31.01.2016

Powderhunting im Paznaun


ACTIVE
Text — Lea Hajner



Besser hätte es nicht kommen können. Schnee Ende nie und für die kommende Woche prophezeit der Wettermann jeden Tag Sonnenschein. Als ich mit Snowboard und Lawinenrucksack in Landeck aus dem Zug steige und vom Hotelshuttle abgeholt werde, kann ich mir den Grinser einfach nicht verkneifen. Drei Tage Paznaun liegen vor mir, drei Tage Powder, drei Tage mit Locals durch Galtür, Ischgl und Kappl. Wenn das kein guter Grund für Vorfreude ist!

Ischgl selbst ist mir eher als Après-Ski Hochburg mit internationalem Flair bekannt. Die Skipiste war bei meinen bisherigen Besuchen jedenfalls nicht an erste Stelle auf der Prioritätenlist. Die Chance The Killers oder Micky Krause live zu sehen haben jedes Mal gewonnen und irgendwie haben die Abende immer im Kuhstall geendet. Diesmal ist es auch nicht die Skipiste die mich lockt, sondern das Gebiet abseits. Denn im Paznauen gibt es etwas, das immer mehr Menschen für sich entdecken: Freeride Hänge soweit das Auge reicht. Der erste Tag beginnt in Galtür. Ganz ans Ende des Tals zieht es vor allem Schweizer Touristen. Sie haben nicht nur die Übersichtlichkeit des Skigebiets für sich entdeckt, sondern auch die drei Freeride Routen: Ballunspitze, Zelinisroute und das Kopse Jöchl. Selbst für Kinder haben die Bergbahnen Galtür sich etwas überlegt: eine spezielle Freeride Route für Kids; mit Lawinencheckpunkt, wie bei den Großen. Christoph Pfeifer, Bergführer und erfahrener Skilehrer zeigt uns hier die besten Wege durch den glitzernden Schnee. Aber zuerst testen wir unsere Geräte im Pieps-Park, in dem sich das Suchen mit einem LSV (kurz für Lawinenverschüttetensuchgerät) üben lässt.   Vor dem zweiten Tag graut mir ein wenig, denn er steht unter dem Motto: Freeriden in Ischgl. Nachdem ich, wie bereits erwähnt, mehrere Male in Ischgl gut gefeiert und dann dementsprechend gelitten habe, bin ich kein großer Ischgl-Fan. Meistens ist mir auch auf den Pisten einfach zu viel hier los. Dennoch gibt es einen guten Grund gerade in Ischgl fahren zu gehen, denn seit 2014 gibt es hier im Gebiet einen neuen Lift: den Piz Val Gronda. Die Seilbahn ist nicht nur topmodern und mit 34 beheizten Sitzplätzen ausgestattet, sie bringt die Gäste auch in nur sechs Minuten ins reinste Freeride Paradies. Für Pistenfahrer hat man formhalber auch eine Piste angelegt. Der Rest der Hänge gehört den Freeridern, die in Lawinengesprengtem Terrain sich austoben können. Ein kleines Paradies abseits von Après-Ski und Klischees in Ischgl. Am dritten Tag zeigt die Sonne nochmal so richtig was sie kann und wir starten noch eine Spur früher. Denn auch wenn Kappl im Tal im Winter recht wenig Sonne abbekommt, oben im Skigebiet scheint sie kräftig auf die Hänge. Freeride Guide Ingo freut sich über uns als Gäste. Auch wenn hier erst die Qualifier Series Open Faces für die Freeride World Tour stattgefunden haben so richtig bekannt ist Kappl als Freeride-Gebiet noch nicht. Die Quellspitze nehmen wir auch gleich als erstes uns vor bevor die Lawinengefahr steigt. Auch wenn der dritte Tag abseits alles von meinen Muskeln abverlangt, ich kann nicht genug davon bekommen. Von dem Gefühl zu schweben, geschmeidig meine Kurven zu ziehen und voll konzentriert zu sein. Auf mich und den Berg, und sonst nichts und niemand.

Abseits mit Guide in Kappl am Hang der Freeride Worldtour (c) Lea Hajner Abseits mit Guide in Kappl am Hang der Freeride Worldtour (c) Lea Hajner

Kappl ist übrigens nur einen Berg von Rendl bei St. Anton am Arlberg entfernt , erklärt uns Guido und zeigt auf die Berge im Westen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit übers Malfontal nach Pettneu abzufahren und sich dort vom Shuttlebus abholen zu lassen. Ich lege gedanklich ein Lesezeichen ab, das klingt nach einem Plan für nächstes Jahr.
 
 
 
 

Lea Hajner
ist Reisejournalistin. Sie mag schöne Geschichten aus fernen Ländern. Und sie erzählt gerne schöne Geschichten, mal aus der Ferne mal aus der unmittelbaren Umgebung. Es sind  Geschichten vom Reisen, vom Fernweh, von schönen Begegnungen und abenteuerlichen Ausflügen in die Natur.
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