12.10.2018

Von Currywurst und Hipster-Cafés - eine kulinarische Reise nach Berliner Art


SLOW FOOD
Autor — Valentina Seisenbacher



Berlin trägt nicht nur viel Geschichte in sich, es ist auch gerne hip und modern. Nicht nur die Mode ist in Sachen Trends der österreichischen um ein, zwei Nasenlängen voraus. Auch die Küche hat, was Innovation gepaart mit modernem Lebensstil angeht, einiges zu bieten. Doch welcher Schiene - alteingesessen oder trendig - vertrauen wir mehr, wenn uns in der deutschen Hauptstadt der Magen knurrt und wir schon grantig sind? Ich war vor Ort und habe den Selbsttest gemacht.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Die Currywurst, das Aushängeschild der deutschen Standl-Kulinarik, macht da keine Ausnahme. Allein der Geruch lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wir können es kaum erwarten, die dampfende Kost in unseren Händen zu wissen. Zum Schluss eine gute Portion Ketchup drauf und dir wird das Festmahl vom freundlichen Verkäufer à la Ja-Natürlich-Hofstätter mit Berliner Schnauze durch das Fenster einer der beliebtesten Currywurst-Standln der Stadt gereicht. Die Rede ist von "Curry 61" in der Oranienburger Straße, das angeblich die beste Curry Wurst der Stadt serviert.

Zugegeben: Sogar ich (und ich mache normalerweise einen eleganten Bogen um diese Spezialität) habe es in vollen Zügen genossen, während ich entspannt am Stehtisch der Bude lümmelte und meinen Blick über das rege Treiben der Stadt schweifen ließ.

Hippe Lifestyle-Cafés

Wer die Wiener Kaffeehauskultur gewohnt ist und in Berlin nach einem gemütlichen Platzerl zum Ausschnaufen inklusive Kuchen sucht, wird leider selten fündig. Der moderne Berliner gibt sich mit stylisch minimalistisch eingerichteten Cafés zufrieden, in denen der Komfort beim Holzbankerl ohne Rückenlehne endet - sofern es überhaupt Sitzgelegenheiten gibt. Was soll’s, Coffee to go ist eh viel hipper. Entscheidet man sich trotzdem zu bleiben, sollte man auf eines gefasst sein: die Auswahl an Speisen zum Frühstück oder zur Kaffeejause ist, was viele Österreicher im ersten Moment höflich als "interessant" beschreiben würden.

Vegane Kost ist fest auf der Speisekarte vertreten und ein simples Frühstück mit Croissant oft viel schwerer zu finden als gedacht. In diesem Fall ist es ratsam, einfach tief durchzuatmen und sich um 09:00 Uhr morgens genüsslich dem in Essig getränkten Avocadobrot hinzugeben. Besagtes Avocadobrot und andere Schmankerl findet man im "Distrikt coffee" in der Bergstraße 68 und wer Lust auf Kuchen hat, sollte der "Bravo Bravko Kuchenwerkstatt" in der Lausitzer Straße 47 einen Besuch abstatten.

Einmal Döner mit alles bitte

Auch ein waschechter Berliner Döner durfte auf meiner Reise nicht fehlen. Immerhin wollte ich klären, ob er wirklich so viel besser ist, als der unsrige in Wien (wie so viele behaupten) und meine unendliche Ungewissheit ein für alle Mal beenden. Auch wenn ich es nicht ganz einfach fand, den Döner zu essen, den zahlreichen Fluchtversuchen von Tomaten und Sauerrahmsoße sei Dank, war ich vom Fladenbrot gefüllt mit dem duftenden, gut gewürzten Fleisch und Gemüse sehr überzeugt.

Meiner Erfahrung nach sind die besten Dönerbuden Berlins im Stadtteil Kreuzberg zu finden, unter anderem "Doyum" in der Admiralstraße oder "Mustafas" am Mehringdamm. Letztere ist bekannt für die besten Gemüsekebabs der Stadt, die eine tolle Auswahl an Soßen von Zitronen- bis scharfer Gewürzsoße und als Topping frischen Ziegenkäse anbietet - einfach top. Zukünftig werde ich mich mit meiner Behauptung zurückhalten, dass der Wiener Döner absolut mit dem der deutschen Hauptstadt mithalten kann.

Vegane Donuts

Vegane Kost ist aus der modernen Kulinarik nicht mehr wegzudenken, das lässt einen Berlin nicht so leicht vergessen. Besonders auffällig ist es, wenn man an einem der "Brammibal’s Donuts"-Lokale vorbeikommt, wo sich die Schlange davor bis um die Häuserecke zieht. Abenteuerlustig beschloss ich, dem Ganzen auf den Zahn zu fühlen und reihte mich in die Menschenmenge ein. Einen Blick auf die Karte über der Theke geworfen, entschied ich mich für vier Donuts: Hibiskus, Erdnussbutter, Nougat und brauner Zucker. Übertrieben? Auf keinen Fall. Ich möchte mich kein zweites Mal anstellen müssen, ist doch klar. Die runden Küchlein mit dem Loch in der Mitte lösen eine Geschmacksexplosion im Mund aus und waren definitiv eines meiner kulinarischen Highlights auf meiner Reise. Zu finden sind Brammibal‘s vegane Köstlichkeiten gleich dreimal in der deutschen Hauptstadt: Maybachufer 8, Danziger Straße 65 und in der Alten Potsdamer Straße 7.

Zusammengefasst: Auch, wenn sich die Berliner in Sachen Gemütlichkeit noch das ein oder andere von uns abschauen könnten, bin ich, sowohl von klassischer als auch von moderner Berliner Kost schwer begeistert. Ich kann es kaum erwarten, mir wieder mal einen dieser veganen Donuts holen zu können.

 
 
 
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