24.10.2018

Diese 4 ausländischen Speisen definieren die österreichische Küche


SLOW FOOD
Autor — Jasmin Kreulitsch



In österreichischen Wirtshäusern werden Klassiker der heimischen Küche aufgetischt, die nicht nur mit Geschmack, sondern auch mit spannenden Geschichten daherkommen: Manche der vermeintlichen Nationalgerichte wurden nämlich nicht bei uns erfunden. Und dennoch: Ohne diese vier "fremden" Speisen kann man sich die österreichische Küche nicht vorstellen.

1. Wiener Schnitzel: Von Norditalien nach Wien

Du musst jetzt stark sein. Es kann nämlich sein, dass wir dein Weltbild ins Wanken bringen. Bereit? Dann los: Das Wiener Schnitzel wurde nicht in Österreich erfunden. Zwar essen wir es im Durchschnitt 30 Mal im Jahr, der Ursprung liegt aber nicht in unserer "Heimat bist du großer Schnitzel", sondern in Italien.

Dort haben Köche schon im 16. Jahrhundert Fleisch in Weißbrotbröseln gebacken. Zu uns kam das Schnitzel um das Jahr 1857. Damals aß Feldmarschall Radetzky in einem norditalienischen Restaurant "ein Kalbskotelett, in Ei gewälzt, paniert und in Butter gebacken". Er brachte das Rezept mit nach Wien. Im Wiener Staatsarchiv bestätigt ein Schriftstück die Herkunft des Wiener Schnitzels im Mailänder Raum.

Kulinarik-Stopp: Vom Bahnhof Bregenz spazierst du drei Minuten ans Ufer des Bodensees zum "Wirtshaus am See".
Tipp: Wiener Schnitzel vom Kalb mit Pommes um EUR 19,90.

2. Palatschinken: Von Ungarn nach Österreich

Der Schock, dass unsere vielgeliebten Palatschinken, ebenso wie das Wiener Schnitzel, nicht in Österreich erfunden wurden, fällt kleiner aus. Die meisten wissen, dass das eines jener Gerichte ist, die im ungarischen Raum ihren Ursprung haben. Viele dieser Speisen entstanden in der Zeit der Habsburger Monarchie.

Das Wort "palacsinta" entwickelte sich aus dem rumänischen Wort "placinta" bzw. dem lateinischen Wort "placenta" für "Kuchen". Der Name Palatschinken taucht um 1890 in Wiener Kochbüchern auf. Mittlerweile gibt es das Gericht weltweit: In Russland sind es Blinis, in Polen Racuchy, in Tschechien Lívance, in Frankreich Crêpes, in den USA Pancakes.

Kulinarik-Stopp: Einen Mix aus österreichischen Gerichten mit mediterranen Elementen findest du im "Auerhahn" in Salzburg, fünf Geh-Minuten vom Bahnhof entfernt.
Tipp: Palatschinken mit Marillenmarmelade um EUR 6,30 oder mit Marillenröster und Vanilleeis um EUR 8,20.

3. Gulasch: Von den ungarischen Steppenvölkern in die Wiener Szene

Es waren auch die Ungarn, denen wir die Rezeptur eines anderen Klassikers verdanken: Gulasch hat seine Ursprünge im ungarischen "Gulyás", was so viel bedeutet wie "dem Hirten zugehörig/von einem Hirten gemacht". Einst kochten Steppenvölker aus Fleischabfällen eine Suppe in einem Kessel über dem Feuer. Damals war aber von Paprika keine Spur. Erst die neuzeitliche Gulaschsuppe wurde rot, als man Paprika als Pfefferersatz verwendete.

Dass das Gulasch zum österreichischen Liebling wurde, verdanken wir Kaiser Joseph II. Er wollte Wien zum Machtzentrum etablieren. Den Ungarn gefiel dies nicht, daher rebellierten sie. Eine ihrer Ideen war es, das Arme-Leute-Essen Gulasch zum Nationalgericht zu machen. Doch anstatt dass die Wiener sich angeekelt zeigten vom vermeintlichen Gericht der Unterschicht, liebten sie es vom ersten Bissen an.

Kulinarik-Stopp: Vom Bahnhof Bruck an der Mur gehst du zehn Minuten zum "Restaurant Riegler".
Tipp: Rindsgulasch mit Gebäck oder Knödel um EUR 7,90.

4. Apfelstrudel: Von Arabien nach Österreich

Obwohl wir in Österreich gute Strudel fabrizieren, liegt der Ursprung in Arabien, von wo aus sie über Ägypten, Palästina und Syrien bis in die Türkei kamen. Von hier gelangte das Rezept nach der Eroberung Konstantinopels über den Balkan nach Wien.

Wieder hatten die Ungarn ihre Finger im Spiel: Während der Türkenbelagerungen im 16. und 17. Jahrhundert lernten sie die Zubereitung des hauchdünnen, von Hand gezogenen Teiges. In Österreich gewann die Süßspeise dank Maria Theresia an Bedeutung. Im 18. Jahrhundert wurde der Apfelstrudel als klassische Wiener Mehlspeise an ihrem Hof verspeist. In der Wiener Stadtbibliothek gibt es das älteste überlieferte Rezept aus dem Jahr 1696.

Kulinarik-Stopp: In Villach gibt es eines der besten Restaurants in Bahnhofsnähe. Der "Villacher Brauhof" liegt drei Minuten vom Bahnhof entfernt.
Tipp: Hausgemachter Apfelstrudel um EUR 4,20.

Klar bei allen österreichischen Klassikern mit "fremdem" Ursprung ist: Hauptsache, es schmeckt.

 

 
 
 
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