31.10.2018

Schaurig-schön: Zu Samhain auf den Spuren der Kelten in Österreich


KULTUR ENTDECKEN
Autor — Janina Lebiszczak



Hallo Halloween, hallo wohliger Gruselschauer: Wusstest du, was "Angstlust" bedeutet? Nun: die Zentren für Angst und Lust liegen im Gehirn nah beieinander, die Wechselwirkung bemerkt man beim Gruseln, wie etwa beim Ansehen eines Horrorfilmes, auch im Spiel der Hormone: Adrenalin sorgt für den Kick, Endorphine für das Glücksgefühl. Die wenig wissenschaftliche Erklärung liefern wir gerne nach: Manche Menschen gruseln sich einfach gerne, sie genießen herbstlich-dunkle Nächte und mystische Stimmung, freuen sich über schwarze Katzen und Nebelschwaden, Schauermärchen und Gespenstersagen. Für sie ist Halloween der wichtigste "Feiertag" im Jahr.

Warum? In der Zeit um den 31. Oktober können sie hemmungslos ihrer Angstlust fröhnen. Auch hierzulande feiern wir bereits eifrig Halloween und zwar nach amerikanischer Tradition, was sich vor allem im Blutzuckerspiegel der an die Türen klopfenden Heranwachsenden und dem Aussehen der omnipräsenten Kürbislaternen niederschlägt. Dabei steckt so viel Interessantes hinter dem Ami-Hype - und so viel dazu gibt es in Österreich zu entdecken:

Nur wenige kennen das Halloween zugrunde liegende alte Keltenfest Samhain, welches zu Recht einen schaurigen-schönen Ruf genießt. Die Kelten glaubten, dass sich in dieser Nacht, die auch das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres kennzeichnete, die Grenzwelt zwischen den Lebenden und Toten besonders eng zusammenlag. Wer also mit seinen Ahnen spirituellen Kontakt aufnehmen wollte, tat das zu jenen Tagen, die wir als Allerheiligen und Allerseelen kennen - und unsere lieben Verstorbenen am Friedhof besuchen.

Doch zurück zu den Kelten: Wer richtig tief in die Welt von Samhain eintauchen möchte, anstatt sich passiv vom Gruselfest berieseln zu lassen, dem empfehlen wir einen Ausflug ins spätherbstliche Waldviertel.

Druiden und Kraftplätze

Hier findest du viele mystische Plätze, die deine Vorstellungskraft anregen - und viele erzählen uns von den Kelten und ihren Ritualen. Auf den Spuren der Druiden, ihren spirituellen Führern, wandelst du am Ysperklamm-Wanderweg, genießt dabei die geheimnisvolle Landschaft und staunst über die rätselhaften Steinsetzungen der Magier. Eine davon ist der Platz des Skorpion in Engelbrechts nahe Kautzen, im Schalenstein trocknet das Wasser niemals aus und Europas einziger "Doppelwackelstein" verlockt, ihn zum Schwingen zu bringen - was übrigens kaum jemand schafft.  Und dann wäre da noch - grusel-grusel: Der Opferstein! Manche Waldviertler meinen, dass seine Wanne eine "Blutschüssel" sei, die in vorchristlicher Zeit in Stein gehauen wurde, andere meinen, hier kamen die Frauen der keltischen Bewohner der Region nieder.   

Anreisetipp: Von Ybbs/Donau Bahnhof mit dem Postbus nach Yspertal Kammerbach. Von dort aus ist man in 6 Busminuten in der Ysperklamm.

Auch beeindruckend: Die Steinpyramide im Wald zwischen Schloss Rosenau und Oberneustift. Um sie ranken sich viele Mythen und Theorien, denn weder der Zweck noch Zeitpunkt der Errichtung ist bekannt. Nur eben, dass die alten Kelten hier am Werke waren. Sagenhafte Steinriesen und Wackelsteine, Naturdenkmäler wie der Christophorusstein und das Teufelsbett erwarten die Besucher auf der Blockheide in Gmünd-Eibenstein. Im keltischen Baumkreis kannst du dich auf die Suche nach deinem ganz persönlichen Baum begeben und mehr über deine menschlichen Eigenschaften erfahren.

Anreisetipp: Mit dem Zug nach Zwettl und von dort aus in 15 bis 20 Minuten mit dem Postbus nach Oberneustift oder Rosenau.

Genug Mystik für einen Ausflug? Oder darf’s ein bisserl mehr sein? In der "Waldviertel Räucherwerkstatt" in Heidenreichstein shoppst du ein Stück Samhain-Stimmung für zu Hause: Die gleichnamige Räuchermischung soll die Tür zur Anderswelt öffnen, denn der aufsteigende Rauch dient laut Inhaber Walter als Brücke zu unseren Vorfahren. Also Obacht und immer freundlich sein, wenn die Erbtante oder der Lieblings-Opa plötzlich vorbeischauen!

Anreisetipp: Die ÖBB fahren direkt nach Heidenreichstein.

Wo noch in Österreich?

Doch nicht nur im Waldviertel kann man auf den Spuren der Kelten wandeln: Das Keltenmuseum in Hallein in Salzburg zählt zu den bedeutendsten Sammlungen von Zeugnissen keltischer Kunst und Geschichte in ganz Europa und bietet einen umfassenden Überblick über die Welt der Kelten mit Schwerpunkt alpiner Raum. Das absolute Highlight: Die jahrtausendealte, keltische Schnabelkanne vom Dürrnberg mit ihren fabelwesenartigen Raubtieren und Dämonen. Und im nahen Keltendorf Salina am Dürrnberg - neben den Salzwelten Hallein gelegen - wirst du in die Welt von vor 2.600 Jahren zurückversetzt und erlebst den harten Alltag der Kelten ganz abseits von Opferritualen und Magie. 

P.S.: Wer auch an Samhain sparen möchte: Der Besuch der Salzwelten Hallein und des Keltendorfes Salina sind Teil der ÖBB Plus Angebots.

 
 
 
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