas und wieso wolltest du bei dieser Challenge dabei sein?

Ich war einfach neugierig: Ist es möglich, ohne Geld zu reisen? Wir hatten nur Sponsorprodukte dabei, die wir eintauschen durften, um unsere Reise zu "finanzieren". Und ich wollte mich auch endlich mal aus meiner Komfortzone raus trauen. Es ist großartig, wie viele internationale Bekanntschaften man schließt und wie viele spannende Menschen man kennenlernt.

Selfie von drei Frauen durch ein Fisheye-Objektiv

Wie fühlt es sich an, heutzutage ohne digitale Unterstützung zu reisen?

Man ist anfangs richtig hilflos. Alles wirkt komplizierter und dauert länger. Aber nach zwei bis drei Tagen wird es einfach zur Gewohnheit. Wenn du keine andere Möglichkeit hast, kommst du plötzlich wieder viel schneller mit Menschen ins Gespräch, fragst dich durch und kannst den Moment wieder mehr genießen. Alles wird lebendiger, spannender und du beschäftigst dich plötzlich mit anderen Dingen, die einfach direkt vor deiner Nase sind. So sollte Reisen sein.

Was waren die schönsten Erlebnisse auf deiner Tour?

Wir waren in Holland und sind eines Abends richtiggehend gestrandet. Wir haben keine Unterkunft gefunden, es war schon spät und plötzlich fing es auch noch an zu regnen. Als wir schon ziemlich demotiviert waren und die ganze Sache abblasen wollten, kam auf einmal ein älteres Ehepaar aus einem Restaurant. Die beiden hatten ihren Hochzeitstag gefeiert und wir sind mit ihnen ins Gespräch gekommen. Eigentlich wollten wir nur wissen, ob sie noch eine Idee hätten, wo wir es noch versuchen könnten, um doch noch Unterschlupf zu finden. Da meinten sie, wir sollten doch einfach mit zu ihnen kommen. Ein Platz auf der Couch sei ja wohl kein Problem. Und plötzlich hatten wir ein warmes Plätzchen, eine Dusche, sogar Frühstück. Und das alles, weil wir einfach offen für neue Begegnungen und auf uns gestellt waren. Das war ein großartiges Erlebnis.

Ist euch auch was Schräges passiert?

Ja, unsere Wasserfall-Action. Eine unserer Challenges war, in einem Wasserfall zu baden. In Wales haben uns drei Kajak-Fahrer mitgenommen, die selber sehr oldschool nur mit Straßenkarten bewaffnet waren. Als wir mitbekommen haben, dass sie Wassersport machen, haben wir sie gefragt, ob sie nicht ein Platzerl wüssten, wo es einen Wasserfall gibt. Sie haben einfach ihre Pläne für den Tag über den Haufen geworfen und mit uns die Gegend erkundet, bis wir einen Wasserfall gefunden haben.

Ist es für euch auch mal gefährlich geworden?

Gefährlich nicht. Nur einmal sehr unangenehm. Wir mussten uns ja immer wieder mal per Autostopp durchschlagen. Ein netter Franzose hat uns aufgegabelt und mitgenommen. Als er uns wieder abgesetzt hat, wussten wir nicht recht, wie wir weitermachen sollten. Kein anderes Auto ist stehengeblieben und es wurde langsam finster. Nachdem wir über eine Stunde in der Kälte gestanden sind, ist er plötzlich wieder zurückgekommen. Er ist wohl draufgekommen, dass der Spot nicht der beste war und wollte sichergehen, dass es uns gut geht. Also hat er uns wieder in die nächste Stadt mitgenommen. Wir hatten echt Glück, ständig an so hilfsbereite Menschen zu geraten.

Selfie von drei Frauen

Was hast du auf deiner Offline-Reise gelernt?

Dass alles im richtigen Moment kommt. Man muss sehr offen und zugänglich sein, dann kann man von jeder Begegnung etwas lernen. Dass man sich manchmal trauen muss zu fragen, zum Bespiel. Mehr als ein "Nein" wirst du nicht bekommen. Man lernt außerdem, Dinge, die man nicht ändern kann, zu akzeptieren. Man jammert weniger, sondern sucht nach Lösungen. Man lernt auch, auf Klimbim zu verzichten und sich auf das Wichtige zu besinnen.

In welcher Situation findest du es besonders angebracht, mal kein Handy bei der Hand zu haben?

Wenn man zum Beispiel Freunde trifft oder einfach in Gesellschaft ist. Auch beim Fortgehen ist es manchmal ganz lustig, das Handy zu Hause zu lassen und ganz altmodisch der neuen Bekanntschaft die Nummer auf eine Serviette zu schreiben. Augenkontakt ist einfach interessanter als über das Smartphone gebeugt dazustehen. Es ist beinahe schon unterhaltsam, einfach wie früher einen Treffpunkt auszumachen und sich auf andere Personen und deren pünktliches Erscheinen zu verlassen.

Wem würdest du das Reisen ohne Smartphone raten?

Ich finde, es sollte jeder mal für zwei oder drei Tage ausprobieren. Man lernt sich einfach wieder besser kennen und realisiert, in welcher digitalen Abhängigkeit man sich teilweise befindet. Der ständige Druck, erreichbar zu sein, muss auch mal weniger werden. Mit dem andauernden Posten und Selbstdarstellen erfüllen wir zwar unsere Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung, das kann aber auf Dauer echt mühsam sein und mehr stressen als helfen.

Die Bottom Line? Famous last word?

Es war eine super Erfahrung. Man wird mutiger, lebt mehr im Moment, lernt schnell und einfach Leute kennen. Ein bisschen Digital Detox ist manchmal einfach eine super Sache und notwendig, um runterzukommen. Im normalen Leben will ich mein Handy nicht missen. Beim "normalen" Reisen ist es natürlich einfach mega praktisch und erleichtert das Vorwärtskommen.

Zwei Frauen sitzen in Liegestühlen und schauen aufs Meer

Ein paar Digital-Detox-Tage würden uns wohl allen mal ganz gut tun. Aber auch wir lieben die Möglichkeiten, die uns die digitale Welt eröffnet. Schnell mal Sparschiene-Deals checken, nach beliebten Reisezielen filtern, am Railaxed-Blog Inspirationen für die nächste Urlaubsdestination suchen: Da darf das Smartphone gerne seine Dienste erfüllen!
Wenn du mehr über Steffis Reise und Erfahrungen wissen möchtest und auf schöne Reisebilder stehst, besuch sie doch mal auf Instagram. Unter _stephbysteph_ teilt sie ihre Erlebnisse und bewegt sich step by step aus ihrer eigenen Komfortzone.

 

#stephbysteph👣